Usbekistan: Neue Möglichkeiten

Foto: Francisco Anzola / Lizenz: Attribution 2.0 Generic (CC BY 2.0) / Quelle: flickr

Usbekistan öffnet sich und arbeitet an der Privatisierung und Modernisierung seiner Wirtschaft. Das Klima für ausländische Investoren dürfte sich weiter verbessern.

Seit dem Amtsantritt von Präsident Shavkat Mirziyoyev am 4. Dezember 2016 haben sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Usbekistans bereits deutlich verändert, die Möglichkeiten für Investoren haben sich verbessert. Mit seinem Reformprogramm versucht Mirziyoyev, das Land zu öffnen und vor allem wirtschaftlich weiter voranzubringen. Schwerpunktsektoren seines Investitionsprogrammes sind die Textilindustrie, die Landwirtschaft, die Herstellung von Nahrungsmitteln und Medikamenten, die chemische und pharmazeutische Industrie, der Bergbau sowie die Produktion von Landmaschinen und Autos. Steigende Bedeutung kommt auch der Entwicklung des Tourismus zu, hier sind vereinfachte Visaregelungen für Touristen im Gespräch. Usbekistan war zudem wieder auf der Internationalen Tourismusmesse ITB im März 2018 in Berlin vaertreten.

Wachstum: An erster Stelle in Zentralasien

Bereits seit einigen Jahren weist das mit 32 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Land Zentralasiens hohe Wachstumsraten beim Bruttoinlandsprodukt auf, zuletzt sechs Prozent im Jahr 2017 (2016: 7,8%). Damit liegt Usbekistan an erster Stelle in Zentralasien. Für 2018 erwartet die Zentralbank des Landes ein BIP-Wachstum von 5,5 bis 6,0 Prozent.

Das bisher wichtigste Ergebnis der Reformpolitik ist die heute umgesetzte weitgehende Liberalisierung der Devisenbewirtschaftung. Die Nichtkonvertierbarkeit der lokalen Währung (UZS – Usbekischer Sum) war eines der Haupthindernisse für ausländische Investoren, aber auch für das normale Export-Import-Geschäft. Der usbekische Importeur hatte in der Regel ausreichend lokale Währung zur Verfügung, musste aber tage-, wochen- oder sogar monatelang auf die Konvertierung in Hartwährung durch die staatliche Devisenbörse warten, um die Importe dann auch bezahlen zu können.

Ebenso wichtig ist die deutliche Verbesserung der Beziehungen zu allen Nachbarstaaten Usbekistans. In der Vergangenheit waren vor allem die Beziehungen zu Tadschikistan und Kirgisistan sehr angespannt. Diese haben sich deutlich verbessert, wovon die hochrangigen gegenseitigen Besuche, aber auch die Einrichtung einer direkten Flugverbindung zwischen Taschkent und Duschanbe nach über 20 Jahren zeugen.

Aufgrund der zentralen Lage Usbekistans in Zentralasien eröffnen sich auch neue wirtschaftliche Möglichkeiten für das Land, wie zum Beispiel der Export von Autos oder Textilprodukten in die Nachbarländer. Ein weiteres Ziel ist die deutliche Verringerung der Abhängigkeit von Rohstoffexporten. Ein Beispiel hierfür ist die Textilindustrie, die statt der Rohbaumwolle zunehmend Textilprodukte exportiert. Die hierfür notwendigen gesetzlichen Grundlagen werden Schritt für Schritt geschaffen.

Großes Potenzial bei Rohstoffen und Arbeitskräften

Positive Veränderungen gibt es auch im Finanzsektor des Landes. Nach jahrelanger Abwesenheit ist die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) nach Usbekistan zurückgekehrt und stellt Finanzmittel für kleine und mittlere Unternehmen, aber auch den Banken des Landes in Form des Trade Facilitation Program (TFP) zur Verfügung. Im Rahmen des TFP werden Ausfallrisiken usbekischer Importeure beziehungsweise Banken abgesichert. Usbekistan ist jetzt bestrebt, das für ausländische Investoren so wichtige Länderrating internationaler Ratingagenturen zu erhalten und möchte in naher Zukunft einen ersten Eurobond über 300 Millionen US-Dollar begeben.

Warum investieren?

Trotz der bekannten Probleme wie Bürokratie und daraus resultierender Korruptionsrisiken, unzureichender Transparenz bei wirtschaftlichen Zahlen und mangelnder Infrastruktur verfügt das Land über ein großes Potenzial, welches sich in den riesigen Vorkommen an Bodenschätzen sowie der wachsenden Industrie zeigt. 65 Prozent der Bevölkerung Usbekistans sind jünger als 30 Jahre. Der Arbeitsmarkt verfügt über 19 Millionen Arbeitskräfte, die offizielle Arbeitslosenquote  beträgt 5,2 Prozent. In den letzten Jahren hat die Beschäftigung auf dem Lande abgenommen und sich auf den Industrie- und Dienstleistungssektor verlagert. Noch immer ist die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung in staatlichen Unternehmen beschäftigt.

Für Privatisierung und gegen Behördenwillkür

Das Land ist auch nach dem Machtwechsel politisch stabil und unternimmt gegenwärtig große Anstrengungen, staatliche Unternehmen zu privatisieren. Um Investitionen noch mehr zu fördern, wurden spezielle Wirtschaftszonen eingerichtet, wo Investoren in den Genuss von steuerlichen und anderen Vergünstigungen kommen. Solche Zonen gibt es bereits in Navoi seit 2008, Angren (2012) und Djizzak (2013). Weitere sollen folgen. Gegenwärtig erarbeitet das Justizministerium einen Gesetzesentwurf „über Maßnahmen zur grundsätzlichen Verbesserung der Systeme zur Unterstützung der Geschäftsanbahnung und Entwicklung“, mit welchem die Lizenzierung von neuen Unternehmen weiter vereinfacht werden soll. Im Kampf gegen die Behördenwillkür wurden in der jüngeren Vergangenheit Kontrollen von Unternehmen durch die zahlreichen staatlichen Institutionen per Präsidialerlass limitiert. Die Erfahrungen deutscher Unternehmen, wie zum Beispiel MAN, Claas oder Knauf, die bereits in Usbekistan investiert haben, zeigen, dass man im Land erfolgreich sein kann. Im Ease of Doing Business Index von Juni 2017 hat sich Usbekistan weiter auf den 74. Platz verbessert (2016: Platz 87, 2015: Platz 141).

Carsten Theuer
ist Director und Relationship Manager bei der Commerzbank AG. 

www.commerzbank.de

 


Dieser Artikel erschein in OstContact, Ausgabe 5/6 2018.
Erhältlich ab 5. Juni 2018 im OWC-Shop.

Zuerst erschienen in Wachstumsmärkte Ost.erhältlich im OWC-Shop


 

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