„New Holland“: Sanierung mit deutschem Know-how

Mitten im historischen Stadtzentrum St. Petersburgs befindet sich mit dem Gebäude-Komplex „New Holland” eine echte Sehenswürdigkeit. Im Rahmen umfangreicher Restaurierungsmaßnahmen werden  die denkmalgeschützten Fassaden und Mauerwerke restauriert – auch mit deutschen Baustoffen und Know-how.

Für die Renovierung des historischen Komplexes „New Holland“ holte sich die Stadt deutsches Know-how. Foto © New Holland Development_LLC- A.Savin

Das 1703 von Kaiser Peter gegründete St. Petersburg gilt heute als „nördliche“ Hauptstadt Russlands und eines der größten Kulturzentren des Landes. Mitten in der Stadt liegt auf einer künstlichen Insel der riesige Komplex „New Holland“ mit insgesamt sechs Gebäuden – direkt an der Verbindung zwischen Kryukov- und Admiralteysky-Kanal und der Moika. Anfang des 18. Jahrhunderts waren dort  zunächst hölzerne Lagerhäuser errichtet worden. Aufgrund der hohen Brandgefahr wurden sie später durch Steinbauten ersetzt. So entstand ein imposantes Gebäude-Ensemble in Kalk-Lehmziegelbauweise mit rötlichem Verblendmauerwerk an den Fassaden. Die Gebäudesockel wurden teils mit Granitplatten, teils mit Kalkstein verkleidet. Im Laufe der Jahre wurden die Gebäude immer wieder restauriert sowie durch An- und Neubauten ergänzt. 2010 begann das umfassendste Projekt zur Neuentwicklung von „New Holland“ – mit dem Ziel, das Gelände wieder in das wirtschaftliche Leben der Stadt zu integrieren. So soll auf dem Areal ein multifunktionaler Kultur- und Geschäftskomplex entstehen.

Restaurierung nach internationalen Standards

Nachdem zunächst der Abriss aller Gebäude diskutiert worden war, entschloss sich der Bauherr schließlich zu Erhalt und Sanierung des Ensembles. Das St. Petersburger Komitee für staatliche Kontrolle, Nutzung und Schutz von historischen und kulturellen Denkmälern überwacht dabei, dass die Normen und Richtlinien zum Schutz von Baudenkmälern eingehalten werden. Insgesamt 12,1 Milliarden Rubel soll das Großprojekt kosten. Von dem Auftrag profitiert auch der Baustoffhersteller Remmers. Der Mittelständler aus Niedersachsen war schon Mitte 2015 in die Fachplanung involviert und mit Analysen im Vorfeld der Restaurierungsmaßnahmen beauftragt worden. Für das Unternehmen ist es aufgrund des hohen Prestiges im Land ein besonderes Projekt. Um den Auftrag für „New Holland“ zu gewinnen, halfen gute Kontakte und seit 1995 bestehende Geschäftsbeziehungen mit mehreren Büros und rund 70 Mitarbeitern im Land, so Michael Pojarov, Direktor für Bauten- und Fassadenschutz für den Geschäftsbereich International. „Vor allem aber konnten wir klarmachen, dass wir viel Know-how mitbringen. Und der Bauherr war bereit, in qualitativ hochwertige Materialien zu investieren“, erklärt der Remmers-Manager.

Im Mittelpunkt der Sanierung standen das ehemalige Gefängnisgebäude, die Schmiede, das Haus des Inselkommandanten und drei der historischen Lagerhäuser. Schon die Schadensanalysen von Bauteilen und Baustoffen erwiesen sich „aufgrund des Alters und der Heterogenität der Bausubstanz als äußerst aufwändig“, erklärt Michael Pojarov von Remmers. Bei der Bestandsanalyse zeigte sich, dass alle Gebäude sowohl im Innenbereich als auch an Fassade und Dach teils starke Beschädigungen aufweisen. „Als Problem entpuppten sich vor allem die stark durchfeuchteten Ziegel- und Putzflächen. Unter anderem gab es am Mauerwerk und an den Verschalungen der Sockel zahlreiche Schäden“, beschreibt Michael Pojarov den schlechten Zustand der Gebäude. „Die Hauptaufgabe bestand darin, die Reste des Deckmaterials zu erhalten, vorherige Reparaturschichten zu entfernen und unprofessionelle Restaurierungsarbeiten zu beheben“, ergänzt Sergej Stojko, Baustellenleiter beim russischen Generalunternehmer BIK. Für den deutschen Baustoffhersteller bedeutete das Absatzpotenzial: Bei zahlreichen Arbeiten an Fundamenten und Mauerwerken, ob beim Auffüllen von Steinverlusten des Ziegelmauerwerks, bei der Instandsetzung, Isolierung und dem Schutz der Fundamente kamen Produkte von Remmers zum Einsatz.

Kooperation

Um die entsprechenden Instandsetzungstechnologien und Restaurierungsverfahren zu erarbeiten, mussten die deutschen Baustoffexperten bereits früh und eng mit ihren russischen Kollegen zusammenarbeiten – vom Bauherrn bis zur Denkmalschutzbehörde. „Beispielhaft ist die enge Kooperation des Investors, der ausführenden Handwerker und des beratenden  Ingenieurbüros mit dem Komitee für staatliche Kontrolle, Nutzung und Schutz von historischen und kulturellen Denkmälern der Stadt St. Petersburg“, lobt Michael Pojarov die Kooperation.

Julia Kutscherenko, Generaldirektorin beim Investor New Holland Development, zeigt sich mit dem Ergebnis hochzufrieden: „Alle Arbeiten wurden in enger Zusammenarbeit aller Beteiligten mit Respekt vor der Handwerkskunst vergangener Zeiten sehr feinfühlig durchgeführt und tragen so dazu bei, die Schönheit des New-Holland-Komplexes zu erhalten und den Zeitgenossen ganz neu darzustellen.“

Patrick Bessler

Dieser Beitrag ist in der aktuellen Ausgabe von OstContact 9/10-2018 erschienen.