Armenien: Deutsches Know-how gewollt

Die Wasser- und Abfallwirtschaft Armeniens stand im Fokus einer Veranstaltung des BMWi  und der IHK Karlsruhe. Dabei wurde klar, die Branchen haben dringenden Nachholbedarf.

Der armenische Botschafter in Deutschland, Ashot Smbatyan (M.), der Präsident der Vertretung des Industrie- und Handelskammertages der Republik Armenien für Deutschland, Robert W. Huber (r.), und DWV-Chef in Armenien, Dietmar Stiel, auf der Veranstaltung in Karlsruhe

Die Wasser- und Abfallwirtschaft in Armenien hat Bedarf an Modernisierung, und zwar großen. Das war der klare Ton der Veranstaltung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, die eine Maßnahme des BMWi-Markterschließungsprogramms für KMU ist und am 25. Oktober in der IHK Karlsruhe stattfand. Über 20 Teilnehmer kamen, um sich zum Thema Marktentwicklung, Rahmenbedingungen und den Geschäftschancen in diesen Branchen zu informieren.

In seinem Grußwort stimmte der Präsident der Vertretung des Industrie- und Handelskammertages der Republik Armenien für Deutschland, Robert W. Huber, die Teilnehmer ein. Es gehe um die kostbarste Ressource – Wasser – und es gebe großen Handlungsbedarf bei der Modernisierung der armenischen Infrastruktur. Der Botschafter der Republik Armenien, Ashot Smbatyan, pries sein Land an: Es bewege sich viel, was besonders die aktuellen Ereignisse zeigen. Dabei deutete er auf die Anfang Dezember bevorstehenden Neuwahlen und die Pläne des zurückgetretenen Ministerpräsidenten, Nikol Paschinjan, sich damit den Rücken im Parlament zu stärken. Die deutsche Wirtschaft habe Armenien immer unterstützt. Darauf hoffe das Land auch in Zukunft. Nicht zuletzt sei der Besuch der Bundeskanzlerin Merkel Ende August in die Region ein positives Zeichen für eine weitere gute Zusammenarbeit.

Großer Bedarf in der Wasser- und Abfallwirtschaft

Die Wasser- und Abfallwirtschaft Armeniens hat viel Nachholbedarf, das machte der Leiter der Abteilung für Wasserversorgung und Sanitärsysteme beim Ministerium für Energieinfrastruktur und natürliche Ressourcen Armeniens, Armen Sergoyan, sehr deutlich. Mit VEOLIA DJUR gibt es zwar einen Versorger, der nach europäischen Standards arbeitet, seine Arbeit umfasst aber nur einen Teil von Armenien. Das französische Unternehmen kümmert sich seit zwei Jahren im Rahmen einer Öffentlich-Privaten Partnerschaft um die Wasserversorgung und Abwasserreinigung. Der Vertrag ist auf 15 Jahre befristet. In anderen Regionen fehle es aber sowohl an Versorgung als auch an Reinigung, berichtete Sergoyan. In einigen Gebieten läuft das Abwasser lediglich durch ein Sieb und wird dann in den Fluss geleitet.

Ähnlich ist der Zustand der Abfallwirtschaft. Zwar gibt es Abfalldienstleistungen, und diese hätten auch zugenommen, dennoch seien sie ungenügend, berichtete die Abteilungsleiterin für territoriale Investitionspolitik und Infrastruktur beim Ministerium für territoriale Verwaltung und Entwicklung, Narine Avetyan. Zudem wird die Abfallsammlung unterschiedlich organisiert und finanziert – teilweise staatlich, teilweise regional aber auch privat. Das Problem, dass es nicht vorangeht, liege aber vor allem darin, dass es keine Statistiken zu den Abfällen gibt. Das mache es schier unmöglich zu planen, um Anlagen zur Verwertung zu errichten, da man nicht wisse, wie viel es von welchem Wertstoff gibt. Eine solche Erfassung sei allerdings in Arbeit und soll im kommenden Jahr vorliegen. Insgesamt hoffen beide Branchen auf Unterstützung und Investitionen aus Deutschland.

