Deutsche Maschinenbauer lokalisieren ihre Produktion

Der Maschinenbau in Russland bleibt auf Modernisierungskurs. Die Digitalisierung und die Einführung von Industrie-4.0-Lösungen sollen die Entwicklung des heimischen Maschinenbaus voranbringen. Im Rahmen der Politik der Importsubstitution erhalten russische Hersteller staatliche Hilfen, um ihren Ausstoß zu steigern.

Die Produktion im russischen Maschinenbau dürfte auch 2018 solide wachsen. Foto: iStock © Vadim_Orlov

Deutsche Maschinenbauer lokalisieren ihre Produktion und eröffnen neue Werke. Doch mittelfristig bleibt Russland auf Importe von Maschinen angewiesen. Die Produktion im russischen Maschinenbau dürfte auch 2018 solide wachsen. Dabei entwickeln sich einzelne Segmente unterschiedlich dynamisch. Während die Produktion von Landtechnik 2017 ordentlich zulegte, konnten Hersteller von Baumaschinen, Nahrungsmittelverarbeitungs- und Werkzeugmaschinen nur geringe Zuwächse verzeichnen. Abhilfe schaffen sollen staatliche Programme zur Entwicklung bestimmter Produktgruppen. So erhalten Hersteller von Landtechnik, Nahrungsmittelverarbeitungs- und Baumaschinen sowie Werkzeugmaschinen Subventionen und Absatzhilfen, wie zum Beispiel die Erstattung von Geldbeträgen, die Kunden als Rabatt auf den Kaufpreis erhalten.

Produktion von Landtechnik steigt

Der Boom in der russischen Landwirtschaft lässt bei Herstellern von Landmaschinen die Kassen klingeln. Im Jahr 2017 ist die Produktion von Landtechnik in Russland um 21 Prozent auf etwa 1,6 Milliarden Euro gestiegen. Im Rahmen der Strategie zur Entwicklung der Landtechnik bis 2030 erhalten einheimische Hersteller von Agrarausrüstung finanzielle Unterstützung, wenn sie ihren Kunden 15 bis 20 Prozent Rabatt auf den Kaufpreis gewähren. Für das Programm zur Vergabe von günstigen Krediten zur Anschaffung von Landmaschinen stehen 2018 etwa 225 Millionen Euro zur Verfügung.

Das mit etwa acht Jahren hohe Durchschnittsalter von Baumaschinen ist ein Treiber für Neuanschaffungen. Da der Bedarf vorrangig durch Importe gedeckt wird, belegt die Regierung diese seit 2016 mit einer Abwrackgebühr. Einheimische Hersteller müssen diese ebenfalls bezahlen, bekommen sie aber in Form von Zuschüssen rückerstattet. Daneben erhalten russische Produzenten Subventionen, zum Beispiel auf die Beschaffung von Rohstoffen und Energie oder Lohnzuschüsse. Dafür stehen 2018 etwa 20 Millionen Euro zur Verfügung.

Produzenten erhalten Subventionen

Die Regierung unterstützt Hersteller von Lebensmittelverarbeitungsmaschinen. Der Marktanteil der in Russland gefertigten Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen soll sich bis 2030 auf 62 Prozent mehr als verdoppeln. Russische Produzenten erhalten Subventionen von 15 Prozent des Warenwertes, wenn sie ihren Kunden entsprechende Rabatte auf den Kaufpreis gewähren. Das Industrieministerium hat bereits ein Verzeichnis von Unternehmen, die potenziell Fördermittel erhalten könnten, erstellt:

Mit der Strategie zur Entwicklung des Werkzeugmaschinenbaus bis 2030 plant die Regierung, den Marktanteil russischer Produzenten auf etwa 1,8 Milliarden Euro zu steigern. Vor allem die Herstellung von Bauteilen wird gefördert. Für Forschung und Entwicklung heimischer Anlagen stehen 65,3 Milliarden Rubel (etwa 990 Millionen Euro) an Fördermitteln zur Verfügung. Mittelfristiges Ziel ist es, die mit etwa 90 Prozent sehr hohe Importquote von Werkzeugmaschinen abzusenken.

