Experten bewerten Auswirkungen der Rentenreform auf Arbeitsmarkt

MOSKAU. Wie der Arbeitsmarkt auf die Erhöhung des Rentenalters in Russland reagieren wird, wird in erster Linie von der Wirtschaftslage abhängen. Das sagen Experten des Gaidar-Instituts und der Russische Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst beim Präsidenten der Russischen Föderation (RANEPA), wie Wedomosti berichtet.

Experten bewerten Auswirkungen der Rentenreform auf Arbeitsmarkt. Foto: iStock©invizbk

„Wenn die Wirtschaft gut wächst, wird der Arbeitsmarkt größer werden, unter anderem aufgrund der gewachsenen Zahl älterer Arbeitnehmer. Bei einer Stagnation können die Risiken jedoch recht hoch sein“, schreibt Viktor Ljaschok, Senior Researcher am Institut für Sozialanalyse und Prognose bei RANEPA. Gleichzeitig würde in Russland aktuell eine Reihe von günstigen Bedingungen für die Erhöhung des Rentenalters vorherrschen. Erstens werde aufgrund der Demografie die Zahl der arbeitsfähigen Bevölkerung abnehmen. Dadurch könnten die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt minimal bleiben. Zweitens verzeichne Russland die niedrigste Arbeitslosenquote der gesamten postsowjetischen Periode, was die Stellung der Arbeitnehmer, einschließlich der älteren Arbeitnehmer, auf dem Arbeitsmarkt stärke. Drittens arbeite etwa ein Drittel der beschäftigten Russen derzeit in staatlichen Unternehmen. Laut Ljaschok sollten diese die Personalpolitik ändern, um Arbeitnehmer bis zum Rentenalter zu halten. Im Vorruhestandsalter liegt die Arbeitslosenquote unter der des Landes, stellt er fest. Die durchschnittliche Dauer einer Stellensuche bei älteren Arbeitslosen ist nur ein bis zwei Monate länger als bei jüngeren, berichtet der Experte. Allerdings sei das Durchschnittsgehalt der Arbeitnehmer im Alter deutlich niedriger als das der jüngeren. Dies unterscheide die Situation in Russland deutlich von den Industrieländern, in denen ältere Arbeitnehmer in der Regel mehr erhalten als jüngere. Der Experte erklärt das damit, dass ältere Arbeitnehmer häufiger in der Bildung und im Gesundheitswesen sowie in weniger qualifizierten Berufen tätig sind. Junge Arbeitnehmer arbeiten häufiger in Bereichen mit hohen Löhnen wie IT, Finanzen, Wirtschaft und Recht.