Staatskarosse mit Fragezeichen

Mit einer neuen Limousine für die Reichen und Mächtigen will Russland im Premiumsegment mitmischen. Doch die Erfolgsaussichten sind bisher äußert vage.

Von Maxim Kireev

70 Modelle der neuen Staatslimousine sollen im Herbst auf den Markt kommen. Foto: © kremlin.ru

Eine ganze Amtszeit musste Russlands Präsident darauf warten. Insgesamt 3.500 Ingenieure, Entwickler und Techniker seien an dem Projekt beteiligt gewesen. Nach insgesamt sechs Jahren war es am Montag dann soweit. Fast 500 Meter lang glitt Putins nagelneue schwarze Limousine über das Kopfsteinpflaster des Kremls. Es war der erste Auftritt der neuen Staatskarosse, mit der der Kremlherr von nun an auf Russlands Straßen unterwegs sein wird. Über sechs Meter lang und zwei Meter breit ist der schwarze Klotz, der den gewohnten Mercedes Benz Pullmann in der Kremlgarage ersetzen wird. Bis zuletzt blieb unklar, ob das neue Präsidentenauto, das in Russland entworfen und montiert wurde, rechtzeitig zur Inauguration Putins fertig wird. Immer wieder hatte es Verzögerungen beim dem Projekt gegeben. Noch im vergangenen Herbst bezeichnete Putin das Fahrzeug als „unfertig“.

Putins Limousine kommt nicht ohne ausländisches Know-how aus
Mittlerweile hat die Präsidentenlimo ihren ersten Test bestanden. Im August soll dann die offizielle Premiere auf der Moskauer Automobilmesse folgen. Ab Herbst, so das Versprechen des Industrieministers Denis Manturow, wird der Hersteller NAMI, ein Konstruktionsbüro in staatlicher Hand, die ersten kommerziellen Aufträge entgegennehmen.
Die Idee ist, dass der Präsident Russlands von einem ausländischen auf ein russisches Fabrikat umsteigen muss, ist nicht neu. 2011 startete der Versuch, die sowjetischen ZIL-Limousinen in einer Neuauflage wiederzubeleben. Doch die Moskauer Autofabrik war zu marode um ein neuen Fahrzeug auf die Beine zu stellen. Auch die Variante einen Volkswagen Phaeton mit etwas abgänderter Karosserie in Lizenz zu bauen, wurde verworfen. Am Ende entschieden sich Auftraggeber und Entwickler in der NAMI-Schmiede, dass das Fahrzeug zwar unter russischer Schirmherrschaft, jedoch mit ausländischer Hilfe entstehen soll. So stammt zum Beispiel der 8-Zylinder-Hybridantrieb von Porsche Engineering. Auch bei der angeblich vom russischen Hersteller KATE gelieferten 9-Stufen-Automatik vermuten Autoexperten zumindest ausländische Hilfestellung.

China oder der arabische Raum kommen als Absatzmarkt in Frage
Bis zum Jahresende sollen bereits 70 Fahrzeuge der neuen Reihe gebaut werden. Die ersten Auslieferungen sind für das Frühjahr 2019 angekündigt. Mit einem Mindestpreis von 130.000 Euro spielt das Auto bereits im Top-Segment des russischen Marktes mit, das nur ein Prozent des gesamten Umsatzes ausmacht. Im vergangenen Jahr wurden in Russland knapp 2.500 Mercedes S-Klasse, 230 Bentley-Fahrzeuge und fast 90 Autos der Marke Rolls-Royce zugelassen. „Unter diesen Umständen wären dreistellige Verkaufszahlen schon ein Erfolg“, erklärt der für das Premiumsegment zuständige Manager eines großen russischen Autohändlers. Igor Morjaretto, Automobilexperte der Agentur Autostat ist noch skeptischer: Noch sei nicht einmal bekannt, wo das Auto gebaut werden soll. „Auch die bisherig offiziell ausgewiesenen Kosten des Projekts von knapp 200 Millionen Dollar sind ein Bruchteil dessen, was Hersteller in eine eigene Plattform für mehrere Fahrzeuge investieren müssen“, erklärt der Fachmann. Unter diesen Umständen seien auch die Exportaussichten des neuen Fahrzeugs fraglich. Als Märkte könnten etwa China oder der arabische Raum dienen. „Die Chancen würden erst klar sein, wenn die ersten Fahrzeuge nicht nur für den Präsidenten, sondern für alle zum Anfassen vom Band rollen“.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here