Dohas Schlag

Der Austritt Katars aus der OPEC schwächt die Organisation in Wien. Auch der Iran wird davon langfristig nicht profitieren.

Katar tritt nach 57 Jahren aus der OPEC aus. Foto: © Vincent Eisfeld / vincent-eisfeld.de / CC-BY-SA-4.0

Katar tritt nach 57 Jahren aus der OPEC aus. Zum 1. Januar endet die Mitgliedschaft des Emirats am Persischen Golf in der Organisation Erdöl exportierender Länder.

Katars Staatsminister für Energie, Saad Sherida al Kaabi, gab die Entscheidung am 3. Dezember bekannt. Er begründete die Entscheidung damit, dass sich Katar auf die Gasproduktion konzentrieren wolle.

Die 1960 gegründete OPEC wird dadurch weiter geschwächt. Auch den Zeitpunkt haben sich die Kataris anscheinend bewusst ausgesucht: An diesem Donnerstag treffen sich die Mitglieder in ihrem Hauptsitz in Wien, um die Senkung der Öl-Produktion zu besprechen und den weiteren Fall des Ölpreises zu stoppen. Die OPEC-Staaten fördern ungefähr 40 Prozent des weltweiten Erdöls und verfügen über drei Viertel der weltweiten Erdölreserven.

Katar ist in der OPEC mit 609.000 Barrel Öl pro Tag zwar nur der elftgrößte Öllieferant, aber der Austritt hat eine symbolische Bedeutung und offenbart die Differenzen in der Organisation, vor allem im Hinblick auf den Streit mit Saudi-Arabien. Kleinere Produzenten fühlen sich innerhalb der OPEC von dem größten Lieferanten in der Organisation ausgegrenzt und werfen ihm vor, im Alleingang zu agieren.

Saudi-Arabien und Russland, das in der OPEC nicht Mitglied ist, hatten ihre Ölproduktion seit Sommer erhöht, um den Wegfall der iranischen Ölexporte auszugleichen. Doch die Angebotslücke fällt deutlich geringer aus als erwartet. Deshalb sinken die Ölpreise.

Seit der Blockade von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten gegen Katar sind sich Teheran und Doha deutlich näher gekommen. Von Katars Austritt, der als Protest gegen Riads Politik zu verstehen ist, dürfte Iran kurzfristig profitieren. Der iranische Ölminister Bijan Zanganeh sagte am 4. Dezember zwar, dass die Gründe für Katars Entscheidung gründlich untersucht werden sollten, fügte aber gleich hinzu: „Die OPEC hat große Probleme mit einigen Ölproduzenten, zu denen Katar nicht gehört!“

Doch längerfristig kommt Katars angekündigter Fokus auf seine Gasförderung den Iranern gar nicht zugute. Der Iran teilt sich mit Katar das größte Gasfeld auf der Welt im Persischen Golf und fördert wegen der Sanktionen jetzt schon viel weniger als der südliche Nachbar.

Amir Alizadeh

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