Bikesharing: Kampf um die Vorherrschaft

Seit dem Frühjahr sprießen in vielen deutschen Städten klobige, aber bunte Fahrräder wie Pilze aus dem Boden. Touristen schätzen die Sharing-Bikes. Anwohner sind teils genervt. Wir sprachen mit Jimmy Cliff, Geschäftsführer von Mobike Deutschland, über seinen Erfolg in Deutschland.

Foto: Mobike

Herr Cliff, woher kommt Mobike?

Cliff: Mobike ist ein Start-up aus China. Wir waren die ersten mit einem Smart-Bike-Sharing-Programm. Wir haben zwei Jahre Erfahrung in China und mehr als neun Millionen Fahrräder weltweit. Wir haben das „Smartlock“ designed und von Grund auf aufgebaut. Wir haben diese Industrie fast gegründet. In den letzten zwei Jahren haben wir das Schloss, das Fahrrad und die Software mehrmals verbessert. Wir sind in allen Städten stark, weil die Qualität unserer Produkte und Services für uns am wichtigsten ist.

Wie sieht Ihre Strategie für Deutschland aus?

Wir wenden dasselbe Geschäftsmodell an, das in China und anderen Ländern erfolgreich ist. Wir prüfen erst, welche Möglichkeiten es in den großen Städten wie Berlin, Frankfurt, München, Stuttgart oder Düsseldorf gibt. Dabei ist jede Stadt unterschiedlich. Es hängt davon ab, wie eine Stadt gebaut ist, wie breit die Straßen und die Fußwege sind, ob es Fahrradwege gibt und wie die  funktionieren, wie die Anwohner unterwegs sind, von der Geografie, und so weiter. Nachdem wir ein Verständnis von der Stadt haben, machen wir eine dynamische Strategie für jeden Ort und bauen ein Operationsteam auf. Am Anfang machen wir eine kleine Probe mit einigen Hundert Fahrrädern, in einem begrenzten Terrain. Dann beobachten wir, wie es sich entwickelt. Wenn es gut geht, machen wir das Gebiet größer und größer.

„Ich glaube, es wird auf jeden Fall in diesem Jahr eine Marktkonsolidierung geben.“

Wie viel hat Mobike in Deutschland investiert?

Wie viel genau sagen wir nicht. Aber ich kann sagen, dass Deutschland bisher der größte Markt außerhalb Chinas ist und auch der erfolgreichste. Nachdem Meituan Mobike gekauft hat, ist ein großer Teil der Investition natürlich in die internationale Expansion gegangen. Europa ist ein Hauptziel für uns.

Wie viele Mobike-Räder gibt es in Deutschland?

Wir teilen die genauen Zahlen unserer Räder nicht mit. Aber ich kann sagen, dass wir in Berlin der Anbieter mit den meisten sind. Der zweitgrößte Anbieter hat circa 5.000 Räder in Berlin.

Planen Sie Akquisen? Etwa den Aufkauf von Konkurrenten?

Ich kann nicht über besondere Pläne sprechen. Es ist immer möglich. Ich glaube, es wird auf jeden Fall in diesem Jahr eine Marktkonsolidierung geben. Wir haben hier acht Player in Berlin, das ist mehr als der Markt braucht.

Wirkt es sich negativ auf das Image aus, dass Sie ein chinesisches Unternehmen sind?

Es war nicht das China-Image, mit dem wir zu kämpfen hatten. Bei allen neuen Industrien und Geschäften gibt es immer eine Frage – Was steckt dahinter? Welche Absicht haben die? Es hat einige Monate gedauert, viel Arbeit gekostet und natürlich viel PR. Aber es gibt immer noch einiges zu tun. Ich glaube, vielen Deutschen ist noch nicht klar, was der Wert eines Fahrradverleihprogramms ist. Um das zu erklären, verbinden wir unsere Herkunft mit unserer Zukunft: China ist unser Startpunkt. CO2-Emissionen und Feinstaub sind große Probleme in China. Mobike ist ein Teil der Lösung. Unsere Mission ist, nachhaltige, umweltfreundliche und menschliche Städte zu haben. Auch wenn die Städte und Länder unterschiedlich sind, sind die Probleme ähnlich.

Es gibt Beschwerden über den mangelnden Fahrkomfort von Mobike-Rädern. Wie reagieren Sie darauf?

Unsere Fahrräder werden öfter benutzt als andere. Seit Frühlingsanfang wächst die Zahl jede Woche. Unsere Fahrräder stehen normalerweise nicht lange an einem Ort. Es kann auch einmal passieren, dass ein Fahrrad kaputt geht. Sobald wir das wissen, schicken wir sofort jemanden aus unserem Operationsteam dorthin, um es zu holen.

Manchmal ist ein Vollgummireifen vielleicht nicht so bequem wie ein Luftschlauch. Aber wenn ein Luftschlauch kaputt ist, kann niemand mehr das Fahrrad benutzen. Das ist auch nicht so bequem. Die Städte ärgert das ebenfalls, weil sie überall kaputte Fahrräder sehen. Und das Geschäftsmodell funktioniert nicht, weil man viel Geld ausgeben muss, um die kaputten Räder zu reparieren.

Für uns ist es wichtig, dass jeder, der ein Fahrrad sucht, schnell und einfach ein fahrtüchtiges Mobike findet. Wir schaffen das viel besser als die Anderen, glaube ich. Für Deutschland haben wir extra neue Fahrmodelle hergestellt. Wir nennen sie 3.0. Sie haben 26-Zoll-Räder und sind größer, ein bisschen leichter und extra für den deutschen Markt hergestellt.

Herr Cliff, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Mit Jimmy Cliff sprach Xiaodong Zhang

Dieser Beitrag ist in ChinaContact 7-8/2018 erschienen.

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