EAWU-Konferenz: Neues Niveau der Zusammenarbeit

In Minsk fand Anfang November eine gemeinsame Jahreskonferenz der Repräsentanz der Deutschen Wirtschaft in Belarus, der AHK Russland und der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Zentralasien mit Fokus auf die Zusammenarbeit zwischen EU und EAWU statt. Mit ihrer Politik der kleine Schritte haben die Außenwirtschaftsvertretungen durchaus Fortschritte erzielt.

„Hatten gut lachen – Die AHK-Chefs von Belarus, Russland und Zentralasien“. Foto: OWC

Belarus ist zweifelsfrei ein Land, das sich seiner Brückenfunktion zwischen Ost und West bewusst ist. Nach einer gut zehnjährigen außenpolitischen Isolation konnte sich Minsk in den vergangenen drei Jahren als Standort für zahlreiche politische Gesprächsforen etablieren, darunter solche bekannten wie die Normandie-Runde zur Beilegung des Ukraine-Konflikts. Aber auch die Wirtschaft nutzt die günstige geografische Lage des kleinen osteuropäischen Landes: Am 9. November veranstalteten die Repräsentanz der Deutschen Wirtschaft in Belarus zusammen mit der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer und der Delegation der Deutschen Wirtschaft in Zentralasien ihre gemeinsame Jahreskonferenz im Minsker Marriott-Hotel. Schwerpunktthemen waren die Entwicklung der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) sowie Perspektiven einer zukünftigen Zusammenarbeit mit Deutschland und der Europäischen Union.

Gradmesser der Beziehungen zwischen Ost und West

Wer wollte, konnte in Minsk beobachten, wie gut sich die Beziehungen zwischen Ost und West in den vergangenen Monaten entwickelt haben. Die Teilnehmer lobten insbesondere die konstruktive und offene Arbeitsatmosphäre. Man habe wieder Vertrauen zueinander gefunden und könne nun offener Probleme ansprechen, erklärte Helge Engelhard vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Der Tag vor der Hauptveranstaltung fokussierte sich auf Expertengespräche. Vertreter aus nationalen Behörden, der EAWU-Kommission und der Wirtschaft diskutierten Themen wie die Harmonisierung von Normen und Standards, die Digitale Transformation und die Implementierung eines einheitlichen Zollkodex innerhalb der EAWU. Dass einige Tagungspunkte einen eher technischen Charakter hatten, bildet nach Meinung vieler Teilnehmer den Ausgangspunkt für eine erfolgreiche Wirtschaftszusammenarbeit. Bereitschaft dazu war bei allen Teilnehmern zu erkennen. Die eigentliche Konferenz am Folgetag brachte über 300 Wirtschaftsvertreter aus Ost und West zusammen. Themenschwerpunkt waren übergeordnete Fragen sowie Erfolge und zukünftige Herausforderungen der noch jungen Eurasischen Wirtschaftsunion. Angeregt wurden unter anderem Möglichkeiten einer besseren Zusammenarbeit mit der EU.

Wachsende Unterstützung für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum

Die Minsker Konferenz hat auch konkrete Ergebnisse in Sachen einer Zusammenarbeit zwischen EU und EAWU erzielt. Die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Zentralasien und sechs Privatunternehmen unterzeichneten ein Memorandum für einen gemeinsamen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok. Die deutschen Unternehmen Schaeffler, Thost, Drees+Sommer, Kuehne+Nagel und PhoenixContact schlossen sich der Initiative an. Mit Severstal trat ihr zudem die erste russische Firma bei.

Jakobine Freytag