Unternehmerstimmen Russland: Landwirtschaft

Russlands Landwirtschaft ist eine wichtige Wirtschaftsbranche und hat großes Wachstumspotenzial. Doch Probleme mit Plagiaten bedrohen die Entwicklung, erklärt Milchproduzent Stefan Dürr in unserer Reihe Unternehmensstimmen 2018/19.

Russlands Landwirtschaft ist eine wichtige Wirtschaftsbranche und hat großes Wachstumspotenzial. Foto: Ekosem-Agrar AG

Herr Dürr, was war Ihr Highlight im Jahr 2018?

In den letzten anderthalb Jahren haben wir unsere Landwirtschaftsflächen und die erzeugte Rohmilchmenge verdoppelt. Zum 30. September verfügen wir über eine landwirtschaftliche Nutzfläche von mehr als 460.000 Hektar und erzeugen 1.400 Tonnen Rohmilch täglich. Dies macht uns nicht nur zum größten Milcherzeuger in Russland und Europa, sondern zu einem der zehn größten weltweit. Unsere führende Marktposition verschafft uns einen wesentlichen Wettbewerbsvorteil auf dem Weg zum ersten russlandweiten Anbieter von Milchprodukten mit vertikal integriertem Geschäftsmodell. Noch in diesem Jahr führen wir unser erstes Sortiment an Milchprodukten unter der neuen Dachmarke „EkoNiva“ in Russland ein.

Was war die Pleite des Jahres?

Noch immer ist die Produktfälschung ein ernstzunehmendes Problem. Die verbreitete Praxis der Verarbeiter, in ihren Milchprodukten das Milchfett teilweise durch billiges pflanzliches Fett (Palmöl) zu ersetzen, schadet der Branche erheblich. Erfolgreiche russische Unternehmen können im internationalen Wettbewerb bestehen, wenn dieser fair ist. Es wird uns allerdings niemals gelingen, wenn wir gegen Palmöl konkurrieren. Wenn dieses Problem nicht bald gelöst wird, werden viele Betriebe nicht überleben, die Milchviehbestände werden dramatisch schrumpfen. Damit es nicht dazu kommt, erwarten wir ernsthafte Maßnahmen im Kampf gegen Produktfälschungen. Die russische Regierung hat harte Maßnahmen angekündigt. Das begrüßen wir, da dann auch der Milchpreis wieder ein angemessenes Niveau erreichen sollte.

Wie wird sich die Branche 2019 entwickeln?

Die Landwirtschaft hat sich zu einem der wichtigsten Wirtschaftssektoren des Landes mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten entwickelt. Für Milcherzeuger bietet der Staat weiterhin sehr attraktive Investitionszuschüsse und Zinssubventionen, um das nach wie vor hohe Defizit an inländischer Rohmilch zu verringern. Vor diesem Hintergrund sehe ich für die Landwirtschaft und für die Milcherzeuger gute Wachstumsperspektiven. Dazu kommen die immer noch relativ niedrigen Landpreise, die aber derzeit schon kräftig anziehen, sodass es in zwei, drei Jahren schwer sein wird, an gute Flächen zu einem vernünftigen Preis zu kommen. Außerdem bieten neue Technologien wie Precision Farming Chancen auf Effizienzsteigerungen.

Stefan Dürr ist Gründer und Vorstand der Ekosem-Agrar AG.

Dieser Beitrag ist zuerst im Deutsch-Russischen Wirtschaftsjahrbuch 2018/19 erschienen. Lesen Sie mehr dazu hier.

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