„Der Wille ist da“

German Water Partnership will den Kontakt zum Iran nicht abreißen lassen und in einem gemeinsamen Zentrum eine echte deutsch-iranische Kooperation etablieren. Doch Geschäftsführerin Julia Braune und Iran-Experte und GWP-Vorstandsmitglied Sharooz Mohajeri haben auch Verständnis, wenn sich deutsche Unternehmen zurückhalten.

Foto: Julia Braune

Frau Braune, welche Rolle spielt der Iran in der Arbeit von German Water Partnership?

Braune: Der Iran gehört seit vielen Jahren zu den Ländern, die wir uns besonders anschauen, an denen unsere Mitgliedsunternehmen großes Interesse haben und wo wir in der Wasserwirtschaft einen Markt mit Potenzial sehen.

Wir haben ein Länderforum Iran und es hat über die Jahre regelmäßige Aktivitäten gegeben. Wir bauen eine Brücke um unseren Mitgliedern Kontakte zu ermöglichen, sind seit Jahren regelmäßig auf der Messe Watex im Iran vertreten gewesen, im letzten Jahr auf einem größeren Gemeinschaftsstand. 2016 haben wir mit dem GWP-Day eine Konferenz im Iran durchgeführt, bei der wir potenzielle Ansprechpartner, Auftraggeber und Stakeholder der Wasserwirtschaft aus dem Land eingeladen haben. Dazu gehörte ein eintägiger Workshop für unsere Mitgliedsunternehmen zu Lösungsvorschlägen für spezifische Wasserprobleme im Land. Das war sehr erfolgreich. Seitdem ist die Situation im Land aber nicht einfacher geworden.

Jetzt muss man abwarten, wie es weitergeht. Dieses Jahr wird es keine GWP-Präsenz auf der Watex geben. Wir wissen, dass es Mitgliedsunternehmen gibt, die weiterhin geschäftliche Kontakte in den Iran pflegen, aber sich nicht unbedingt auf einer Messe im Land präsentieren wollen, und wir halten dies für sehr vernünftig.

Mohajeri: Wir haben auch 2016/17 zwei weitere Konferenzen im Iran gemeinsam mit der GIZ im Auftrag des Bundesumweltministeriums zum Thema Grundwassermanagement und „River Basin Organization“ durchgeführt. Ein wichtiges Thema für den Iran ist auch die Zusammenarbeit im Bereich Management und zwischen den Behörden im Iran und Deutschland. Es geht also nicht nur um technische Themen.

Es ist auch ein gemeinsames, deutsch-iranisches Trainingszentrum geplant?

Braune: Ja, dazu haben wir im letzten Jahr im Rahmen der Messe ein Memorandum of Understanding (MOU) unterzeichnet. Die Pläne bestehen aber schon seit Längerem. Wir möchten Schulungen und Trainings anbieten und Wissen vermitteln: Was kann man eigentlich mit dem Einsatz von Technologie erreichen, welche Möglichkeiten gibt es? Wie kann man Wasserprobleme verringern oder sogar lösen? Das Zentrum ist eine Kooperation zwischen der GWP und iranischen Behörden. Die iranische Seite stellt die finanziellen Mittel für Infrastruktur in Form von Büroräumen, Geschäftsführer, Sekretariat und Referenten. Unser Job ist es, die Trainingsmodule zu entwickeln, nach dem Modell „Train the Trainer“. Die Eröffnung ist für Dezember dieses Jahres geplant. Es ist insofern das erste wirkliche deutsch-iranische Trainingszentrum.

Abgesehen von den aktuellen Herausforderungen rund um die Finanzierung und den politischen Hintergründen: Wo sehen Sie die größten Potenziale und Herausforderungen in der Wasserwirtschaft?

Mohajeri: Die größten Herausforderungen kommen von der Unkenntnis über den Markt. Seit mehr oder weniger 20 Jahren hat die Mehrheit der Unternehmen keine Geschäfte dort gemacht. Die politisch-technischen Rahmenbedingungen im Iran sind überwiegend völlig unbekannt. Deswegen hat das BMU vor einem Jahr einen Bericht in Auftrag gegebenen, um KMU, die sich das nicht alles selbst erschließen können, zu unterstützen und Institutionen und technische Rahmenbedingungen zu erklären.

