InnoTrans 2018: China glänzt mit Hightech

BERLIN. Mit einem neuen Ausstellerrekord punktete die internationale Fachmesse für Bahn- und Verkehrstechnik InnoTrans, die vom 18. bis 21. September ihre Tore für das Fachpublikum öffnete. Mit dabei waren mehr als 170 Aussteller aus China. Rund 160.000 Fachbesucher aus über 110 Ländern lockte die Weltleitmesse für Verkehrstechnik auf das Messegelände in Berlin.

Unternehmen und Institutionen aus 61 Ländern zeigen auf der InnoTrans 2018 neue und weiterentwickelte Produkte, Systeme und Angebote. Die Global Player der Bahnwelt sind allesamt mit dabei und auch 33 der weltweit wichtigsten Industrie- und Fachverbände aus 17 Ländern sind vertreten. Rund zwei Drittel der Aussteller kommen aus dem Ausland, vor allem aus Frankreich, Italien und China. Foto: owc/rei
Unternehmen und Institutionen aus 61 Ländern zeigen auf der InnoTrans 2018 neue und weiterentwickelte Produkte, Systeme und Angebote. Die Global Player der Bahnwelt sind allesamt mit dabei und auch 33 der weltweit wichtigsten Industrie- und Fachverbände aus 17 Ländern sind vertreten. Rund zwei Drittel der Aussteller kommen aus dem Ausland, vor allem aus Frankreich, Italien und China. Foto: owc/rei

Auf dem Messegelände in Berlin präsentierten sich in diesem Jahr 3.062 Branchenunternehmen und Institutionen aus 61 Ländern. Allein aus China reisten 174 Aussteller nach Berlin, um hier ihre Produkte und Technologien vorzustellen, den fachlichen Austausch zu pflegen und neue Projektpartner zu finden. Darunter waren Schwergewichte wie der Industriekonzern CRRC, größter Schienenfahrzeughersteller weltweit, die China Association of Metros (CAMET) und auch die China Academy of Railway Sciences Corp. Ltd. (CARS).

Der weltgrößte Schienenfahrzeughersteller CRRC arbeitet ambitioniert an seinem Ziel, intelligente Verkehrssysteme zu etablieren. Foto: owc/rei
Der weltgrößte Schienenfahrzeughersteller CRRC arbeitet ambitioniert an seinem Ziel, intelligente Verkehrssysteme zu etablieren. Foto: owc/rei

CAMET war in diesem Jahr bereits zum dritten Mal auf der InnoTrans vertreten. Der Branchenverband präsentierte in Halle 9 den Urban Rail China Pavillon, auf dem acht hochkarätige Unternehmen unter dem Motto „The Power of Innovation“ ausstellten. Im Rahmen der Eröffnung des Pavillons am 18. September wurde bekanntgegeben, dass die deutsche und die chinesische Bahnindustrie im Schienenverkehr für Metropolen künftig eng zusammenarbeiten werden.

Die deutsche und die chinesische Bahnindustrie arbeiten künftig eng zusammen. Der Präsident des Verbands der deutschen Bahnindustrie (VDB), Volker Schenk (Vierter von rechts), und der Executive Vice President der China Association of Metros, Zhou Xiaoqin (Dritter von rechts) haben dazu eine „Absichtserklärung zur chinesisch-deutschen Kooperation im Stadtschienenverkehr“ unterzeichnet. Prof. Peter Mnich, (ganz rechts) und Dr. Shi Yuanfei (Zweite von links) vertreten den VDB als Repräsentanten in China. Foto: Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)
Die deutsche und die chinesische Bahnindustrie arbeiten künftig eng zusammen. Der Präsident des Verbands der deutschen Bahnindustrie (VDB), Volker Schenk (Vierter von rechts), und der Executive Vice President der China Association of Metros, Zhou Xiaoqin (Dritter von rechts) haben dazu eine „Absichtserklärung zur chinesisch-deutschen Kooperation im Stadtschienenverkehr“ unterzeichnet. Prof. Peter Mnich, (ganz rechts) und Dr. Shi Yuanfei (Zweite von links) vertreten den VDB als Repräsentanten in China. Foto: Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)

Der Präsident des Verbands der deutschen Bahnindustrie (VDB), Volker Schenk, und der Executive Vice President der China Association of Metros, Zhou Xiaoqin unterzeichneten dazu am 20. September eine „Absichtserklärung zur chinesisch-deutschen Kooperation im Stadtschienenverkehr“. Sie umfasst gemeinsame Abstimmungen bei Planung, Bau, Konstruktion und Standardisierung von Schienenverkehrsmitteln in Metropolregionen. Den regelmäßigen Austausch zwischen beiden Verbänden soll ein gemeinsames Gremium gewährleisten. Die endgültigen Formen der Zusammenarbeit müssten noch festgelegt werden, hieß es aus Verhandlungskreisen. Der VDB, der mehr als 190 meist mittelständische Unternehmen vertritt, hatte im Mai seine China-Repräsentanz eröffnet. Bei einem Umsatz von rund zwölf Milliarden Euro im Jahr 2017 investierten die VDB-Mitglieder rund eine Milliarde Euro in Forschung und Entwicklung. Für sie ist China als einer der größten Bahnindustriemärkte sehr interessant, um dort ihre innovativen Lösungen passgenau einzubringen und in komplementären Partnerschaften zusammenzuarbeiten.

