Person der Woche: Liam Fox

Liam Fox. Foto: British High Commission, New Delhi / Lizenz: Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Generic (CC BY-NC-ND 2.0) / Quelle: https://www.flickr.com/photos/ukinindia/31011732366/in/dateposted/

• Fox ist erster britische Minister für internationalen Handel.
• Das Regierungsmitglied war schon mehrmals in Skandale verwickelt.
• Der 56-Jährige übernimmt eine Schlüsselrolle für die Zukunft des Inselstaates.

ASPEKTE

Liam Fox ist der erste Minister für internationalen Handel des Vereinigten Königreiches, eine Funktion, die im Rahmen des Brexits von Premierministerin Theresa May neu geschaffen wurde. Außerdem ernannte sie den 56-jährigen Konservativen zum Vorsitzenden der Handelskammer. Fox verfügt über Erfahrung in den internationalen Beziehungen. Darüber hinaus gilt er als Verteidigungsexperte. Als Wirtschaftsfachmann gilt er hingegen nicht.

Einige Male war er in Skandale verwickelt. Beispielsweise nahm er einen guten Freund und Rüstungslobbyisten auf Staatskosten auf Dienstreisen mit, ließ sich Reisen nach Sri Lanka von der Regierung bezahlen und verhandelte gleichzeitig einen Friedensvertrag, wobei die britische Regierung sich als Konfliktpartei darstellte. Fox ist also alles andere als unumstritten.

Dennoch kommt dem Minister, der eigentlich Arzt ist und noch immer offiziell seinen Doktortitel führt, heute eine Schlüsselrolle für die wirtschaftliche Zukunft des Inselstaates zu: Es geht um nichts weniger als die Neuordnung der Handelsbeziehungen nach dem Brexit.


AUSSAGEN:

• Der neue Minister kritisiert, dass Großbritannien nach seinen historischen Erfolgen zu „faul“ und zu „träge“ geworden sei.
• Fox glaubt daran, dass sein Land eine Export-Supermacht des 21. Jahrhunderts werden kann.
• Für ihn ist ein Brexit ohne Verhandlungsergebnis mit der EU auch denkbar.

Zum Vereinigten Königreich als Exportland:

„Dieses Land ist nicht mehr die Freihandelsnation, die es einst war. Wir sind zu faul geworden, zu satt an unseren Erfolgen der vorherigen Generationen.“ (2016)

„Das Vereinigte Königreich kann zur Export-Supermacht des 21. Jahrhunderts werden (…) wir sollten unsere Ziele hochstecken (…) ich will dass der Anteil von Exporten am BIP von 30 Prozent auf 35 Prozent steigt.“ (2018)

Zum Brexit:

„Das Beste, was die Premierministerin bei Neuverhandlungen bekommen kann, ist eine bessere Mitgliedschaft im falschen Club. Es ist nicht wertlos, aber es ist kein Grund, in der Europäischen Union zu bleiben.“

„Ohne Deal aus der EU auszusteigen, ist auch nicht unbedingt ein Albtraum-Szenario.“

„Wir brauchen einen klaren Schnitt mit Brüssel, um unsere nationale Souveränität wiederzugewinnen“

Zu Freihandel in Dienstleistungen:

„Wir werden mit alten Verbündeten und neuen Partnern auf der ganzen Welt zusammenarbeiten und die wirtschaftliche Stärke und das diplomatische Geschick Großbritanniens nutzen, um neue Handelsbeziehungen zu knüpfen.“

„Letztendlich ist es unsere Aufgabe, unnötige Regulierungen, Bürokratie und unnötigen Verwaltungsaufwand zu beseitigen, die den freien Dienstleistungsverkehr behindern.“ (2018)

Zu den Aussichten nach dem Brexit:

„Ich ziehe ein Freihandelsabkommen mit der EU einer Zollunion vor, denn letztere schränkt uns in unseren Verhandlungen mit Drittländern ein.“

„Wenn wir keinen Deal mit der EU bekommen, wäre das nicht der Fehler der britischen Regierung, sondern der unserer europäischen Partner.“

„Was auch immer man zum Referendum sagen mag, es muss anerkannt werden, dass dieses Land außerhalb der EU ein neues Maß an wirtschaftlicher Agilität genießen wird.“

Zu nationaler Souveränität:

„Wenn ein Land keine eigenen Gesetze machen kann, wenn es seine eigenen Grenzen nicht kontrollieren kann, ist es keine unabhängige, souveräne Nation – und ich möchte in einer unabhängigen souveränen Nation leben.“ (2016)

Zu Trumps Strafzöllen:

„Pauschale Zölle auf Metallimporte zu verhängen, ist der falsche Weg, um mit dem Problem des billigen Stahls fertig zu werden, dies löst nur Angst vor einem transatlantischen Handelskrieg aus“. (2018)

Zu G20:

„Für das Vereinigte Königreich bestand eine Priorität darin, die Diskussionen über den digitalen Handel voranzutreiben. In diesem Bereich sollten wir nach substanziellen internationalen Handelsregeln streben, die Unternehmen und Verbrauchern auf der ganzen Welt helfen können.“

„Das Vereinigte Königreich unterstützt stark das auf Regeln basierende multilaterale Handelssystem, bei dem die WTO im Mittelpunkt steht.“

„Wir müssen weiterhin als G20 zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass die WTO bereit ist, die Ursachen der gegenwärtigen Handelsspannungen wirksamer anzugehen.“


ANSICHTEN:

• Britische Politiker halten ihn für einen sehr wichtigen Akteur beim Austritt Großbritanniens aus der EU.
• Aus der Sicht von Journalisten ist der Minister ein Vertreter des Freien Marktes.
• Publizisten kritisieren, dass Fox glaubt, Großbritannien werde nach dem Brexit ähnliche Handelsbedingungen mit der EU haben wie bisher.

„Einer der wichtigsten Personen in der gesamten Referendumskampagne“ (2016)

Nigel Farage, Führer der euroskeptischen UKIP-Partei

„Fox, ein glühender Verfechter des freien Marktes und der härteste der drei Brexiteers“ (2018)

Ben Quinn, Nachrichtenreporter beim Guardian

„Fox erwartet einen Post-Brexit-EU-Deal nach dem Brexit, der mindestens so frei ist wie der, den wir jetzt haben: Bei einem Laien mag das als jugendlicher Optimismus durchgehen, aber bei dem Mann, der dafür die Verantwortung trägt, wirkt es wie eine Mischung aus Arroganz und Ignoranz.“ (2016)

Marian Hyde, Kolumnistin beim Guadian

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