Unternehmen halten an russischem Markt fest

Trotz politischer Großwetterlage stehen deutsche Unternehmen weiter zum Russland-Geschäft. Das zeigte nicht zuletzt das rege Interesse am 3. Manufacturer’s Forum „Leitfaden für den Produktionsaufbau“ des OWC-Verlags in Frankfurt am Main.

Der russische Markt hat unbestreitbar großes Potenzial, birgt aber auch ebenso viele Herausforderungen. Wer in den vergangenen Krisenjahren keinen langen Atem und Flexibilität bewiesen hat, den hat Russland einfach ausgespuckt. Es ist vor allem das wirtschaftliche Auf und Ab, aber auch der zunehmende Sanktionsdruck aus dem Westen. Dennoch hält der deutsche Mittelstand an Russland fest. Das zeigte das Interesse am 3. Manufacturer’s Forum des OWC-Verlags in Frankfurt am Main. Neben Russland widmete sich das Forum dem Produktionsaufbau in Belarus und Usbekistan.

Makroökonomische Daten zeigen nicht alles

Den Auftakt machte der ehemalige Sberbank-Chefstratege und Gründungsmitglied des politischen Beratungsunternehmens für Russland und GUS, Macro-Advisory, Christopher Weafer, mit seinem Vortrag zur Wirtschaftslage der Fokusländer des Forums. In allen Ländern wachse die Wirtschaft wieder. Zudem sei zu beobachten, dass das Bewusstsein dafür steigt, dass Investitionen zur Diversifizierung der Wirtschaft notwendig sind. Für alle drei Länder sei es zur Priorität geworden, Investoren anzuziehen. Dementsprechend betreiben sie auch eine geschäftsfreundliche Politik, so Weafer. Nicht zuletzt spreche die Mitgliedschaft in der Eurasischen Wirtschaftsunion beziehungsweise die Teilnahme an der Belt and Road Initiative für die Länder.

Einen positiven Ausblick gab der Stratege auch für Russland, trotz des aktuellen Rubeltiefs und der nach unten korrigierten Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung. Ihm zufolge zeigten die makroökonomischen Daten gar nicht, wie viel Bewegung in der Wirtschaft Russlands stecke. Der schwache Rubel helfe sogar der Wettbewerbsfähigkeit des Landes, berichtete Weafer. Seit den Wahlen sei die russische Regierung stärker auf ihre Innenpolitik fokussiert. Die Themen Lokalisierung und Importsubstitutionen würden weiterhin wichtig bleiben.

Produzieren heißt nicht lokalisieren

Lokalisierung spielt seit Beginn der Importsubstitutionspolitik eine wichtige Rolle für ausländische Unternehmen in Russland. Die Regierung hat in einigen Branchen den Zugang für ausländische Unternehmen erschwert. Damit will Moskau die heimische Produktion ankurbeln, um unabhängiger von Importen zu werden. Um den Zugang dennoch zu erhalten, müssen die Unternehmen lokalisieren. „Produzieren heißt aber noch nicht lokalisieren“, verdeutlichte Alex Stolarsky, Director for Legal, Compliance and Tax der SCHNEIDER GROUP.

„Das, was die russische Regierung fordert, ist Local Content und Local Sourcing“, erklärte Stolarsky. Erst wenn ein gewisser Grad an Wertschöpfung im Land erreicht sei, wird der Zugang gewährt. Deshalb müsse jedes Unternehmen vor dem Market-Entry prüfen, ob eine Lokalisierung notwendig ist, rät Stolarsky.

Eine Lokalisierung kann auch ohne eigene Produktion vor Ort realisiert werden bei gleichzeitig geringerem Risiko, erklärte Dr. Thomas Mundry, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Noerr in Russland. Mithilfe von Contract Manufacturing können Unternehmen ihre Produkte in Russland fertigen lassen. Je nach Verfahren sind verschiedene zollrechtliche Implikationen zu beachten.

Wer sich dennoch für einen Markteintritt in Russland entscheidet, kann zumindest das politische Risiko absichern, und zwar mit Investitionsgarantien des Bundes. Bei drohenden Schadensfällen kann die Bundesregierung im Wege des Krisenmanagements im Anlageland intervenieren, erklärte PwC-Partner Michael Huber-Saffer.

Von IT bis zum fertigen Werk

Auch klassische Themen wie die richtige IT-Lösung und Herausforderungen beim Bau standen im Fokus des Forums. In Russland ist ein ERP-System obligatorisch. Wichtig ist, dass es sowohl den russischen Rechnungslegungsvorschriften als auch den internationalen Standards des Unternehmens entspricht, erklärte Ljubomir Karadshow, Mitglied der Geschäftsführung und IT-Leiter bei der SCHNEIDER GROUP. Am beliebtesten sind in Russland der lokale Marktführer 1C und die deutsche SAP. Es könne jedoch nicht gesagt werden, welches System besser sei. Jedes Unternehmen müsse individuell prüfen, welche Lösung am besten passt.

Die passgenaue Lösung zu finden, darum geht es auch beim Werksbau. Der Klassiker in Russland ist der Kauf eines Grundstücks und der Neubau, berichtete Hannes Postel, Managing Partner beim Projektierer Hausman & Partners. Dabei sei es in Russland besonders wichtig, das Grundstück sorgfältig auszuwählen, insbesondere auf vorhandene Anschlüsse zu prüfen. Deshalb würden sich viele Unternehmen für Industrieparks entscheiden, da diese dort meistens schon vorliegen.

Daneben hatten die Teilnehmer auch beim 3. Manufacturer’s Forum ausgiebig Zeit für B-2-B-Meetings – dem Herzstück der Veranstaltung. Im Anschluss luden drei Workshops zum Standort Belarus, zum Potenzial Usbekistans sowie zur Pharmaindustrie in allen drei Ländern zur Vertiefung der Themen.

ema


Die Vorträge unserer Speaker als Downloads (Powerpoint):

Macro-Business Update Russia – Belarus – Uzbekistan
Chris Weafer,
Macro-Advisory
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Rechtliche und steuerliche Aspekte Produktionsaufbau / Lokalisierungsregeln
Alex Stolarsky
Rechtsanwalt, Director Legal, Tax, Compliance
Member of the Board, SCHNEIDER GROUP
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Planung und Lokalisierung in Russland (Bsp. Bionorica)
Hannes Postel / MA Arch.
Managing Director & Owner OOO “Hausman & Partners”
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ERP Lösungen zur Geschäftsprozess-Lokalisierung in Russland
Ljubomir Karadshow
IT Director, SCHNEIDER GROUP
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Contract Manufacturing
Dr. Thomas Mundry
Rechtsanwalt, Partner, Noerr
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Investitionsgarantien des Bundes
Michael Huber-Saffer
Partner, PwC
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Business Opportunities and Industrial Focus
Florian Schneider,
LL.M. Russia Managing Partner, Denton´s

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Chancen für die deutsche Pharmaindustrie in Russland / EAWU
Alex Stolarsky
Rechtsanwalt, Director Legal, Tax, Compliance
Member of the Board, SCHNEIDER GROUP
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