VEOLIA DJUR CEO Chaise Boutouila berichtete, wie sein Unternehmen das Wassermanagement meistert. Dringenden Nachholbedarf gebe es laut Boutouila bei der Sortierung von Abfall. Zudem regte er an, sogenannte „Sanitary zones“ zu schaffen, die es ermöglichen die Abfallwirtschaft effizienter zu gestalten, in dem sie Kommunikations- und Entscheidungsinstanzen bündeln.

Patrick Schäfer von der Fichtner GmbH & Co. KG zeigte an seinem Praxisbeispiel, dass Armenien deutsches Know-how nötig hat und will. Das Unternehmen setzt seit Jahren Wasserkraftprojekte im Land um. Zum Abschluss setzte Schäfer einen positiven Impuls: „Die Abwicklung der Projekte läuft gut, auch im Vergleich zu anderen Ländern“, resümierte er die Arbeit des Mittelständlers in Armenien und motivierte die Teilnehmer, sich ins Land zu trauen.

Drehkreuz zwischen EU, EAWU und Iran

Doch Armenien bietet sich auch außerhalb dieser Branchen für deutsche Unternehmen an. Das Land habe großes Potenzial, Drehkreuz zwischen EU, Eurasischer Wirtschaftsunion (EAWU) und Iran zu werden, und das ganz besonders vor dem Hintergrund der US-Sanktionen gegen den Iran und dem trotzdem weiter anhaltenden Interesse der europäischen und deutschen Wirtschaft, in Handelsbeziehungen mit dem Land zu treten, berichtete der Geschäftsführer der Unternehmensberatung SCHNEIDER GROUP und Herausgeber des OWC Verlages für Außenwirtschaft Ulf Schneider. Insbesondere die Mitgliedschaft Armeniens in der EAWU und das Abkommen mit der EU, liefern das Fundament dafür. Zudem biete Armenien hervorragende Bedingungen, dort zu produzieren und weiter in den Iran zu exportieren. Ohnehin unterhalte das Land sehr gute Beziehungen mit dem Nachbarn Iran. Von Januar bis Mai stieg der Handel zwischen den beiden Ländern um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr und summierte sich auf 122 Millionen US-Dollar. Im Gesamtjahr werden rund 300 Millionen US-Dollar Handelsumsatz prognostiziert. Dazu kommt, dass Anfang 2019 das Assoziierungsabkommen der EAWU mit dem Iran in Kraft treten soll, was den Warenaustausch erleichtern wird. Für die Produktion bietet sich dabei vor allem die Stadt Meghri an, in der eine Sonderwirtschaftszone entsteht, die besonderen Schwerpunkt auf die Produktion und den Export in das östliche Nachbarland legt. Dabei sei der Handel, den europäische oder speziell deutsche Unternehmen dann mit dem Iran betreiben könnten, compliant.

Insgesamt bietet Armenien ein gutes Klima für Geschäfte, wie der Leiter der Deutschen Wirtschaftsvereinigung Außenstelle Armenien (DWV), Dietmar Stiel, deutlich machte. Das BIP stieg 2017 um 7,5 Prozent, nachdem es 2016 stagniert war. In den kommenden zwei Jahren sind die Wachstumsaussichten zwar niedriger – bei rund 3,5 Prozent, jedoch zeige der Markt viel Dynamik. Deutschland unterhält bereits gute Handelsbeziehungen zu Armenien. Bei den Ausfuhren nimmt der Bund den zweiten Rang unter den Handelspartnern ein, hinter China und vor Russland. Bei den Einfuhren ist Russland zwar unbestrittene Nummer eins, doch belegt Deutschland zumindest Platz drei nach China. Im Ease of Doing Business Ranking der Weltbank steht das Land auch gut da. Es belegt Rang 47, hinter Russland (35), aber noch vor Ungarn, Bulgarien oder der Ukraine. Sehr gute Bewertungen hat es in den Kategorien Registrierung von Eigentum und Geschäftsgründung. Bei Steuern gebe es zwar Luft nach oben. Mit den neuen Wahlen könne jedoch auf Versprechen der Parteien in Sachen Steuererleichterungen gehofft werden.

Organisiert wurde die Veranstaltung durch die Commit GmbH, Medienpartner war OWC Verlag für Außenwirtschaft.

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