Sanktionen rütteln Märkte auf

Die US-Sanktionen gegen sieben russische Milliardäre haben einen stärkeren Effekt auf die Märkte als erwartet. Davon betroffen sind unter anderem VW oder der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore. Experten schätzen die Verluste der durch die Sanktionen ausfallenden Neugeschäfte auf mehrere hundert Millionen.

Von Maxim Kireev

Oleg Deripaska ist einer der russischen Milliardäre, die von den jüngsten US-Sanktionen betroffen sind. Foto: Русский: Дерипаска Олег Владимирович, Dzinko/ Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license/ Wikimedia

Man habe die Gefahr wohl unterschätzt, heißt es dieser Tage in vielen Analysten-Abteilungen nicht nur in Russland. Als die USA im Frühjahr eine Liste veröffentlichten mit Personen veröffentlichten, die potenziell mit Sanktionen belegt werden können, wurde sie von vielen Experten belächelt. Schließlich standen fast alle superreichen Unternehmer Russlands drauf. Umso drastischer fällt diesmal auch – fast eine Woche nach der Einführung einer neuen US-Sanktionsrunde gegen Russland – die Reaktion der Märkte aus. Seit Freitag hat nicht nur der russische Aktienindex RTS um zwölf Prozent nachgegeben. Auch der Rubelkurs rauschte in ähnlicher Größenordnung nach unten. „Viele hatten nach der ersten US-Liste im Januar keine harten Sanktionen befürchtet und die Lage unterschätzt“, sagt Andreas Schwabe, Russland-Analyst bei Raiffeisenbank International in Wien. „Neu ist diesmal auch, dass nicht mehr nur zukünftige Geschäfte und neue Papiere, sondern bereits existierende Assets und Exportströme betroffen sind. Damit haben die Sanktionen einen deutlich stärkeren Effekt auf die Märkte, als die bisherigen Maßnahmen.“

Sanktionen gegen Geschäftspartner nicht ausgeschlossen

Betroffen sind insgesamt sieben Milliardäre und zwölf von ihnen kontrollierte Unternehmen. Der wichtigste von ihnen heißt Oleg Deripaska (Rusal), ein Alumium-Tycoon, der auch im Fahrzeugbau und im Agrargeschäft tätig ist. Auch Wiktor Wekselberg, Aktionär der Mischholding Renova und Vorsitzender der Skolkovo Stiftung steht auf der Liste. Einen genauen Grund, weshalb die Sanktionen verhängt worden sind, nennen die US-Behörden nicht. In einer Erklärung heißt es, dass Oligarchen vom russischen Staat profitierten, der wiederum in zahlreiche „schädliche Aktivitäten“ verwickelt sei. US-Bürgern ist es nicht nur verboten, mit den betroffenen Firmen Geschäfte zu machen, sondern auch Anteile an ihnen zu halten. „Zusätzlich könnten auch Sanktionen gegen Nicht-US-Bürger verhängt werden, die wissentlich signifikante Transaktionen für die blockierten Individuen und Organisationen erleichtern“, heißt es aus dem US-Finanzministerium.

Schweizer Maschinenbaukonzern Sulzer verkauft russische Anteile

Das hat nicht nur zu einem Ausverkauf russischer Papiere geführt. So musste Wekselbergs Renova seine Anteile am Schweizer Maschinenbaukonzern Sulzer auf weniger als 50 Prozent reduzieren, um somit Sanktionsrisiken zu minimieren. Rusal wiederum forderte seine Kunden auf, Zahlungen nur noch in Euro vorzunehmen. Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore verzichtete ebenfalls bereits auf einen beschlossenen Aktientausch mit Rusal. Auch der Nutzfahrzeugbauer GAZ, Teil des Imperiums von Oleg Deripaska, montiert Fahrzeuge für Volkswagen und Mercedes in seinem Werk in Nischnij Nowgorod. Volkswagen und GAZ geben bisher keinen Kommentar, doch zumindest Spekulationen über einen möglichen Einstieg von VW bei GAZ, die Ende vergangenen Jahres aufkamen, dürften endgültig vom Tisch sein. Vor allem die Verluste durch ausfallende Neugeschäfte können Hunderte Millionen Euro betragen, heißt es bei der Außenhandelskammer in Moskau. Und auch der zusätzliche bürokratische Aufwand sei ein Hemmschuh.

Hoffen auf Stabilisierung

In Moskau hoffen Beobachter derweil, dass sich zumindest die Märkte stabilisieren. „Die Situation ist weit entfernt von dem was wir beim letzten Rubelsturz 2014 erlebt haben“, erklärt Sergej Romantschuk, Leiter der Abteilung Währungsoperationen der Metallinvestbank. „Das Öl ist stabil, Russland hat einen stabilen Handelsüberschuss, es gibt also wenig Gründe für eine längere Rubelschwäche“, erklärt der Experte.

 

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