Russische Presse bewertet Bayern-Wahl

Mitte Oktober haben die Bayern gewählt. Die CSU verzeichnete ihr schlechtestes Ergebnis seit 1950 und die SPD ihr schlechtestes überhaupt bei einer Landtagswahl. Das ging auch an der russischen Presse nicht vorbei. Den Einzug der AfD und FDP in den Landtag nahm die Presse in Russland jedoch nicht unter die Lupe.

Mitte Oktober haben die Bayern gewählt. Die CSU verzeichnete ihr schlechtestes Ergebnis seit 1950 und die SPD ihr schlechtestes überhaupt bei einer Landtagswahl. Foto: iStock©querbeet

Die russische Presse hat sich Anfang der Woche intensiv mit der Wahl in Bayern beschäftigt. Doch ging es dabei nicht um die Auswirkungen der Wahl auf das Bundesland, sondern vielmehr darum, welche Bedeutung sie auf der Bundesebene hat. So bewogen die Ergebnisse das Wirtschaftsmagazin „Expert“ etwa, ihren Lesern bereits die potenziellen Nachfolger von Bundeskanzlerin Merkel vorzustellen. Expert nannte dabei Namen wie Annegret Kramp-Karrenbauer, Jens Spahn, Ralph Brinkaus und Ursula von der Leyen.

Gelbe Karte für CSU

Ursachen für das Erodieren der bisherigen Volksparteien sieht etwa der bekannte Politiker und Publizist Fjodor Lukjanow in der Abwesenheit von Werten und Prinzipen bei den deutschen Politikern; den Wählern gefalle das nicht. Die SPD könne in der großen Koalition keine eigene Identität herausarbeiten, schätzt Lukjanow.

Das ist ein O-Ton, der sich durch die russische Presse zieht: Diese sieht die SPD abgestraft durch ihre Einbindung in die große Koalition. Für die Wirtschaftszeitung „Kommersant“ hat die CSU in der Wahl zwar noch nicht die rote Karte bekommen, aber eine gelbe.

Die dem Boulevard zugerechnete Zeitung „Argumenti i Fakti“ sieht dagegen die Bundeskanzlerin als ein Opfer ihrer selbst und erinnert an ihre eigene Aussage, dass finanzieller Wohlstand und niedrige Arbeitslosigkeit nicht ausreichend seien für das Vertrauen der Wähler.

Der „Moskowskij Komsomolez“ kreidet indes Seehofer an, dass er zu viele Kompromisse auf Bundesebene eingegangen sei und damit die Stammwähler der CSU vergrault habe. Er habe der AfD Paroli bieten wollen, dies sei ihm jedoch nicht gelungen. Darüber hinaus habe die AfD ihn mit seiner Argumentation in der Flüchtlingsfrage auf direkten Konfrontationskurs mit der Bundeskanzlerin geführt und somit zu dem fast schlechtesten Ergebnis der CSU beigetragen.

Die AfD spielte in der Berichterstattung über die Bayern-Wahl interessanterweise jedoch keine große Rolle. Dennoch berichtete die russische Presse sehr intensiv von der „Schicksalswahl“ in Bayern. Der typische russische Leser scheint fast so interessiert am Wahlergebnis wie die deutsche Bevölkerung. Gespannt sein darf man auf die russische Berichterstattung zur bevorstehenden Hessen-Wahl.

 

 

 

 

Ulf Schneider
Geschäftsführender Gesellschafter und Herausgeber
OWC-Verlag