„Letztlich zahlen die Verbraucher“

Politiker, Manager und Russland-Experten diskutierten Mitte September auf dem 11. Unternehmerkongress Deutschland-Russland die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen. Besonders wichtig war die Energiebranche. Der Ölkonzern Rosneft konnte sich einen Seitenhieb auf die westlichen Sanktionen nicht verkneifen.

Foto: © Wegweiser Media & Conferences GmbH / Simone M. Neumann.

Russland ist seit Jahrzehnten ein absolut zuverlässiger Lieferant von Energie“, betonte Klaus Ernst. „Die USA hatten immer ein Interesse daran, das zu behindern“, so der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Energie im Bundestag. „Was wir jetzt sehen, ist also nichts Neues“, sagte der Politiker der Linken in Anspielung auf die Blockade-Haltung von US-Präsident Trump gegen die Pipeline Nord Stream 2.
Ernst war einer von rund 150 Politikern, Managern und Entscheidungsträgern, die am 13. und 14. September am 11. Unternehmerkongress Deutschland-Russland in Berlin teilnahmen. Der Verband der russischen Wirtschaft in Deutschland (VRWD) und die Wegweiser Media & Conference GmbH Berlin hatten die Konferenz organisiert, auf der die Teilnehmer den aktuellen Stand der deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen diskutierten.

Rosneft ist die Nr. 3 in Deutschland

„Ich gehe davon aus, dass die Nord Stream 2 gebaut wird“, unterstrich Ernst. Auch Dänemark sei nicht mit dem Projekt einverstanden, doch an deren Widerstand werde es wohl nicht scheitern. „Der Bau dieser Gasleitung ist erfreulich und wichtig, weil die Energiesicherheit ein stabilisierender Faktor in den deutsch-russischen Beziehungen ist“, sagte der Politiker der Linken. „Grundsätzlich wird sich die Energielandschaft verändern, weil sich der Bedarf an Energieimporten verringern wird“, so Ernst mit Verweis auf die Zunahme erneuerbarer Energien. „Man vergisst oft, dass der europäische Gasmarkt bereits sehr liberalisiert ist“, wies der Vorsitzende des Ost-Ausschuss – Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft, Michael Harms, auf einen weiteren Aspekt in der Energiediskussion hin. „Letztlich sollte der Konsument frei entscheiden können, von wo er sein Gas bezieht.“
Andrey Kislitsyn, CFO der deutschen Tochter von Rosneft, betonte, wie bedeutsam das Deutschland-Geschäft für den Konzern sei – der immerhin derzeit mit einer Marktkapitalisierung von 105 Milliarden Euro das größte börsennotierte Ölunternehmen der Welt ist. „Wir haben seit 2011, seitdem wir in Deutschland sind, Investitionen in Milliarden-Euro-Höhe vorgenommen“, sagte Kislitsyn. „Wir sind der drittgrößte Hersteller in Deutschland, auch wenn wir im Hintergrund agieren. Jeder zweite Liter in der Region stammt von uns, der Verkauf erfolgt über unsere Partner PCK Schwedt, Miro und BayernOil“, erklärte Kislitsyn.

Russland vor „digitaler Revolution“

„Die Sanktionen haben zwar keinen direkten Einfluss auf unser Geschäft, doch beschränken sie unsere Handlungsfreiheit – beispielsweise über die Finanzströme“, kritisierte der Manager. „Das werden letztlich die deutschen Endverbraucher bezahlen müssen.“
Neben dem Thema Energie lag das Augenmerk der Veranstaltung auf IT und Digitalisierung. Russland hat 2017 das Programm „Digitale Wirtschaft“ ins Leben gerufen, das bis zum Jahr 2024 dauert und Fördermaßnahmen in Milliarden-Euro-Höhe vorsieht. Die deutsche Exportförderagentur GTAI spricht von einer „digitalen Revolution“, vor der Russland stehe. Aktuell beträgt der Anteil der Digitalen Wirtschaft am BIP vier Prozent. Fachleute von McKinsey haben errechnet, dass dieser Beitrag bis 2021 auf 4,7 Prozent steigen könnte.