Person der Woche: Paulo Guedes

Foto: iStock©Rafael Serathiuk
  • Der Wirtschaftsberater des neuen brasilianischen Präsidenten hat den Real positiv beeinflusst.
  • Der Wirtschaftswissenschaftler hat keine Probleme mit Militärdiktaturen.
  • Der 69-Jährige soll Chef eines neuen Superministeriums werden.

Seitdem sich Armee-General Jair Bolsonaro zum Präsidentschaftskandidaten hat aufstellen lassen, geht es aufwärts mit der nationalen Währung Real und mit den brasilianischen Papieren. Die Deutsche Bank betitelte den ehemaligen Fallschirmspringer als „Kandidaten der Märkte“. Das liegt allerdings weniger an ihm und mehr an seinem Wirtschaftsberater, dem in Brasilien bekannten Wirtschaftswissenschaftler Paulo Guedes. Dieser hat seinen Doktortitel an der renommierten Universität von Chicago bei Milton Friedman erworben, die Alma Mater der extrem wirtschaftsliberalen Chicago Boys, die unter anderem „die Schocktherapie“ in Russland durchgeführt haben. Dass auch Guedes, kein Problem mit Militärdiktaturen hat, zeigte der Wissenschaftler, als er während der Herrschaft Pinochets an der Universität von Chile lehrte.

Mit 34 Jahren war Guedes Mitbegründer der führenden brasilianischen Investmentbank Pactual (heute BTG Pactual), danach gründete er den neoliberalen „Advocacy Think Tank“ Instituto Millennium mit. Er stand auch an der Spitze der IBMEC, einer der wichtigsten privaten Business Schools in Brasilien. Heute ist er Chef des Vermögensverwalters Bozano Investimentos.

In Brasilien ist Guedes auch ein bekannter Wirtschaftskolumnist; politisch aktiv war er selbst nicht. Aber bereits 1989 hat er Vorschläge für die Wirtschaftspolitik des liberalen Kandidaten Guilherme Afif Domingos (sozialdemokratische Partei Brasiliens) ausgearbeitet. Er sei seinen wirtschaftspolitischen Ideen seit 30 Jahren treu, sagt Guedes über sich selbst. Nun ist der 69-Jährige als Chef eines neuen Superministeriums der zukünftigen brasilianischen Regierung vorgesehen. Dieses Ressort wird aus dem Finanz-, Wirtschafts-, Industrieministerium und der Privatisierungsbehörde gebildet. Dass er gleichzeitig im Visier von Untersuchungen wegen Veruntreuung steht, scheint bisher nicht zu stören.

AUSSAGEN:

  • Guedes ist gegen das südamerikanische Freihandelsabkommen Mercosur.
  • Wirtschaftsexperte setzt sich für die Vereinfachung der Steuern ein.
  • Neuer Superminister hält den neuen Präsidenten für einen Beschützer von Leben und Privateigentum

Über Handel:

„Mercosur wird keine Priorität für die zukünftige brasilianische Regierung haben. (…) Wir werden mit der Welt handeln, mit mehr Ländern. Wir werden nicht die Gefangenen von ideologischen Beziehungen sein.“

Über die neuen Wirtschaftspolitik Brasiliens:

„Die neue Regierung wird Brasiliens Haushaltdefizit innerhalb von einem Jahr auslöschen, Steuern vereinfachen und reduzieren, sowie zehn Millionen neue Arbeitsplätze schaffen, indem wir die Lohnsteuer senken. Neue Regeln werden Investitionen in die Infrastruktur fördern.“

Über seine Privatisierungspläne:

„Verkauft alles! Vorsichtig, bedächtig zu privatisieren, wird nichts bringen.”

Über den gewählten Präsidenten J. Bolsonaro:

„Beschützer von Leben und Privateigentum“

Über seine eigene Zukunft:

„Ich habe ein super Leben – ich gehe jeden Morgen am Strand von Ipanema spazieren. Aber ich bin bereit Finanzminister zu sein, wenn es darum geht, ein besseres Brasilien aufzubauen.“

Über Geraldo Alckmin, Mitgründer der wirtschaftsliberalen sozialdemokratischen Partei Partido da Social Democracia Brasileira,

„Ein netter Typ auf einem untergehenden Schiff.“

ANSICHTEN

  • Brasilianische Banker halten ihn für einen Experten, der vorausschauend denken kann.
  • Journalisten glauben, Guedes könnte der heimliche Strippenzieher hinter dem Präsidenten werden.
  • Einheimische Publizisten gehen davon aus, dass der Präsidentenberater die Reichen verschonen wird.

„Guedes hat eigentlich immer schon alles besser gewusst.“

Pérsio Arida, Investmentbanker, ehemaliger Präsident der Zentralbank von Brasilien

„Viele Unternehmer wollten Bolsonaro wählen, verspürten aber Angst oder Scham. Paulo Guedes gab uns die Entschuldigung, die wir brauchten.“

Brasilianischer Unternehmer, der lieber anonym bleiben will

„Guedes könnte heimlicher Präsident serden, der hinter Jair Bolsonaro die Strippen zieht. Entweder das, oder Bolsonaro nutzt Guedes als liberales Feigenblatt, solange er noch nicht an der Macht ist.“

Arvid Kaiser, Redakteur des Manager Magazins mit Schwerpunkt auf Unternehmen, Banken, Konjunktur

„Guedes ist ein Garant dafür, dass der pöbelnde und eifernde Bolsonaro in seiner angekündigten ‚Säuberung’ Brasiliens die Reichen verschont.“

Malu Gaspar, Journalistin des Kultur-Magazins Piaui

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