Abfallwirtschaft: Neue Anlagen in Foshan und Hongkong

Bis 2020 will China mehr als 38 Milliarden US-Dollar in seine Abfallwirtschaft investieren, verstärkt Wertstoffe recyceln und modernste Müllverbrennungsanlagen bauen. Die deutschen Entsorger Remondis und Alba Group sind dort schon viele Jahre aktiv und punkten mit ihrem Know-how.

Von Petra Reichardt

Demontage ausgedienter Elektrogeräte im Hong Kong WEEE·PARK, der Mitte März feierlich eröffnet wurde. Foto: ALBA Group

„Grüner werden“ – das ist schon länger ein erklärtes Ziel für Chinas Wirtschaft. Im Jahr 2015 wurden nach Angaben des Ministeriums für Industrie und Informatisierung (MIIT) bereits 65 Prozent aller Industrieabfälle wiederverwertet, 2020 soll der Anteil 73 Prozent betragen. Mit der Verschärfung der Umweltgesetzgebung Anfang 2016 sind die Unternehmen zudem verpflichtet, ihre Abfälle nicht nur ordnungsgemäß zu entsorgen, sondern auch sorgfältig zu dokumentieren, welchen Weg Müll und Sonderabfälle genommen haben. Auch beim Hausmüll gibt es Neuerungen. Seit März 2017 besteht eine Trennpflicht und in zwei Jahren sollen bereits 35 Prozent der Siedlungsabfälle recycelt werden.

Mittlerweile haben Chinas „Müllberge“ schwer vorstellbare Ausmaße erreicht. Zum einen erzeugt das Land selbst mit jedem Jahr mehr Müll – das ist der Preis für Wirtschaftsentwicklung und wachsenden Wohlstand – und ist zum größten Müllerzeuger weltweit aufgestiegen. Die in dem von Germany Trade & Invest Ende Januar veröffentlichten Branchenreport für 2016 genannten Zahlen sprechen Bände: 203,6 Millionen Tonnen städtische Siedlungsabfälle (ein Plus von 6,4 Prozent gegenüber 2015), 3,09 Milliarden Tonnen industrieller Festmüll und 53,5 Millionen Tonnen Sondermüll. Zum anderen wurde jahrelang Müll importiert, um so an dringend benötigte Rohstoffe zu kommen, allein im Jahr 2016 führte China mit 56 Prozent mehr als die Hälfte des global anfallenden Feststoffmülls ein. Das soll sich nun ändern. Seit Anfang dieses Jahres dürfen 24 Arten von Feststoffabfällen nicht mehr importiert werden, weitere Einfuhrverbote wurden in Aussicht gestellt. Da Deponieflächen knapp sind, setzt das Land verstärkt auf Recycling und thermische Verwertung. Damit dürften sich die Chancen für ausländische Anbieter der dafür notwendigen Anlagen und Technologien erhöhen, zumal die Regierung ausländische Direktinvestitionen in die Abfallwirtschaft ausdrücklich begrüßt.

Zwei deutsche Entsorgungsunternehmen – Branchenprimus Remondis aus Lünen/NRW und die Berliner Alba Group – haben sich vor etlichen Jahren für ein Engagement im chinesischen Markt entschieden und sind dort bereits gut im Geschäft.

Remondis-Ansatz: Know-how transferieren und Anlagen bauen

Remondis eröffnete 2007 eine Repräsentanz in Shanghai und begann mit ersten Vertriebstätigkeiten, zwei Jahre später wurde das in der Provinz Jilin ansässige Joint Venture Changchun FAW ZH-Remondis gegründet. Remondis konzentriert sich in China auf das Segment Industrieabfälle und hat sein Portfolio in den vergangenen Jahren unter anderem um einen Sonderabfallbetrieb in Shanghai erweitert, Anfang dieses Jahres kam das ebenfalls auf Sonderabfall spezialisierte Logistikunternehmen Yiguang dazu. Nach eigener Aussage ist der Abfall-Spezialist in China mit der Intention angetreten, eigenes Know-how zu transferieren. Dabei gehe es zum einen um die Beratung von Regierungs- und Branchenvertretern zu modernen technischen Recyclingmöglichkeiten und den Vorteilen, die intelligente Sammelsysteme zur getrennten Erfassung bieten. Zum anderen biete Remondis konkrete Unterstützung bei der Planung und Errichtung von Anlagen.

