Media Markt fährt Russland-Geschäft zurück

Strategische Fehler und wirtschaftliche Flaute sorgen für Verluste bei dem deutschen Elektronikhändler in Russland. Experten sehen einen Verkauf als einzigen Ausweg.

Foto: Русский: Саянская улица, маршрут №133н, Qwerttt123/ Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license/ Wikimedia

Von Maxim Kireev

Die Elektronikkette Media Markt bereitet sich offenbar auf einen Rückzug aus dem verlustreichen Russland-Geschäft vor. Derzeit verhandelt die Muttergesellschaft Ceconomy AG mit der russischen Safmar-Holding über eine Übernahme. Safmar bündelt die Aktiva des Milliardärs Michail Guzerijew, dem neben Aktiva in der Öl- und Kohleförderung auch die größte Elektronikkette des Landes, M.Video, gehört. Im Gegenzug für den Verkauf der russischen Media-Markt-Filialen könnte Ceconomy bis zu 15 Prozent der Anteile an M.Video erhalten. Dabei geht es Branchenkennern zufolge nicht um einen reinen Anteiletausch. Denn während Analysten den Wert des 120 Filialen umfassenden Russland-Geschäfts von Media Markt auf etwa 50 Millionen Euro schätzen, kosten die 15 Prozent M.Video-Anteile derzeit gut 200 Millionen.

M.Video baut Position am Markt aus

Zuletzt konnte M.Video dank der Übernahme des heimischen Konkurrenten Eldorado die Position als Marktführer deutlich ausbauen. Derzeit entfällt laut dem Branchendienst Infoline Analytics gut ein Viertel aller verkauften Haushaltsgeräte und Elektronikartikel auf M.Video. Und der Expansionskurs soll munter weitergehen. Innerhalb der nächsten fünf Jahre will das Unternehmen seine Verkäufe mehr als verdoppeln.

Einbußen im mittleren Preissegment

Im Gegensatz dazu häuften sich die Probleme bei Media Markt in Russland zusehends. Obwohl schon seit zwölf Jahren auf dem Markt vertreten, konnte die deutsche Kette ihren Marktanteil zuletzt nicht über die Drei-Prozent-Marke hieven.

In den vergangenen Jahren machte sich zudem die schlechte Konsumlaune bemerkbar. Nach einem Absatzeinbruch im Krisenjahr 2015 folgte nur eine leichte Erholung. Im Krisenjahr 2015 schrumpfte dagegen der Umsatz laut dem Marktforschungsinstitut um satte 14,4 Prozent. Im letzten Quartal 2017 lag der Umsatz gerade einmal 4,3 Prozent über dem Vorjahresquartal. Zudem setzte Media Markt, anders als seine Konkurrenz, verstärkt auf das mittelpreisige Segment. Doch eben hier waren die Einbußen in der Krise besonders groß.

Strategische Fehltritte

Zu den gesamtwirtschaftlichen Problemen gesellten sich strategische Fehlgriffe. Während die Konkurrenten Eldorado und M.Video auch in der Krise expandierten, schloss Media Markt zunächst einige seiner Filialen. Der Marktanteil der Deutschen schrumpfte von 4,5 auf 3,8 Prozent. 2016 verkündete Media Markt dann den großen Expansionskurs. Unter anderem sollte sich die Anzahl der Filialen, die damals 67 betrug, verdoppeln. Doch längst nicht alle neuen Filialen waren profitabel. So mussten einige Märkte, unter anderem in Kasan, in Petrosawodsk und Tscheljabinsk wieder schließen. Zudem erwies sich eine Vielzahl der Geschäfte als zu groß. Während manche von ihnen bis zu 8.000 Quadratmeter erreichten, schrumpfte die durchschnittliche Filialgröße bei Marktführer M.Video sogar noch von 2.000 auf 1.500 Quadratmeter. Auch die erhoffte Kooperation mit dem ehemaligen Mutterkonzern Metro brachte nicht die erhoffte Wende. Media Markt stattete die Metro-Großmärkte mit eigenen Elektronikabteilungen aus. Doch die Rechnung ging nicht auf, denn die Metro-C&C-Geschäfte lockten kaum Laufkundschaft. „Insgesamt erwirtschaftete Media Markt über die letzten vier Jahre einen Verlust von knapp 170 Millionen Euro“, rechnet Michail Burmistrow vom Branchendienst Infoline Analytics vor. „Unter diesen Umständen ist ein Verkauf der einzige Weg für Ceconomy, um die Verluste zu stoppen.“

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