Möglicher Kompromiss im Sanktionen-Streit

Der russische Oligarch Oleg Deripaska könnte mit einem Verkauf der Anteile seine Unternehmensgruppe En+ aus der Schusslinie bringen. Derweil stehen nicht nur seine Aluminiumhütten Rusal vor Problemen.

Von Maxim Kireev

Der russische Oligarch Oleg Deripaska soll die Kontrolle über seine Holdinggesellschaft En+ abgeben.
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Die jüngsten Sanktionen, die vor allem den Milliardär Oleg Deripaska und sein Firmenimperium getroffen haben, sorgen weiter für Turbulenzen in der russischen Wirtschaft. Neben den Aluminiumwerken des Oligarchen, die über stockende Exporte und Finanztransaktionen klagen, gerät nun auch das Nutzfahrzeugwerk GAZ in die Bredouille. Seit Tagen mehren sich Medienberichte, dass der Autobauer aus Nischnij Nowgorod Probleme mit ausländischen Zulieferern habe. „Alle Transaktionen in fremder Währung würden derzeit infrage gestellt“, zitierte die Agentur Reuters eine Quelle aus dem Werk. Die Werksleitung fürchtet, dass die Produktion im Juni gestoppt werden muss.

„Die GAZ-Werke sind nicht nur bei der Montage ausländischer Fahrzeuge mit internationalen Partnern verknüpft“, erklärt Denis Zamotin, Vizevorsitzender der Industriellen-Vereinigung in Nischnij Nowgorod. Das Unternehmen beziehe auch für seine russischen Fahrzeuge Teile von ausländischen Zulieferern. Neben der Montage von Škoda-Pkw und der Sprinter-Reihe von Mercedes Benz, verkaufte GAZ im vergangenen Jahr knapp 60.000 Fahrzeuge, Kleintransporter und Lkw unter der eigenen Marke. Offiziell kommentiert das Untenehmen die Lieferprobleme nicht und erklärt lediglich, angesichts der Situation mit ausländischen Partnern im engen Kontakt zu stehen.

Deripaska soll seine Holdinggesellschaft verkaufen
Derweil zeichnet sich offenbar eine Kompromisslösung ab, die es künftig erlaubt, zumindest den größeren Teil Unternehmensgruppe von Oleg Deripaska, zu der auch der Aluminiumkonzern Rusal gehört, aus der Schusslinie der Sanktionen zu bringen. Dafür nannte das US-Finanzministerium Bedingungen: Eine ist, dass der Milliardär keine Kontrolle mehr über seine Holdinggesellschaft En+, zu der auch Rusal gehört, ausüben darf. Dafür reiche es jedoch nicht aus, dass Deripaska künftig weniger als 50 Prozent der Aktien hält, sondern auch die tatsächliche Kontrolle im Unternehmen aus der Hand geben soll. Derzeit besitzt er 66,1 Prozent der Anteile an En+. Der Handel mit diesen Papieren wurden Anfang April an der Londoner Börse ausgesetzt und ist nun wieder bis zum 5. Juni zugelassen.

„Die Sanktionen werden nur aufgehoben, wenn der Käufer von Deripaskas Anteilen kein mit ihm in irgendeiner Weise verknüpfter Investor ist“, meint ein Moskauer Investmentbanker, der mit Rusal-Papieren handelt. Seiner Ansicht nach käme zum Beispiel eine russische Staatsbank infrage oder der staatliche Fonds für direkte Investitionen RFPI.

Wie sich diese mögliche Kompromisslösung auf die Geschäfte von GAZ auswirkt, bleibt indes fraglich, schließlich ist der Nutzfahrzeugbauer nicht über En+ mit Deripaska verbunden, sondern über seine Maschinenbauholding Russian Machines. Anleger an der Moskauer Börse regierten jedoch optimistisch, als das US-Finanzministerium sich bereit zeigte die Sanktionen zu lockern, wenn Deripaska sich an die Vorgaben hält. Zum vergangenen Freitag steig der Aktienkurs bereits um zehnt Prozent, auch wenn die Verluste seit Anfang April noch längst nicht wieder aufgeholt wurden.