Person der Woche: Friedrich Merz

Friedrich Merz. Foto: Gregor Fischer, Bankenverband – Bundesverband deutscher Banken / Lizenz: Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) / Quelle: https://www.flickr.com/photos/bankenverband/33716239902
  • Der 63-Jährige gilt als überzeugter Europäer, ausgewiesener Wirtschaftsexperte und als aussichtsreichster Kandidat für den CDU-Vorsitz.
  • Sein Fokus lag schon immer auf der Finanz- und Wirtschaftspolitik.
  • Der CDU-Politiker setzt sich stark für die transatlantischen Beziehungen ein.

Nach dem Rückzug von Angela Merkel gibt es beim Kampf um den CDU-Vorsitz einen Kandidaten, der für besondere Aufmerksamkeit gesorgt hat. Er präsentiert sich sowohl als überzeugter Europäer als auch als Kenner der Wirtschaft: Friedrich Merz. Nachdem er den Machtkampf gegen die amtierende Bundeskanzlerin verloren hatte, kam Merz nun überraschend wieder zurück auf die politische Bühne, um Merkel zu beerben.

Der ehemalige Abgeordnete des Europäischen Parlaments und frühere Chef der Unionsfraktion im Bundestag hatte sich schon immer auf die Wirtschafts- und Finanzpolitik konzentriert. Seit seinem Ausstieg aus der aktiven Politik hat er kontinuierlich daran gearbeitet, sein Netzwerk und seine Präsenz in der Öffentlichkeit zu pflegen. Als Senior Council bei der internationalen Kanzlei Mayer Brown richtete er sein Augenmerk auf Wirtschaftsfälle, beriet bei Fusionen und Übernahmen sowie in Corporate-Governance-Fragen.

Außerdem nahm er verschiedene Aufgaben in Unternehmen wahr. Am bekanntesten ist wohl seine Funktion als Chairman bei der deutschen Tochter der internationalen Fondsgesellschaft Blackrock, vor allem seit die Staatsanwaltschaft Köln gegen diese Ermittlungen wegen Ex-Cum-Geschäften eingeleitet hat. Merz wurde von den Ermittlern bereits entlastet und verspricht eine aktive Aufklärung. Zu den Ämtern, die er derzeit bekleidet, gehört der Vorsitz des Verwaltungsrats des Flughafens Köln/Bonn. Darüber hinaus agiert er als Aufsichtsratschef der Papierfabrik Wepa im saarländischen Brilon, wo er geboren wurde.

Zusätzlich ist Merz Mitglied in den Aufsichtsräten der Bank HSBC Trinkaus in Düsseldorf und des Schienenfahrzeugherstellers Stadler Rail. Der Schweizer Produzent betreibt auch ein Werk in Belarus und beliefert von dort aus die Eurasische Wirtschaftsunion. Die Liste ließe sich weiterführen. Bei all seinen geschäftlichen Tätigkeiten ist Merz bemüht, sein gesellschaftspolitisches Engagement als Redner und Autor in den Vordergrund zu stellen.

Als Vorsitzender der Atlantikbrücke setzt er sich für die transatlantischen Beziehungen ein. Zudem wirbt er als Mitgründer der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft wirtschaftsliberale Reformen, Unternehmertum und Eigeninitiative sowie ein unternehmensfreundliches Klima. Außerdem ist Merz seit Ende 2017 der Brexit-Beauftragte der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Er soll sie beraten und als Ansprechpartner für die britischen Unternehmen in NRW sowie für die deutschen Firmen in Großbritannien fungieren.


AUSSAGEN:

  • Merz hält die Verbindung von geschäftlichen und politischen Posten für sinnvoll.
  • Der CDU-Politiker repräsentiert ein weltoffenes Deutschland, christliche Ethik und die europäische Aufklärung.
  • Er fordert, dass Europa und die USA gegenüber Russland westliche Prinzipien verteidigen.

Über die Vereinbarkeit von Posten in Wirtschaft und Politik (2018):

„Der Aus- und Wiedereinstieg in die Politik ist doch in Wahrheit ein Plus und viel zu selten in Deutschland.“

Über Europa (2018):

„Vor ihnen steht ein wirklich überzeugter Europäer, ein überzeugter Transatlantiker. In diesem Sinne trete ich ein für ein weltoffenes Deutschland, dessen Wurzeln in der christlichen Ethik und der europäischen Aufklärung liegen und dessen wichtigste politische Verbündete die Demokratien des Westens sind.“

Über die Beziehungen zu Russland (2014):

„Wenn der Westen dieses Mal glaubwürdiger und ernsthafter reagieren will als bei den früheren Verletzungen des Völkerrechts durch Russland, dann können die Wirtschaftsbeziehungen mit Russland nicht unberührt bleiben.“

„Die westlichen Staaten haben in der Vergangenheit zahlreiche Sensibilitäten Russlands in der Welt nicht berücksichtigt, dennoch ist jetzt ein klares Pochen Europas und der USA auf westliche Prinzipien und das Völkerrecht nötig. Das wird vor allem die sehr stark in Russland engagierte deutsche Wirtschaft betreffen, aber das muss die deutsche Wirtschaft akzeptieren. Mit diesem Risiko war und bleibt jedes wirtschaftliche Engagement in Russland behaftet.“

„Ich selbst werfe mir vor, dass ich das 2001 im Bundestag vorgebrachte Angebot des russischen Präsidenten Wladimir Putin für eine europäisch-asiatische Freihandelszone ignoriert habe. Das war eine der großen Fehlentscheidungen im Umgang mit Russland.“

Über seine Kandidatur (2018):

„Wir brauchen in der Union Aufbruch und Erneuerung mit erfahrenen und mit jüngeren Führungspersönlichkeiten. Ich bin bereit, dafür Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig alles zu tun, um den inneren Zusammenhalt und die Zukunftsfähigkeit der CDU Deutschlands zu stärken.“


ANSICHTEN:

  • Merkel bezeichnet ihn diplomatisch als kooperationsbereiten Parteifreund.
  • Wirtschaftsjournalisten glauben, dass Merz für die Industrie ein guter Kandidat ist.
  • Wahlforscher meinen jedoch, dass der CDU-Politiker schon immer überschätzt worden ist.

„Ich kann auch mit Friedrich Merz gut zusammenarbeiten.“

Angela Merkel (2018)

„Ich würde erwarten, dass er alle Aufsichtsratsmandate abgibt, sollte er zum CDU-Vorsitzenden gewählt werden.“

Alexander Juschus, geschäftsführender Gesellschafter des Dienstleisters Governance and Values (2018)

„Aus Sicht der Industrie ist Merz ein hervorragender Kandidat, da er über Glaubwürdigkeit in beiden Feldern, der Politik und der Wirtschaft, verfügt und im besten Fall in der Lage wäre, einige Gräben zuzuschütten.“

Christine Stimpel, Partnerin bei der Personalberatung Heidrick & Struggles (2018)

„Nach fünf Fragen ist schon wieder Schluss – aber das reicht Merz, um aller Welt zu zeigen, dass er wieder da ist.“

„Eine Mischung aus demonstrativer Bescheidenheit, politischer Entschiedenheit und Machtanspruch.“

Andreas Rinke, Reuters, über die Pressekonferenz (2018)

„Herr Merz wurde in seiner Wirkung schon überschätzt, als er in der CDU noch Führungsämter innehatte.“

Wahlforscher Manfred Güllner (2018)

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