Deutsche und Russen geteilter Meinung zur russischen Wirtschaft

Ergebnisse einer Studie des Beratungshauses Deloitte zeigen eine verschlechterte Stimmung von Unternehmern in Russland bezüglich ihres Geschäfts, vor allem gegenüber dem ersten Halbjahr 2018. Die deutsche Wirtschaft bleibt dagegen weiter zuversichtlich, wie auch schon Ende 2017.

Ergebnisse einer Studie von Deloitte zeigen eine verschlechterte Stimmung von Unternehmern in Russland bezüglich ihres Geschäfts. Deutsche Wirtschaftsvertreter blicken einer rosigeren Zukunft entgegen. Foto: iStock © Mordolff

Laut einer Studie der Beratungsfirma Deloitte sehen 37 Prozent der Wirtschaftsvertreter in Russland, vor allem russische selbst, die Aussichten für die russische Wirtschaft pessimistisch – so viele wie seit 2015 nicht mehr. Das ist eine Vervierfachung gegenüber den Ergebnissen aus dem ersten Halbjahr. Nur 31 Prozent bewerten die Zukunft positiv, hauptsächlich aus dem IKT- und Medienbereich. Es sind vor allem die Sanktionen als auch die Mehrwertsteuererhöhung ab 1. Januar 2019 von 18 auf 20 Prozent, die die Aussichten der Wirtschaft trüben.

Deutsche positiv gestimmt

Aus dem deutschen Unternehmerlager in Russland waren das ganze Jahr über andere Stimmen zu hören. Hansjürgen Overstolz, Präsident von Bosch Russland, zeigte sich im Oktober zufrieden über die Geschäftsentwicklung im Jahr 2018. Zwar seien die Rubelabwertung und das außenpolitische Umfeld ernst zu nehmende Herausforderungen, der Bosch-Präsident vertraue aber „auf die Vernunft der Menschen und das hat die Geschichte bereits bewiesen“.

Auch der ehemalige CEO und Präsident von Siemens, Dr. Dietrich Möller, war im Juli positiv zum Geschäft in Russland gestimmt: „Wir sind mit der Entwicklung des Geschäftes in Russland zufrieden und investieren weiter“.

Nikolaus Knauf, Gesellschafter des gleichnamigen Unternehmens, fand zwar deutliche Worte zu den Sanktionen: „Wir verlieren in Russland sicherlich jedes Jahr 1,2 Prozent Wachstum, das wir unter normalen Umständen hätten, wenn diese schrecklichen Sanktionen nicht da wären“. Trotzdem sah auch er die Geschäftsentwicklung des Unternehmens in Russland auch im November weiterhin positiv.

Auf gleichem Stimmungskurs

Damit scheint die deutsche Wirtschaft auf gleichem Stimmungskurs zu bleiben wie im Vorjahr. Nach einer Umfrage des damaligen Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (heute OAOEV) vom November 2017 beurteilen 63 Prozent der deutschen Unternehmer die Lage in Russland als positiv, 78 Prozent sahen sogar optimistisch in die Zukunft. Zwar waren und sind die US-Sanktionen mit extraterritorialer Wirkung weiterhin ein hoher Unsicherheitsgrad, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass die Zahl der betroffenen Unternehmen begrenzt sein wird, was die Stimmung weiter oben hält.

Dass die russische und deutsche Wirtschaft in Russland die Lage im Land verschieden beurteilen, ist kein Einzelfall. Auch in der Vergangenheit reagierte die russische Unternehmerschaft, etwa bei Fragen wie Steuererhöhungen – ganz aktuell bei der Umsatzsteuer –, deutlich sensibler. Vertreter der deutschen Wirtschaft sehen wirtschaftspolitische Schritte und die Entwicklungen Russlands hingegen häufiger positiv und anerkennen ihre stabilisierende Wirkung, etwa die steigenden Währungsreserven oder den Aufstieg im Ease of Doing Business Rating der Weltbank.

 

 

 

 

Ulf Schneider
Geschäftsführender Gesellschafter und Herausgeber
OWC-Verlag

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