Rubelkurs löst sich von Ölpreis

Sanktionen als Ursache – Auswirkung auch für den deutschen Mittelstand spürbar.

Experten nennen als Gründe für den schwächeren Rubel die allgemein schwierige geopolitische Lage und den steigenden US-Leitzins. Foto: iStock © Rrraum

Seit Beginn dieses Jahres ist der Ölpreis in US-Dollar um 25 Prozent gestiegen, während der Rubel gegenüber der US-amerikanischen Währung um gut zehn Prozent nachgegeben hat. In der Vergangenheit bedeutete ein höherer Ölpreis in der Regel auch einen stärkeren Rubel gegenüber dem US-Dollar, Ölpreis und Rubelkurs verliefen spiegelbildlich. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein.

Die Ursache dieses Auseinanderdriftens von Ölpreis und Rubelkurs wird in den amerikanischen Sanktionen gesehen bzw. in den bisher neu angedrohten Sanktionen. Der schwächere Rubel in Kombination mit einem höheren Ölpreis kommt für die lokale russische Wirtschaft und für das Lokalisierungsprogramm nicht ungelegen. Der Druck auf ausländische Industrieunternehmen, in Russland zu produzieren, um konkurrenzfähig zu bleiben, steigt weiter. Importe werden in Russland teurer.

Experten nennen als weitere Gründe für den schwächeren Rubel auch die allgemein schwierige geopolitische Lage und den steigenden US-Leitzins. Die russische Zentralbank scheint auch kaum zu intervenieren, was die Theorie stützt, dass die Entwicklung für die russische Volkswirtschaft nicht von Schaden ist.

Auswirkungen auf den Jahresabschluss

Für ausländische Investoren in Russland hat die Rubelentwicklung auch teilweise überraschende Auswirkungen, die bereits im Vorfeld berücksichtigt werden sollten. Ein schwächerer Rubel bedeutet für Unternehmen, die sich in US-Dollar oder Euro verschuldet haben – häufig durch Darlehen der eigenen Muttergesellschaft – eine höhere Verbindlichkeit in Rubel, die schnell Gewinne des laufenden Jahres wieder zunichtemachen und gegebenenfalls bilanztechnisch zu Fragen einer möglichen Überschuldung führen kann.

Andersherum kann aber auch das Steuerrecht unerwartete Auswirkungen mit sich bringen. Jeder in Russland in US-Dollar oder Euro angelegte Betrag erzielt in Rubel Kursgewinne, die auch der Gewinnsteuer unterliegen. So kann auch bei einem verhaltenen operativen Geschäft eine höhere Steuerbelastung das Ergebnis von höheren Beständen auf US-Dollar- oder Euro-Bankkonten sein.

 

 

 

 

Ulf Schneider
Geschäftsführender Gesellschafter und Herausgeber
OWC-Verlag

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