Person der Woche: Steven Mnuchin

US-Finanzminister Steven Mnuchin (zweiter von links) spielt bei der Umsetzung von Trumps Wirtschaftsstrategie eine Schlüsselrolle. Hier bei seiner Vereidigung Anfang 2017. Foto: Steven Mnuchin being sworn in as the United States Secretary of the Treasury./ © Vice President Pence
  • Der US-Finanzminister setzt weiter auf Konfrontation mit China.
  • Der Ex-Investmentbanker verfolgt kompromisslos und eigennützig seine Ziele.
  • Der IWF dürfte mit ihm auch künftig kaum verhandeln können.

Die Weltwirtschaft steht derzeit unter Druck: Der IWF hat gerade Anfang Oktober seine Wachstumsprognose für 2018 um 0,2 Prozentpunkte auf 3,7 Prozent gesenkt. Ein Grund: Der Handelsstreit zwischen den USA und China. So waren die Vorzeichen für die Jahrestagung von IWF und Weltbank, die gerade am 13. Oktober zu Ende gegangen ist, alles andere als gut. Ein Mann stand dabei im Mittelpunkt: US-Finanzminister Steven Mnuchin, der die Zölle gegen China rechtfertigte und damit keinen Millimeter vom Standpunkt seiner Regierung zurückwich.

„Das Bestreben von US-Präsident Donald Trump, China mit Strafzöllen zu faireren Handelspraktiken zu bewegen, könnte vielmehr den gegenteiligen Effekt für die Weltwirtschaft haben“, sagte der US-Finanzminister. „Es geht darum, eine ausgewogenere Handelsbeziehung zu haben“, erklärte Mnuchin. Wenn die US-Regierung erfolgreich sei, „ist das sehr gut für US-Unternehmen, US-Arbeitnehmer, Europäer, Japaner, all unsere anderen Verbündeten, und gut für China“, meinte der Politiker.

Diese Fähigkeit, starker Kritik entgegenzutreten, hat der frühere Investmentbanker während seiner beruflichen Laufbahn immer wieder unter Beweis gestellt. Bereits seine Ernennung zum Finanzminister Anfang 2017 stieß auf heftigen Widerspruch der US-Medien. Denn der 55-Jährige hatte während der großen Finanzkrise mit Zwangsvollstreckungen von Eigenheimen ein Vermögen verdient. Vorher hatte Mnuchin 17 Jahre bei Goldman Sachs gearbeitet, einen eigenen Hedge-Fonds gegründet und mit Filmrechten gehandelt. Er gilt somit als klassischer Finanzfachmann von der Wall Street, der rücksichtslos seinen geschäftlichen Vorteil sucht.

Eigentlich hatte sich Trump bei seinem Wahlkampf auf die Fahnen geschrieben, die Rechte der durchschnittlichen US-Amerikaner zu stärken. Dass der US-Präsident nun gerade Mnuchin an die Spitze des Finanzministeriums gesetzt hat, stößt bei vielen Amerikanern auf massives Unverständnis – nach wie vor.

Das bedeutet, dass Mnuchin auch für seine Amtskollegen bei den Regierungen der anderen Länder ein harter Verhandlungspartner ist, der kaum Kompromissbereitschaft zeigen dürfte. Mit ihm werden auch die Vertreter des IWF grundsätzlich nur schwer reden können, wenn es darum geht, den Streit mit China zu beenden. Diese Konflikte werden sich wohl auch weiter zum Nachteil der Weltwirtschaft auswirken. Dadurch verlieren früher oder später alle Beteiligten, wie das immer bei einem Handelsstreit der Fall ist.

AUSSAGEN

  • Der US-Finanzminister rechnet weiter mit einem positiven Wachstum der US-Wirtschaft.
  • Mnuchin unterstützt die Politik der US-Notenbank.
  • Das US-Regierungsmitglied warnt China vor Abwertung der eigenen Währung als Instrument im Handelsstreit.

„Die US-Wirtschaft entwickelt sich unglaublich positiv.“ (2018)

Über Bedenken, der Handelsstreit mit China könnte sich negativ auf die USA auswirken.

„Da mache ich mir überhaupt keine Sorgen.“ (2018)

Über Befürchtungen in der internationalen Finanzpresse, China werde seine US-Bonds verkaufen, um sich an den USA für die Strafzölle zu rächen.

„Die US-Konjunktur bleibt stark, denn die Märkte haben die Tendenz, zu weit in beide Richtungen auszuschlagen.“ (2018)

Über den massiven Kursverlust der US-Handelsplätze vom 10. Oktober, der Analysten zufolge auf die Zinspolitik der US-Notenbank und den Handelskonflikt mit China zurückführen war.

„Die Fed ist nicht verantwortlich dafür, sie macht einen guten Job.“ (2018)

Über denselben Kursverlust der US-Handelsplätze vom 10. Oktober

„Wir müssen klarstellen, dass China nicht weiter seine eigene Währung abwertet, während wir uns über unsere Handelsdifferenzen unterhalten.“ (2018)

Über die chinesische Währungspolitik

„Ich denke, die USA sind das großartigste Land für Investitionen überhaupt, das es auf der ganzen Welt gibt.“ (2016)

In einem TV-Interview für den Sender CNBC kurz vor seiner Ernennung

„Ich habe mich in den vergangenen acht Jahren darauf konzentriert, ein regionaler Banker zu sein.“ (2017)

Bei seiner Ernennung über seine frühere Tätigkeit als Zwangsvollstrecker


ANSICHTEN

  • Fachleute halten seine Währungspolitik für falsch, auf einen schwachen Dollar setzen.
  • US-Präsident Trump hat ihm eine Schlüsselrolle für die US-Wirtschaftspolitik zugewiesen.
  • Für US-Verbraucherschützer ist Mnuchin rücksichtslos und gefühllos.

„Natürlich macht ein schwacher Dollar unsere Exporte günstiger, doch verteuert dies auch die Importe und schwächt die Kaufkraft der US-amerikanischen Konsumenten.“ (2017)

Lawrence Summers, Ex-Staatsekretär in der Regierung von Bill Clinton, über die Politik von Mnuchin, der auf einen billigen Dollar zur Stärkung der US-Wirtschaft setzt.

„Er ist ein Finanzfachmann, Bänker und Geschäftsmann der Weltklasse, der eine Schlüsselrolle im Plan der Regierung spielt, eine dynamische und wachsende Wirtschaft aufzubauen.“ (2017)

Donald Trump über ihn bei dessen Ernennung

„Mnuchin hat seine ganze Karriere darauf verwandt, sich auf Kosten anderer Menschen zu bereichern.“  (2017)

Frank Clemente, Direktor der Lobbyorganisation Americans for Tax Fairness

„Rücksicht und Mitgefühl scheinen ihm fremd.“ (2017)

Kevin Stein, stellvertretender Chef der Verbraucherschützergruppe California Reinvestment Coalition

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