„Eurasische Woche“: Die EAWU blickt nach Osten

Die Eurasische Wirtschaftsunion baut ihre Handelsbeziehungen weiter aus. Auf der Eurasischen Woche stehen vor allem die ASEAN-Staaten mit ihren über 600 Millionen Menschen im Vordergrund. Noch dieses Jahr könnte ein Memorandum of Understanding unterzeichnet werden.

Die Eurasische Wirtschaftsunion baut ihre Handelsbeziehungen weiter aus. Foto: Kremlin.ru

Es war ein Satz, der auf der diesjährigen „Eurasischen Woche“ oft zu hören war: „Ich bin zum ersten Mal in Armenien.“ Die von der Eurasischen Wirtschaftskommission organisierte Wirtschafts-Konferenz findet jedes Jahr in einem anderen der fünf Mitgliedsstaaten der Eurasischen Wirtchaftsunion (EAWU) statt. Diese Woche war Jerewan der Gastgeber. In der Tat ist das kleine Land, das unter anderem für seine große Diaspora bekannt ist, nicht unbedingt ein traditionelles Ziel für ausländische Investoren.

Mit seiner vor kurzem eröffneten Freihandelszone „Meghri“ an der Grenze zum Iran symbolisiert Armenien aber vielleicht umso besser ein Umdenken, das im Moment auch in der EAWU stattfindet: Zum ersten Mal hat im vergangenen Jahr der Handel mit Asien den mit der EU überschritten. Daran mögen die gegen und von Russland verhängten Sanktionen einen großen Anteil haben. Der einzige Grund für die Verschiebung sind sie aber nicht. Die 2015 gegründete EAWU deren Mitglieder Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgistan und Russland sind, öffnet sich auf der Suche nach neuen Handelspartnern vermehrt der Welt.

Der Blick nach Osten ist dabei besonders vielversprechend, und entsprechend tatkräftig bemüht sich die Union um die Verbesserung der konkreten Zusammenarbeit. So waren auf der Konferenz in Jerewan auch hochrangige Delegationen aus den Wirtschaftsministerien Kambodschas und Singapurs angereist, die für eine Verstärkung der Zusammenarbeit warben. Die Institutionalisierung der Kontakte mit Singapur durch eine regelmäßig tagende Arbeitsgruppe hat den Handel mit der EAWU bereits so sehr vereinfacht, dass das Handelsvolumen im vergangenen Jahr um 89 Prozent gestiegen ist. Bereits im November wollen nun die Eurasische Wirtschaftsunion und der Verband Südostasiatischer Nationen, besser bekannt als ASEAN, ein Memorandum of Understanding unterzeichnen. Dies wäre der erste Schritt auf dem Weg zu einer Freihandelszone, die die dynamischen Märkte Asiens mit den rohstoffreichen und im IT-Bereich-ambitionierten Ländern der Eurasischen Wirtschaftsunion verbinden.

Mit Vietnam besteht seit 2016 ein Freihandelsabkommen, das erste, das die EAWU mit einem Drittland abgeschlossen hat. Es sieht unter anderem die Harmonisierung der Normen im Bereich Geistiges Eigentum vor und beruft sich im Bereich phytosanitäre Maßnahmen auf die Standards der Welthandelsorganisation. Die Abkommen mit Asien setzen für die EAWU neue Best-Practices, und das mit immer höherem Tempo. Vor diesem Hintergrund müssten „die Europäer sich Mühe geben, nicht angehängt zu werden“, mahnte Philippe Pegorier, Präsident von Alstom in Russland. 

von Jakobine Freytag

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