Person der Woche: Abdolnaser Hemmati

Abdul Nasser Hemmati. Foto: Wikipedia /

Aaabdolrashidi. Lizenz:

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ASPEKTE:

  • Der neue Chef der iranischen Zentralbank soll die Fehler seines Vorgängers ausbügeln.
  • Nach seiner Ernennung hat der Rial wieder an Wert gewonnen.
  • Seine Politik sei ein „wichtiger Schritt in Richtung Reformen“.

Als vor zwei Wochen Abdolnaser Hemmati zum neuen Chef der iranischen Zentralbank ernannt wurde, waren viele skeptisch. Die neue Politik von Rohani, den freien Devisenmarkt komplett zu schließen, war total schiefgelaufen. Der Rial stürzte jeden Tag tiefer, der Dollar hatte zum ersten Mal einen fünfstelligen Kurs erreicht und es kam zu sporadischen Demonstrationen von der Bevölkerung, deren Eigentum binnen fünf Monaten die Hälfte seines Werts verloren hatte.

Als Hemmati dann am letzten Sonntag im iranischen Fernsehen „das neue Devisenpaket“ vorstelle, und den „sekundären Devisenmarkt“ wieder offiziell öffnete, sah man einen selbstbewussten und sachlichen Experten, der ganz offen die Probleme ansprach und seine Lösungen vorstellte.

Er machte den Fehler seines Vorgängers, Valiollah Seif, wieder gut, indem er den Devisenmarkt wieder öffnete und klarmachte, dass die Zentralbank sich nicht mehr in den Markt einmischen werde.

Monatelang hatten Wirtschaftsexperten vor der Schließung des Marktes und Unterbindung des Freihandels von Devisen gewarnt. Sie warnten auch davor, dass diese Politik nur zu Korruption und Stagnation führen werde. Eine andere Folge war der dramatische Wertverfall des Rial.

Aber nun steigt der Kurs des Rial seit zwei Tagen wieder. Selbst als die US-Sanktionen am Dienstagmorgen in Kraft traten. Wirtschaftsexperten prognostizieren, dass sich der Dollar auf einen Kurs um 80.000 Rial einpendeln wird. Das wird sich vielleicht in 90 Tagen wieder ändern, wenn die zweite Runde der US-Sanktionen gegen den iranischen Öl- und Finanzsektor eingeführt wird. Aber wenigstens ist der iranische Markt jetzt etwas besser gewappnet. Besonders im Hinblick darauf, dass die Wechselstuben wieder handeln und finanzieren dürfen.

Und nun loben die Wirtschaftsexperten den 61-Jährigen neuen Präsidenten der Zentralbank, der vor einem Monat noch zum Botschafter der Islamischen Republik in China ernannt worden war. Hamid Azarmand, ein angesehener liberaler Experte, bezeichnet die neue Devisenpolitik als „einen wichtigen Schritt Richtung Reformen“ und als „Basis für mehr Transparenz und einen gesunden Markt“.

Auch die reformorientierten Medien haben Hemmati, der insgesamt 14 Jahre die iranische Zentralversicherung geführt hat und drei Jahre CEO bei „Bank Melli“, der größten iranischen Bank war, gelobt. Die liberale Zeitung „Shargh“ titelte einen Tag vor dem Inkrafttreten der US-Sanktionen, die unter anderem der iranischen Regierung verbietet  US-Dollar zu erwerben, ganz ironisch: „Der Dollar ist frei“.


AUSSAGEN:

  • Hemmati meldet sich offensiv zu Wort.
  • Er kritisiert die Politik seines Vorgängers.
  • Er will Marktprinzipien schützen.

„An dem Tag, an dem Ihr (Amerikaner) Sanktionen einführt, öffnen wir unsere Wirtschaft.“

„Devisenhandel als Schmuggel einzustufen, war falsch“, über die Politik seines Vorgängers.

„Wir werden den Gold- und Devisenmarkt stabilisieren.“

„Wir haben keine Probleme, also warum sollte sich unser Volk Sorgen machen?“

„Die Zentralbank wird versuchen, sich nicht in ie Preisgestaltung harter Währungen einzumischen. Dieser werden nach Angebot und Nachfrage entschieden. Allerdings wir die Bankenaufsicht unkontrollierte Schwankungen am Markt und das Entstehen eines Schwarzmarktes verhindern.“

 


ANSICHTEN:

  • Hemmati werde gegen Korruption und für Unabhängigkeit der Bank kämpfen.
  • Als Ökonom wird ihm zugetraut, die Mechanismen des Marktes zu verstehen.
  • Präsident Rouhani lobt ihn als erfahrenen Banker.

„Herr Hemmati hat uns berichtet, dass er vorhat, den Devisenmarkt erst zu beruhigen und dann zu stabilisieren. Er wird sich für die Unabhängigkeit der Zentralbank einsetzen. Er hat uns versichert, dass er entschlossen ist, gegen Korruption anzukämpfen.“

Farajollah Jabi, Abgeordneter des iranischen Parlaments

„Von Anfang an hätte ein Ökonom an der Spitze der Zentralbank sitzen müssen. Sein Vorgänger, Seif, war ein Buchhalter. Nur ein Ökonom kann die Komplexitäten der Wirtschaft verstehen. Herr Hemmati weiß, wovon er spricht, und versteht die Mechanismen des Markts.“

Mahmoud Baghjari, Professor an der Universität Shahid Beheshti

„Der Markt hat Hemmati angelächelt! Mit dem neuen Paket haben sich der Gold- und Devisenmarkt wieder etwas beruhigt.“

Die Zeitung „Aftabe Yazd“

„Eine gebildete und gut informierte Person, ein erfahrener Banker und Versicherer mit guten Manieren, Lebensfreude, und großen Fähigkeiten. Ich empfehle allen Mitgliedern der Regierung, mit ihm zu kooperieren.“

Hassan Rouhani, Präsident des Iran

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