Russische Medien: Merkels LNG-Pläne als Zugeständnis für Trump

MOSKAU. Die Bundesregierung hat beschlossen, den Bau eines Terminals im Wert von 500 Millionen Euro für den Import von Flüssigerdgas (LNG) zu finanzieren. Das kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Oktober einer kleinen Gruppe von Abgeordneten aus Niedersachsen an, wo das Projekt umgesetzt werden soll.

Deutschland zeigt sich bereit, dem US-Präsidenten Donald Trump Zugeständnisse zu machen. Foto: Official White House Photo by Shealah Craighead

Deutschland zeigt sich damit bereit, dem US-Präsidenten Donald Trump Zugeständnisse zu machen. Dieser will, dass sie russisches Gas durch US-amerikanisches ersetzen. Demzufolge bestehe Trump darauf, LNG-Lieferungen von den USA nach Europa zu erhöhen. Berlin hoffe, dass der Kauf von Gas aus den USA den Parteien bei der Beilegung der Handelsstreitigkeiten helfen könne und Washington sogar dazu bringen werde, Nord Stream 2 zu dulden, berichten russische Medien. Laut Merkel ist ihre Entscheidung über LNG keine Niederlage, sondern ein strategischer Schritt, der auf lange Sicht Nutzen bringen kann. Experten bewerten, dass die Deutschland zwar nicht sofort wirtschaftliche Vorteile bringen, aber letztlich dazu beitragen wird, die Versorgungsquellen zu diversifizieren. Der Chef des Öl- und Gaskonzerns Wintershall, Mario Mehren, erklärte indes gegenüber dem Handelsblatt, dass ein LNG-Hafen überflüssig sei. Rein wirtschaftlich sei das Projekt unrentabel. Zudem gebe es bereits LNG-Terminals in Europa, und diese seien „in der Regel nicht einmal zu einem Viertel ausgelastet“, sagt Mehren. „Wenn wir LNG importieren wollten, könnten wir das also schon. Bislang ist LNG aus den USA aber schlichtweg zu teuer.“ In welcher Höhe und Form Deutschland das Projekt unterstützen wird, ist noch nicht bekannt. Aber die Regierung hat bereits beschlossen, die Prüfung des Antrags zu beschleunigen und wird wahrscheinlich vor Ende des Jahres eine Entscheidung treffen, schreibt Kommersant. In Europa wird Gas immer knapper. So ging die Rohgasproduktion in deutschen Lagerstätten 2017 gegenüber dem Vorjahr um 8,6 Prozent auf 7,9 Milliarden Kubikmeter zurück. Die Erdölproduktion sank um 5,8 Prozent auf 2,22 Millionen Tonnen. Das berichtet das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) im Report „Erdöl und Erdgas in der Bundesrepublik Deutschland 2017“. „Die sicheren und wahrscheinlichen Reserven in der Bundesrepublik Deutschland sind im Berichtsjahr 2017 weiter zurückgegangen, dies aufgrund der zunehmenden Erschöpfung der bekannten Vorkommen und mangels Reservenersatz“, heißt es im Vorwort des Berichts. Die Rückgänge seien bereits seit Jahren zu beobachten. Neue Lagerstätten und Felder seien hingegen rar.