Sinkende Löhne gegen den Trend

In Russland sind die Durchschnittslöhne um knapp vier Prozent gestiegen. Die Gehälter von Mitarbeitern in ausländischen Unternehmen sind dagegen um mehr als vier Prozent gesunken.

Laut der offiziellen Statistik waren die Gehälter im vergangenen Jahr inflationsbereinigt um 3,5 Prozent gestiegen. Foto: iStock © jack-sooksan

Von Maxim Kireev

Internationale Konzerne sparen in Russland auch weiterhin an den Arbeitskosten. Das geht aus einer Untersuchung des Dienstleisters Intekomp hervor, der zahlreichen ausländischen Unternehmen in Russland Services im Bereich der Lohnabrechnung und Buchhaltung zur Verfügung stellt. Demnach sind die Löhne im vergangenen Jahr um durchschnittlich 4,4 Prozent gesunken. Für die Erhebung hat Intekomp die real ausgezahlten Gehälter von Kundenunternehmen geprüft. Dazu seien laut Intekomp die Angaben zu fast 35.000 Mitarbeitern auf 400 unterschiedlichen Positionen ausgewertet worden. „Wir haben festgestellt, dass Gehaltserhöhungen vor allem punktuell und zielgerichtet erfolgt sind“, erklärte Jekaterina Owtschinnik, die die Abteilung Personal Russland/GUS bei Interkomp leitet. Gehälter allgemein anzuheben, war vor allem in den 2000er-Jahren gang und gäbe, gehöre aber langsam der Vergangenheit an.

Die größten Rückgänge verzeichneten demnach Mitarbeiter im administrativen Bereich. Hier schrumpften die ausgezahlten Gehälter im vergangenen Jahr um 6,4 Prozent.

Entgegen dem Trend

Damit entwickeln sich die Gehälter bei ausländischen Konzernen in Russland entgegen dem allgemeinen Trend in Russland. Denn die russische Statistikbehörde Rosstat hatte für das vergangene Jahr eine nominelle Lohnsteigerung von 7,3 Prozent gegenüber 2016 gemessen. So betrug der Durchschnittslohn im vergangenen Jahr knapp 40.000 Rubel, was nach dem aktuellen Wechselkurs etwa 560 Euro entspricht. Bereinigt um die Inflationsrate, die im vergangenen Jahr knapp vier Prozent betrug, bleibt noch immer ein reales Lohnplus von etwa 3,5 Prozent. Dabei waren die Lohnausgaben im öffentlichen Sektor gestiegen. In der freien Wirtschaft hatten sich die Gehälter nicht verändert.

Die höchsten Löhne hatten die Statistiker im Öl- und Gassektor gemessen. Hier legten auch die Löhne ausländischer Arbeitnehmer zwischen 8,5 und 9,5 Prozent zu. In den Bereichen der Geologie und Rohstoffförderung, Forschung und Medizin betrug der Durchschnittslohn umgerechnet etwa 1.450 Euro. Die geringsten Löhne dagegen erhielten Produktionsmitarbeiter in der Herstellung von Kleidung und Textilien sowie in der Möbelindustrie. In diesen Wirtschaftsbereichen beträgt das Durchschnittsgehalt zwischen 280 und 300 Euro.

Expats verdienen besser

Etwas besser als der durchschnittliche Angestellte eines in Russland aktiven internationalen Unternehmens schnitten dagegen die Expats ab. Einer Untersuchung der Personalberatung Antal Russia zufolge, bekamen im vergangenen Jahr fast 40 Prozent der ausländischen Angestellten eine Gehaltserhöhung. Nur acht Prozent der befragten Arbeitnehmer meldeten dagegen eine Kürzung ihres Lohns. Ein Teil der Lohnkürzungen könnte auch laut Experten mit der Bindung der Gehälter an eine ausländische Währung, etwa den Euro oder US-Dollar, verbunden sein. Laut Antal Russia hätten unter Expatriates 48 Prozent der Angestellten ihr Gehalt ganz oder zum Teil in Abhängigkeit vom Wechselkurs ausgezahlt bekommen. Vor zwei Jahren galt dies noch für gut ein Drittel der Mitarbeiter. So ist zwischen 2016 und 2017 der durchschnittliche Kurs der russischen Landeswährung auf ein Jahr berechnet von 74 Rubel auf 65 Rubel für einen Euro gestiegen. Ähnlich stieg der Rubel auch zum US-Dollar. Rechnerisch kann sich allein deswegen bereits ein Gehaltsminus ergeben.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here