Rekordernte bremst Absatz von Landtechnik

Der Weizenpreis ist aufgrund der Rekordernte auf dem russischen Markt gefallen. Bauern schieben Investitionen in neue Landmaschinen und Verarbeitungstechnik auf.

Von Maxim Kireev

Der Inlandspreis für Weizen erreichte im vergangenen Jahr einen Tiefstand von 100 Euro pro Tonne. Foto: iStock © mediaphotos

Russlands Landmaschinenbauer schlagen Alarm. Nach zwei guten Jahren in Folge ist die Produktion in den ersten vier Monaten erstmals wieder geschrumpft. Nach Angaben des Branchenverbandes Rosspezmasch haben russische Hersteller zwischen Januar und April Landtechnik im Wert von 32,3 Milliarden Rubel, umgerechnet etwa 400 Millionen Euro, hergestellt. Das sind fast 20 Prozent weniger, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum. Einen Grund für die Flaute sehen Branchenvertreter in der Rekordernte bei Getreide im vergangenen Jahr. Weil es im Inland an Verarbeitungs- und Lagerkapazitäten mangele, seien die Getreidepreise abgestürzt, was sich negativ auf die Nachfrage nach neuen Landmaschinen seitens der Landwirte ausgewirkt habe.

Binnenmarktpreis erholt sich langsam

Der Inlandspreis für Weizen erreichte im vergangenen Jahr einen Tiefstand von 100 Euro pro Tonne. Aktuell liegt er mit 130 Euro etwas darüber. „Viele Landwirte horten ihr Getreide in der Hoffnung, dass die Preise weiter steigen“, heißt es bei Rossepzmasch. Das senke die Liquidität bei den Bauern, weswegen sie den Kauf neuer Maschinen aufgeschoben haben. Dementsprechend hat die Produktion von Mähdreschern für Getreide mit einem Minus von 33 Prozent auf 1.767 Stück nachgegeben.

Subventionen werden nicht ausgeschöpft

Ein weiterer Grund für den schleppenden Absatz sind Verzögerungen bei der Verteilung staatlicher Subventionen. Landwirte hätten Monate auf versprochene Kreditvergünstigungen gewartet, weil Banken und Landwirtschaftsministerium sich nicht einigen konnten. Der neue Landwirtschaftsminister Dmitrij Patruschew hatte zudem kritisiert, dass die Mittel, mit denen der Staat Käufer russischer Landtechnik unterstützt und ihnen einen 15-pozentigen Rabatt auf den Kaufpreis erstattet, bisher nur zu zehn Prozent ausgeschöpft wurden. Über die vergangenen Jahre haben die Subventionen, aber auch der schwache Rubel mitgeholfen, den Marktanteil der Landmaschinen aus russischer Produktion von etwa 25 auf über 50 Prozent zu hieven.

Damit dieser Trend weitergeht, fordern nun Landgerätehersteller Unterstützung vom russischen Staat. So kritisierte erst kürzlich Konstantin Babkin, Chef von Russlands größtem Mähdrescher-Hersteller Rostselmash, dass Subventionen in Russland nicht planbar seien und jedes Jahr aufs Neue erkämpft werden müssten. Zusätzlich sind ihm ausländische Hersteller ein Dorn im Auge, weil sie von Teilen der Fördermechanismen, etwa der Kreditförderung, ebenfalls profitieren.

Russlands Bauern müssen investieren

Gleichzeitig sieht Babkin noch genug Bedarf an neuen Maschinen. Jedes Jahr sinkt die Zahl von Traktoren und Mähdreschern auf Russlands Feldern, weil alte Geräte nicht ersetzt werden. Seit den frühen Neunzigerjahren ist die Anzahl von Traktoren und anderen Maschinen auf Russlands Farmen von fast zwei Millionen auf gut 300.000 geschrumpft. So verfügen amerikanische Bauern laut dem Landwirtschaftsministerium pro 1.000 Hektar über 26 Traktoren, russische Bauern nur über vier. Für einen optimal ausgestatteten Maschinenpark müssen Russlands Landwirte in den kommenden Jahren rund 20 Milliarden Euro ausgeben, etwa so viel, wie Russlands jährlicher Export landwirtschaftlicher Produkte einbringt.

Vom diesem Investitionsbedarf profitieren deutsche Hersteller. Trotz Flaute bei der russischen Konkurrenz konnten sie den Absatz von Erntemaschinen in Russland im ersten Quartal um sieben Millionen auf 45 Millionen Euro steigern.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here