Person der Woche: Kairat Kelimbetov

Kairat Kelimbetov. Foto: Astana International Financial Centre

ASPEKTE:

  • Der Direktor des internationalen Finanzzentrums in der kasachischen Hauptstadt Astana AIFC gilt als Mann für große Aufgaben.
  • Der Finanzexperte hatte bereits viele Führungspositionen in der Regierung Kasachstans inne.
  • Als Chef der Notenbank gab er den Wechselkurs der nationalen Währung Tenge frei.

In Georgetown, Moskau und Kasachstan ausgebildet und mit 49 Jahren noch recht jung für kasachische Verhältnisse, ist der Finanzexperte Kairat Kelimbetov die perfekte Besetzung für den Posten des Direktors des neuen „Astana International Finance Center“ (AIFC) in der kasachischen Hauptstadt. Das Projekt, das auf dem brandneuen EXPO-Gelände angesiedelt ist, soll Astana als internationalen Finanz-Umschlagsplatz positionieren und ausländische Gelder in die Steppe ziehen – als Singapur oder Dubai Zentralasiens sozusagen. Kelimbetov kann bereits auf eine lange und steile Karriere zurückblicken: Er lenkte drei Jahre lang den Staatsfonds Samruk-Kazyna (2008-2011) und war Vorsitzender der Strategischen Planungsagentur. Auch mehrere Führungspositionen in der Regierung hatte er bereits inne. So führte er als Minister das Ressort für Wirtschaftliche Entwicklung (2011-2012) und das Wirtschafts- und Haushaltsministerium (2002-2006). Darüber hinaus agierte er in den Jahren 2012 bis 2013 als stellvertretender Premierminister, bevor er 2013 die Führung der Zentralbank übernahm. Eine wichtige Maßnahme, die Kelimbetov als Chef der Notenbank getroffen hatte, war die Freigabe der nationalen Währung Tenge. Danach hat die politische Führung ihn zwar seines Amtes enthoben, weil der Tenge-Kurs massiv eingebrochen war. Doch ist er dadurch nicht in Ungnade gefallen. Im Gegenteil: Kelimbetov gilt in Kasachstan als Mann, der dann geholt wird, wenn große Aufgaben bewältigt werden müssen. Das wird gerade an seiner Ernennung zum Direktor des AIFC deutlich. Dass aus der Steppen-Stadt Astana, wo das Finanzzentrum liegt, eine Finanzoase werden kann, wird er aber erst beweisen müssen.


AUSSAGEN:

  • Kasachstan wird seinen Aussagen zufolge jetzt eine neue Geldpolitik machen, die flexiblere Wechselkurse ermöglicht.
  • Der AIFC-Chef betont, dass das Land die Entwicklung der Kapitalmärkte vorantreibt.
  • Kelimbetov unterstreicht, dass „Kasachen in einer stabilen Wirtschaft leben“.

Über die neue Geldpolitik Kasachstans:

„Wir haben eine neue Politik begonnen. Dabei wollen wir mittelfristig zu einer neuen Geldpolitik übergehen, die Inflation Targeting (deutsch: direkte Inflationssteuerung) genannt wird. Das bedeutet mehr Flexibilität, wir bewegen uns jetzt von einem festen zu einem flexibleren Wechselkurs.“ (2015)

„Jetzt wollen wir uns auf die Entwicklung der Kapitalmärkte konzentrieren, der Staat zielt darauf ab, ein Privatisierungsprogramm zu entwickeln, und wir erwarten, dass große Staatsunternehmen innerhalb von drei Jahren privatisiert werden.“ (2015)

„Wir leben in einer stabilen Wirtschaft, mit einem stabilen Bankensektor. Einige Volatilität gibt es, aber die Bevölkerung vertraut den Banken, und dies vor allem aufgrund der Tatsache, dass die Regierung den Banken geholfen hat.“ (2016)

Über die Vorteile des AIFC:

„Wir haben eine führende Position in Zentralasien und bauen das AIFC auf dem englischen Gewohnheitsrecht auf, mit Rechtssystemen, die eine bessere Praxis ermöglichen.“ (2018)

„Durch die Zusammenarbeit mit Waves (Blockchain-Plattform) bietet das AIFC kasachischen Start-ups die einzigartige Möglichkeit, Projekte auf einem neuen technologischen Niveau zu entwickeln. So helfen wir, Blockchain in Kasachstan zu verbreiten.“ (2018)

„Die Idee ist, internationale Experten zu engagieren, das System aufzubauen und dann die Expertise zu transferieren.“ (2016)

Über Probleme und eigenen Einsatz:

„Ich bin bereit, sämtliche Schuld auf mich zu nehmen, wenn das irgendwie dazu beiträgt, die Probleme zu lösen.“ (2016)

„Ich versuche 100 Prozent von dem, was ich sage, zu glauben, denn wenn ich nicht sicher bin, sage ich es normalerweise nicht.“ (2016)

„Es ist Zeit für alle, zu erkennen, dass wir vor 20 Jahren von einem politischen System zu einem anderen gewechselt haben. Aber die Welt verändert sich wirklich dramatisch, die Welt ist anders als vor 20 Jahren. Wir müssen (heute) ein System schaffen, das uns hilft, die externen Schocks zu absorbieren und uns auf den zukünftigen Wettbewerb vorzubereiten … Das ist definitiv schmerzhaft, aber es ist die Realität.“ (2018)

Über die Zollunion (Vorgänger der EAWU):

„Die Zollunion ist eine große Sache im wirtschaftlichen Leben von Kasachstan, Belarus und Russland. Es hat unseren Beziehungen eine neue Dynamik verliehen (…) und wird entscheidend für die Entwicklung unserer Wettbewerbsfähigkeit sein.“ (2011)

Über Krisen:

„Krisen bieten die Möglichkeit, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Behandle sie nicht wie eine Apokalypse, sondern lerne aus ihnen!“ (2012)

Über die Zusammenarbeit mit China:

„Neben chinesischen Finanzinstitutionen, heißen wir auch Internet-Unternehmen wie Alibaba, Tencent, Baidu und Fintech-Startups willkommen.“ (2018)


ANSICHTEN:

  • Der kasachische Staatspräsident lobt seine Kompetenz als Finanzexperte.
  • Fachleute glauben, dass das Finanzzentrum Erfolg haben wird.
  • AIFC wird nach Meinung der Experten für die Expats Vorteile bieten.

„Ich denke, dass seine Erfahrung und sein Wissen um die wirtschaftliche und finanzielle Situation unseres Landes einen positiven Effekt auf die Arbeit der Nationalbank haben werden.“ (2013)

Präsident Nursultan Narsabajew, anlässlich der Ernennung von Kelimbetov zum Gouverneur der Nationalbank

„Sie sind auf dem richtigen Weg!“

Zach Witlin, Kasachstan-Analyst bei Eurasia Group

„Sie richten eine virtuelle Behörde ein, sie werden damit uns allen Konkurrenz machen. Sie werden bessere Sicherheitsnetze, bessere Besteuerungsmodelle und bessere Versicherungen bieten!“  (2018)

Tim Draper, Venture-Kapital-Investor

„Wenn das AIFC den Erwartungen gerecht wird – und warum sollte es das nicht –, dann ist das eine Errungenschaft für jeden, einschließlich Expats, der in diesem … Stadtzentrum arbeitet.“ (2018)

Kenneth Rapoza, Journalist bei Forbes.com, Zentralasien-Experte

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