Alstom-Übernahme verspricht Aufträge in Russland

Die russische Eisenbahn RZD modernisiert bis 2025 ihre Dritte-Klasse-Schlafwagen. Daran könnte der deutsche Technologiekonzern Siemens mitverdienen.

Von Maxim Kireev

iStock © Yongyuan Dai

Bis zu 600 neue Wagen jährlich will der Staatskonzern in den kommenden Jahren bei seinem Hauptlieferanten Transmashholding ordern. Das ehrgeizige Ziel: Bis 2025 sollen nicht nur die veralteten „Platzkartny-Waggons“ durch einen neu entwickelten Waggon-Typ ersetzt werden. Auch die Schlafwagen der Coupé-Klasse und die erst seit 2013 im Dienst stehenden Doppelstockzüge sollen gründlich überarbeitet werden. Im einem Strategiepapier des Eisenbahnkonzerns ist die Rede von breiteren Schlafplätzen, modernen Toiletten mit Dusche sowie mehr Platz für sperriges Gepäck. Die neuen Waggon-Typen befinden sich derzeit in der Entwicklungsphase, heißt es aus dem Staatskonzern. Transmashholding bestätigte entsprechende Entwicklungsarbeiten im eigenen Haus.

Siemens ist durch Alstom-Deal beteiligt

Bisher arbeitet der Hauptlieferant der Passagiersparte von RZD mit dem französischen Partner Alstom zusammen. Mit 33 Prozent sind die Franzosen an Russlands größter Zug- und Lokomotivbauholding beteiligt. Sollte die Fusion zwischen der Mobilitätsbranche von Siemens und Alstom wie geplant über die Bühne gehen, wird das neue Joint Venture von Siemens und Alstom neuer Partner des russischen Zug- und Lokomotivenbauers Transmashholding. Der deutsche Konzern werde etwas mehr als 50 Prozent an dem neuen Unternehmen halten. „Im Endeffekt wird Siemens anstelle von Alstom als Technologiepartner mit Betrieben der Transmashholding zusammenarbeiten“, erklärte Ende März Igor Artemjew, Chef von Russlands Antimonopolbehörde FAS, die den Deal geprüft hatte. Schon vor Wochen hatte die FAS ihre Genehmigung erteilt. Bis Mitte Juli wird zudem grünes Licht für den Siemens-Alstom-Deal aus Brüssel erwartet.

Zu den Tochterunternehmen des russischen Konzerns gehört die Waggonfabrik TWZ in Twer, die sich auf die Herstellung von Passagierzügen spezialisiert. Hinzu kommen wichtige Lokomotivhersteller wie der Maschinenbauer BMZ in Brjansk. Insgesamt vereint die Holding 17 Betriebe über das ganze Land verteilt.

 Aufträge im Wert von bis zu einer halben Milliarde Euro

Wie hoch das Auftragsvolumen genau ausfallen könnte, ist bisher unklar. Ausgehend von einem geschätzten Preis von bis zu einer Million Euro pro Waggon könnte das Modernisierungsprogramm der RZD allein im Passagierbereich Aufträge von bis zu einer halben Milliarde Euro für den Konzern bedeuten. Bereits im Frühjahr hatte die Transmashholding einen Großauftrag für über 300 Lokomotiven an Land gezogen. Branchenkenner beziffern das Auftragsvolumen auf rund 1,7 Milliarden Euro.

Bisher ist Siemens vor allem durch seine 50-prozentige Beteiligung an dem Unternehmen Ural-Loko am russischen Markt aktiv. Dort werden neben Lokomotiven auch die Lastotschka-Züge, basierend auf der Desiro-Zugreihe von Siemens gebaut. Die anderen 50 Prozent hält die russische Sinara Group. Seit einigen Monaten ist zudem die Bestellung von elf neue Sapsan-Zügen im Gespräch, die technisch auf der ICE-3-Reihe basieren. Bisher verfügt RZD über 16 solcher Züge. Aus Branchenkreisen heißt es jedoch, dass vor allem die russische Seite darauf besteht, dass zumindest ein Teil der Sapsan-Züge in Russland hergestellt wird. Eine entsprechende Bereitschaft erklärte der Vize-Chef von Ural-Loko bereits vor einigen Monaten. Weil die Stückzahl jedoch gering ist, senkt das die Lu­k­ra­ti­vi­tät des Auftrags für den deutschen Konzern, was die Verhandlungen verzögert.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here