Hinzu kommt die Herausforderung, geeignete Kooperationspartner zu finden. Wenn man im Iran ordentliche Geschäfte machen will, muss man einen Partner vor Ort haben, mit dem man gut zusammenarbeiten und dem man vertrauen kann. Da können wir unterstützen.

Die Planung sieht vor, in den nächsten vier Jahren rund elf Milliarden Euro in den Wassersektor zu investieren. Das Problem ist, dass der Iran selbst nicht das Geld hat und man will, dass es aus dem Privatsektor kommt.

Die Potenziale in der Zusammenarbeit mit den deutschen Unternehmen sind auch deswegen sehr groß, weil die Zusammenarbeit richtig gewachsen ist. Deutsche Unternehmen waren die ersten, die dort wasserwirtschaftliche Anlagen gebaut haben. Und die Iraner sehen, dass die Anlagen, die vor 40 oder 50 Jahren gebaut wurden, immer noch funktionieren.

Das iranische Energieministerium hat gesagt, dass es eine bewusste Entscheidung ist, dass man mit Deutschland als Hauptland zusammenarbeiten will. Aufgrund der neuen politischen Situation hat sich das momentan etwas geändert.

Braune: Angesichts des enormen Investitionsbedarfs im iranischen Wassersektor muss man erwähnen, dass das Thema Finanzierung eine der größten Hürden ist. Im letzten Jahr waren noch die kleineren Sparkassen und Raiffeisenbanken mit mittelgroßen Projektvolumina dabei. Da ist jetzt eine sehr starke Zurückhaltung zu spüren.

Bei vielen Ihrer Projekte gibt es Partner aus dem deutschen öffentlichen Sektor. Kann man trotz der derzeit angespannten Situation davon ausgehen, dass die an solchen Projekten festhalten?

Braune: Das ist aus unserer Sicht schwer zu sagen. Wir sind im Dialog mit ihnen. Grundsätzlich ist das Interesse schon vorhanden, aber die Frage ist, was im Rahmen der aktuellen politischen Situation noch möglich ist. Man kann momentan nicht sagen, wie es nächstes Jahr weitergehen wird. Der Wille der Regierung, den Kontakt nicht abreißen zu lassen, ist aber da und das gilt auch für GWP.

Im Rahmen des Länderforums Iran diskutieren wir intensiv darüber, welche Gespräche wir mit den deutschen Ministerien führen und geben alle Informationen, die wir bekommen, an die Mitglieder weiter.

Wie in anderen von Sanktionen betroffenen Ländern wächst die Befürchtung, dass das Vakuum, das westliche Länder hinterlassen, von chinesischer Konkurrenz gefüllt wird. Gilt das auch im Bereich der Wasserwirtschaft?

Braune: Wir stehen international in einem harten Wettbewerb und gerade chinesische Unternehmen und Konsortien sind sehr stark. Wenn man bereits lange Projektarbeit gemacht hat und sich dann zurückzieht, entsteht auf einmal ein Vakuum. Da kann es natürlich sehr gut sein, dass dann andere Länder und gerade auch die Chinesen da sehr aktiv reingehen und die Lücke füllen.

Mohajeri: Unsere KMU sind keine großen Unternehmen mit großen Kapazitäten und das unterscheidet uns von den Chinesen, die gleichzeitig Geld mitbringen.

Die EU-Kommission hat ein Hilfspaket für die Entwicklung im Iran in Höhe von 50 Millionen Euro beschlossen. Was wünschen Sie und Ihre Mitglieder sich von der Bundesregierung und der EU?

Mohajeri: Das Wichtigste und größte Problem ist ein sicheres Bank-Bank-Geschäft. Alles andere können die Unternehmen selber machen. Politische Unterstützung ist auch immer gut. Als der ehemalige Minister Gabriel damals als erster in den Iran ging, hat das alle Unternehmen motiviert. Solche politischen Leuchtturm-Aktionen sind sehr wichtig. Ein letzter Wunsch wäre es, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen.

Das Interview führten Amir Alizadeh und Patrick Bessler

Julia Braune
ist Geschäftsführerin der German Water Partnership.

Dr. Shahrooz Mohajeri

ist Leiter des Länderforums Iran bei der GWP und Geschäftsführer des Inter 3 Instituts für Ressourcenmanagement.

Dieser Beitrag ist in IranContact 3/2018 erschienen.