Ökologie verbindet

In Umweltfragen tut sich etwas in Russland, sogar in der Energiebranche. Das Thema Ökologie könnte der deutsch-russischen Zusammenarbeit einen positiven Anstoß geben.

Sergej Donskoj, Michael Harms, Dr. Fares Kilzie, Florian Willershausen, Ulrich Benterbusch auf der Veranstaltung Ökologische Verantwortung im russischen Energiesektor / Foto: Andreas Krufczik

Im Umweltschutz ist Russland sicherlich kein weltweiter Vorreiter. Dennoch: Im Land tut sich etwas, selbst bei Erdöl– und Gaskonzernen. Und das, obwohl die staatlichen Vorgaben noch ausbaufähig sind, zumindest verglichen mit Deutschland und der EU. Es ist bisher auch der eigene Wille, der Energieunternehmen zum Umweltschutz bewegt. Auch der Anstoß durch internationale Initiativen treibt die Entwicklung im Land voran, etwa das Rating der WWF Russland und der Investment- und Managementgesellschaft CREON Group, dessen Ergebnisse am 5. Dezember in Berlin vorgestellt wurden. Bereits zum fünften Mal untersuchten die Initiatoren Branchenunternehmen auf ihre Transparenz in Fragen des Umweltschutzes und der ökologischen Verantwortung auf Basis eigener Angaben der Konzerne. Sieger des diesjährigen Ratings war wie auch im vergangenen Jahr der Konzern Sakhalin Energy, der das Projekt Sakhalin-2 zur Förderung von Erdgas und -öl nördlich der russischen Pazifikinsel Sachalin im Ochotskischen Meer betreibt. Auf Rang zwei und drei folgten Zarubeshneft, das sich vor allem im Ausland engagiert, und Exxon Neftegaz Ltd (Sakhalin-1). Aber auch Umweltprojekte allgemein sowie das Dauerthema Flüssiggas (LNG) standen auf der Tagesordnung der Veranstaltung.

Tool für den Dialog

Energie ist ein gewichtiges Thema im deutsch-russischen Handel. Die Branche macht den Löwenanteil im Warenaustausch zwischen den beiden Ländern aus. Und auch der Umweltschutz ist ein global immer wichtiger werdendes Thema, bei dem sich, trotz aller politischer Unstimmigkeiten, Deutschland und Russland „grün“ sind. Dabei lässt sich in Russland ein deutlicher Wandel beobachten, berichtete der Vorsitzende der Geschäftsführung des Ost-Ausschuss – Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft, Michael Harms. Die Entwicklung hin zu mehr Umweltschutz biete Chancen für deutsche Unternehmen, ihre Anlagen abzusetzen. Aber auch russische Unternehmen böten heute interessante Technologien und seien nicht mehr nur als Rohstofflieferanten interessant. Auch ein Statement zum meistdiskutierten Projekt der deutsch-russischen Energiekooperation ließ sich der Vorstandsvorsitzende nicht nehmen: „Wir wehren uns gegen die Einflussnahme, wie unsere Energieversorgung laufen soll“, konstatierte Harms mit Blick auf Nord Stream 2.

Der Umweltschutz könnte für den Dialog zwischen Deutschland und Russland eine wichtige Rolle spielen. Auf beiden Seiten gibt es bereits gute Projekte, die Ex-Umweltminister Sergej Donskoj, DEA-General-Manager Dr. Michael Zettlitzer, Executive Manager bei Wetlands International, Dr. Tatiana Minajewa, und Elena Kompasenko von Zarubeshneft vorstellten. Dabei waren sich die russischen Referenten einig: Zwar gebe es beim Umweltschutz in Russland natürlich noch viel Luft nach oben, dennoch gehe es in die richtige Richtung. „Wir sind keine Zauberer, aber wir lernen“, sagte der ehemalige Minister Donskoj. Dabei sei jede Initiative wichtig.

Das bestätigt auch das Rating. Neben Umweltgesetzen und internationalen Kooperationen seien Initiativen wie das Rating wichtiger denn je für Russland, sagte auch der WWF. Viele Energiekonzerne habe das Rating schließlich dazu bewegt, etwas zu tun, berichtete Alexej Knischnikow, Projektleiter beim WWF.

40 Mrd. für die Umwelt

Erst 2017 hat die Regierung das „Jahr der Ökologie“ in Russland ausgerufen. Das Land hält am Pariser Klimaabkommen fest. Und die Regierung kündigte an, 40 Milliarden Euro in ein bis 2024 laufendes Programm zum Umwelt- und Naturschutz zu investieren. Und auch die Unternehmen selbst investieren: So setzen immer mehr Konzerne auf die Kreislaufwirtschaft, nutzen das bei der Produktion freiwerdende Gas, statt es abzufackeln. Das erlaubt es den Unternehmen letztendlich nicht nur ihr Image zu polieren, sondern auch effektiver zu wirtschaften. Oder Konzerne setzen gleich auf grüne Energie: Lukoil etwa betreibt Solarparks, für Novatek ist die Windenergie interessant. Und nicht zuletzt forcieren die Unternehmen immer mehr eigene LNG-Projekte – eine weitere wichtige Basis für neue Impulse der deutsch-russischen Energiekooperationen.

ema

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