Medienaufsicht richtet Millionen-Schaden an

Von der Blockierung des russischen Mitteilungsdienstes Telegram durch die russische Medienaufsichtsbehörde sind auch deutsche Internetdienstleister betroffen. Arbeitsprozesse werden unterbrochen, weil alle Server gesperrt werden, die Telegram nutzt.

Von Maxim Kireev

Seit fast zwei Wochen blockieren russische Behörden IP-Adressen und jeden Server, die vom Messenger-Dienst Telegram benutzt werden. Foto: iStock © MattiaMarasco

Die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor gibt ihre Bemühungen nicht auf, den Messenger-Dienst Telegram russlandweit zu sperren. Hintergrund war eine Forderung des Inlandsgeheimdienstes FSB an die Plattform, Verschlüsselungstechnologien herauszugeben. Nach Angaben russischer Behörden würden Kriminelle und Terroristen die verschlüsselten Chats von Telegram nutzen, um unbehelligt zu kommunizieren.

Seit fast zwei Wochen blockieren russische Behörden IP-Adressen und jeden Server, die vom Messenger-Dienst benutzt werden. Laut Branchenexperten hat dies bereits zu Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe geführt, weil andere Unternehmen und Services in Mitleidenschaft gezogen worden sind. „Viele Unternehmen, die wie Telegram Cloud-Services von Amazon und Google nutzen, berichten von Sperrungen iher Webseiten“, berichtet IT-Experte Michail Klimarjow. Banken, Onlineshops und zahlreiche Dienste wie Slack klagten seit Tagen regelmäßig über Störungen in ihrer Verfügbarkeit. „Es ist schwer zu sagen, wie groß die finanziellen Schäden bereits jetzt sind. Ich gehe davon aus, dass es hunderte Millionen Euro sein werden“, schätzt Klimarjow. Etwa weil Unternehmen während Störungen Kunden verlieren oder Arbeitsprozesse unterbrochen werden.

Deutscher Servicedienstleister Hetzner ist von Telegram-Sperrung betroffen

Neben den Marktführern Amazon und Google waren auch andere Server-Anbieter betroffen, etwa der deutsche Serverdienstleister Hetzner, dessen Kunde der russische App-Anbieter Numbuster ist. „Unsere Server waren für mehrere Stunden lahmgelegt“, erklärt Jewgenij Gnutikow, Geschäftsführer von Numbuster. Er habe Hetzner aufgefordert, Telegram aus den eigenen Datenzentren auszuschließen. „Unser Problem war dann innerhalb weniger Stunden gelöst“, erklärt Gnutikow.

Die größeren Player stellen sich jedoch weiterhin quer. Erst am Dienstag kritisierte die Medienaufsicht, dass vor allem Amazon nicht bereit sei, Telegram von den eigenen Servern zu nehmen. Mittlerweile sind in Russland über 20 Millionen IP-Adressen gesperrt, die Telegram in der Zwischenzeit nutzte.

Strenge Internetregulierung

Hintergrund der Sperren sind die strengen Internetregulierungsgesetze, die in den vergangenen Jahren von der Duma verabschiedet wurden. Darunter fallen etwa das sogenannte Jarowaja-Paket, und verschiedene andere Gesetze wie das Messenger- oder VPN-Gesetz. So müssen Unternehmen, die Kundendaten speichern, sie nicht nur auf Servern in Russland lagern, sondern auch auf Wunsch den Geheimdiensten zur Verfügung stellen. Ähnlich verhält es sich mit Messengern wie Telegram oder Whatsapp. Zudem muss die Kommunikation zwischen Nutzern auf Wunsch des FSB entschlüsselt werden. Schon in wenigen Monaten müssen nicht nur Telekommunikationsanbieter jedweden Informationsaustausch ihrer Kunden für ein halbes Jahr speichern. „Die Gesetze sind so dehnbar, dass im Prinzip bereits ein Kundenchat, zum Beispiel über einen auf der Seite integrierten Messenger mit einem Kunden in Russland, ausreicht, damit das Chat-Tool unter das russische Gesetz fällt“, erklärt Messenger-Experte und Partner der Agentur b2chain Anton Merkurow. Behörden hätten etwa das Recht solche Chats einzusehen. Noch sei jedoch unklar, wie rigoros das Gesetz angewendet wird. Für den Messenger-Dienst Telegram ist der Konflikt mit russischen Behörden ohne größere Probleme verlaufen, weil bisher immer neue Server außerhalb von Russland zugeschaltet wurden. Bis auf kurze Unterbrechungen war er seit der gerichtlichen Sperre vor zehn Tagen durchgängig nutzbar.

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