Jüngstes Beispiel ist ein Kooperationsprojekt im südchinesischen Foshan. Dort plant und baut Remondis zusammen mit seinem lokalen Partner Grandblue Environment Co. Ltd. ein Entsorgungszentrum für Industriesonderabfälle. Wenige Monate nach der Unterzeichnung des Kooperationsabkommens wurde am 11. Dezember 2017 der Grundstein für das Gemeinschaftsprojekt gelegt. Gebaut werden eine Hochtemperatur-Verbrennungsanlage für jährlich 30.000 Tonnen Industrieabfälle. Die dabei entstehende Abwärme wird in Form von Dampf für die Behandlung und Trocknung von rund 33.000 Tonnen schwermetallhaltigem Galvanikschlamms genutzt. Außerdem wird eine chemisch-physikalische Aufbereitungsanlage für rund 30.000 Tonnen flüssiger Abfälle wie Emulsionen, Öl-Wasser-Gemische etc. errichtet, in der hochmoderne Verdampfertechnologie zum Einsatz kommen wird. Die Infrastruktur des Projektes umfasst zudem ein Tanklager sowie ein Zwischenlager für Feststoffe – dort werden die Abfälle vorsortiert und klassifiziert. Bevor die sie jedoch vom Kunden übernommen werden, erfolgt in einem eigenen Labor die chemische Analyse entsprechender Proben, um letztendlich entscheiden zu können, welches Verwertungsverfahren optimal ist. Das Investitionsvolumen für die Gesamtanlage, die Mitte des kommenden Jahres in Betrieb gehen soll, beträgt voraussichtlich mehr als 550 Millionen Yuan. Mit Grandblue wurde ein starker lokaler Partner gefunden, so die Einschätzung von Remondis, mit dem auch künftige Kooperationen realisiert werden können. Derzeit beginnen schon einmal die Planungen für eine Sonderabfalldeponie, die ebenfalls in Fo­shan errichtet werden soll.

Alba Group: Leuchtturmprojekt für Recycling von Elektroschrott in Hongkong eröffnet

Die Alba Group hat ihr Asiengeschäft von Hongkong aus entwickelt. Dort hatte das in Berlin ansässige Unternehmen Anfang der 1990er-Jahre eine Tochtergesellschaft gegründet. Im chinesischen Markt ist Alba mit zahlreichen langfristigen Projekten in der Recycling- und Kreislaufwirtschaft unterwegs. Dazu gehören das Recycling von Altfahrzeugen und Elektronikschrott genauso wie die Behandlung von Siedlungsabfällen. In sogenannten Green-Fuel-Anlagen durchlaufen die Abfälle einen Prozess, bei dem zunächst die Schadstoffe separiert und die Wertstoffe wiedergewonnen werden. Danach werden die verbleibenden Stoffe so aufbereitet, dass Pellets entstehen – Stichwort: Grüne Kohle –, die dann wiederum in Kraftwerken zum Einsatz kommen und dort fossile Brennstoffe ersetzen.

Seit dem 1. Januar dürfen Plastikabfälle aus Haushalten in China nicht mehr eingeführt werden. Foto: iStock © Kemter

Mit der Eröffnung der neuen Recyclinganlage für Elektroschrott in Hongkong am 19. März dieses Jahres realisierte die Alba Group den bisher größten Einzelauftrag in ihrer Unternehmensgeschichte. Der vom Unternehmen selbst als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnete Hong Kong WEEE·PARK („WEEE“ steht für Waste Electrical and Electronic Equipment) befindet sich auf dem nördlich vom Flughafen gelegenen Industriegelände EcoPark, das von der Stadt errichtet wurde und das ausschließlich GreenTech-Unternehmen vorbehalten ist. Die Jahreskapazität der Anlage beträgt 30.000 Tonnen im 1,5-Schicht-Betrieb. Es besteht eine Erweiterungsoption auf bis zu 56.000 Tonnen pro Jahr bei mehrschichtiger Auslastung.

2015 hatte sich die Alba Group mit ihrem Konzept in einer Ausschreibung gegen zahlreiche Wettbewerber durchsetzen können. Daraufhin unterzeichnete die Regierung der Sonderverwaltungsregion im Mai 2015 einen Vertrag mit der in Hongkong ansässigen Alba Integrated Waste Solutions Hong Kong Ltd. über den Bau der hochmodernen Recycling-Anlage. Neben dem Bau und Betrieb der Anlage umfasste der Auftrag auch Aufbau und Betrieb eines flächendeckenden Sammelsystems mit fünf dezentralen Sammelzentren und eigener Lkw-Flotte für die Dauer von zehn Jahren. Insgesamt hat der Auftrag über die gesamte Laufzeit einen Wert von rund 318 Millionen Euro. Die SVR Hongkong hatte erstmals die Sammlung und Verwertung von Elektro- und Elektronikschrott in einer Ausschreibung kombiniert, um eine umweltschonende Verwertung der Geräte sicherzustellen. In der Recyclinganlage, die Eigentum der Stadt Hongkong ist, soll künftig der Großteil des „regulierten“ Elektronikschrotts der Millionenmetropole aufbereitet werden – hauptsächlich Haushaltsgroßgeräte wie Klimageräte, Kühlschränke, Fernseher, Waschmaschinen und Computer.

Dieser Beitrag ist in ChinaContact 03/04-2018 erschienen.

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