Auf dem Freigelände war CRRC mit zwei Fahrzeugen vertreten. Ausgestellt wurden eine Rangierlok und ein Metrofahrzeug der neuesten Cetrovo-Generation. Die Rangierlok mit Hybrid-AC-Antrieb wurde für den europäischen Schienenverkehr konstruiert. Das Modell ist vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) zugelassen und hat auch die Europäische Technische Spezifikationen für Interoperabilität TSI erfolgreich durchlaufen. Der kombinierte Diesel- und Elektroantrieb (Lithiumtitanat-Batterien) der Lokomotive ermöglicht Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde. Die Rangierlok nutzt ein intelligentes Hybrid-Leistungssteuerungssystem, das dafür sorgt, dass der Dieselmotor bei optimalen Drehzahlen betrieben wird. Das wiederum ermöglicht einen effizienten Kraftstoffverbrauch und hat geringere Abgasemissionen zur Folge. Befindet sich die Lokomotive im Leerlauf, stellt das System den Dieselmotor ab und greift auf die Batterie zurück. Zudem werden durch regeneratives Bremsen 80 Prozent der Bremsenergie „recycelt“.

Das intelligente Hybrid-Leistungssteuerungssystem der Rangierlok sorgt für einen effizienten Kraftstoffverbrauch und damit für weniger Emissionen. Foto: owc/rei
Das intelligente Hybrid-Leistungssteuerungssystem
der Rangierlok sorgt für einen effizienten
Kraftstoffverbrauch und damit für weniger
Emissionen. Foto: owc/rei

Die Hybridlok ist bereits für die ETCS-Systemerweiterungsschnittstelle vorbereitet. Das European Train Control System (Europäisches Zug-Kontroll-System), kurz ETCS, ermöglicht das Fahren ohne Haupt- und Vorsignale und erhöht dabei zugleich die Sicherheit. Vergleichbar ist das System mit einem Autopiloten, wie er in der Verkehrsluftfahrt bereits seit Jahrzehnten üblich ist. Die ersten zwei Exemplare werden seit kurzem von der S-Bahn in Hamburg genutzt. Bis Ende 2018 liefert CRRC weitere Rangierloks an die Deutsche Bahn, die dann auch in Berlin zum Einsatz kommen sollen. Einen entsprechenden Rahmenvertrag hatten CRRC Zhuzhou Locomotive Co. und die Deutsche Bahn Ende Juni 2018 unterzeichnet.

Nach der offiziellen Präsentation des in Berlin ausgestellten Metrofahrzeugs der neuen “Cetrovo”-Generation war das Gedränge am und im Wagen groß. Hier setzt der Hersteller auf Kohlefaser-Technologie – und spart nach eigenen Angaben insgesamt 13 Prozent am Gesamtgewicht gegenüber herkömmlichen Nahverkehrszügen aus Stahl oder Aluminium ein. Der neue Zug ist der erste seiner Art in China und der bislang leichteste und stromsparendste des Unternehmens.

Der Cetrovo ist "leichter, grüner und smarter", so der Hersteller CRRC, und punktet mit Kohlefaser-Technologie, wasserbasierter Lackierung und hochintelligenten Fenstern. Foto: owc/rei
Der Cetrovo ist “leichter, grüner und smarter”, so
der Hersteller CRRC, und punktet mit Kohlefaser-
Technologie, wasserbasierter Lackierung und
hochintelligenten Fenstern. Foto: owc/rei

Die Kapazität des Zuges, der mit maximal 140 Kilometern pro Stunde auf der Strecke unterwegs ist, kann unkompliziert an Passagieraufkommen und Betriebsanforderungen angepasst werden. Dazu kommen selbstreinigende Sitze, modernste Technik zur Reduzierung von Vibrationen und Lärm, ein integriertes System für Hörgeräte und ein System für Klima und Licht, das sich den jeweiligen Bedingungen anpasst, um die Fahrt angenehmer zu gestalten. Ein echtes Highlight sind die hochintelligenten Fenster: Der Fahrgast behält den Durchblick, kann aber über den integrierten Touchscreen Nachrichten lesen, Tickets kaufen oder auch Videos und TV-Liveübertragungen ansehen. Damit dürfte U-Bahnfahren zu einem echten Erlebnis werden.

Petra Reichardt