Maschineneinfuhren steigen trotz Importsubstitution

Allen Bemühungen um die Lokalisierung der Produktion zum Trotz bleiben Einfuhren von Maschinen nach Russland kurz- bis mittelfristig notwendig. Im Jahr 2017 stiegen die Importe um knapp 30 Prozent auf etwa 97,6 Milliarden Euro. Die deutschen Maschinenausfuhren nach Russland legten nach Angaben des Verbands der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) um 22,5 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro zu. Zweistellige Zuwächse verzeichneten die Lieferungen von Pumpen und Nahrungsmittelmaschinen. Die Exporte von Druck- und Papiertechnik stiegen um 32,7 Prozent, die von Bergbaumaschinen gar um 33,9 Prozent.

Deutsche Maschinenbauer lokalisieren ihre Produktion

Ausländische Maschinenbauer stehen angesichts der Politik der Importsubstitution der russischen Regierung vor der Entscheidung, eine lokale Produktion aufzubauen. In Uljanowsk investierte der deutsch-japanische Werkzeugmaschinenbauer DMG Mori im Rahmen eines Sonderinvestitionsvertrags 70 Millionen Euro in die Produktion von 5-Achs-Bearbeitungszentren der Baureihe Ecoline. Außerdem entsteht ein Zentrum für Engineering. Der deutsch-chinesische Roboterhersteller KUKA liefert etwa 100 Industrieroboter an den Nutzfahrzeughersteller KAMAZ. Im Dezember 2017 eröffnete KUKA ein lokales Büro in Moskau. Der Werkzeugmaschinenbauer Paul Horn aus Tübingen hat im März 2018 eine eigene Niederlassung in Moskau gegründet.

Der Chemnitzer Werkzeugmaschinenbauer Niles-Simmons-Hegenscheidt (NSH Group) errichtet im Moskauer Gebiet eine Produktion von Fräsmaschinen. Einen Sonderinvestitionsvertrag zum Ausbau der Produktion von Pumpen im Gebiet Moskau unterzeichnete im Oktober 2017 der Dortmunder Pumpenhersteller Wilo. Die Baltijskaja Promyschlennaja Kompanija und die Firma Hugo Reckerth gründeten ebenfalls im Oktober 2017 in St. Petersburg das Gemeinschaftsunternehmen Reckerth-BPK zur Produktion von Spindeln mit Riemenantrieb und Elektrospindeln.

Digitalisierung und Industrie 4.0 halten Einzug in den Maschinenbau

Mit Hilfe der Digitalisierung möchten russische Maschinenbauer ihren technologischen Rückstand aufholen und ihre Produkte konkurrenzfähiger machen. Das erste Zentrum für digitalen Maschinenbau entsteht in der Region Tambow. Die Tambower Staatliche Technische Universität (TGTU) hat gemeinsam mit den deutschen Unternehmen Siemens und DMG Mori das erste Zentrum für digitalen Maschinenbau gegründet. Studenten und Mitarbeiter von Maschinen- und Anlagenbauern werden dort an den Geräten der beiden Unternehmen ausgebildet. Russlandweit sollen 15 dieser Zentren entstehen.

Siemens erarbeitet für Kamaz Lösungen zum Aufbau einer Smart Factory und zur Automatisierung der Produktion von Elektro-Lkw und -Bussen sowie von gasbetriebenen Fahrzeugen. Zudem hat Siemens mit dem Tscheljabinsker Rohrwalzwerk eine Vereinbarung zur Automatisierung der Produktion, Einführung energieeffizienter Lösungen und Überwachung der Industrieabfälle für fünf Jahre geschlossen. Der Münchner Technologiekonzern rüstet zudem das Forschungszentrum des russischen Werkzeugmaschinenbauer DMTG Rus mit Steuerungstechnik für Dreh- und Fräsmaschinen aus, an denen die Mitarbeiter ihr Handwerk erlernen können.

Die Staatsholding Rostech koordiniert federführend die Umrüstung von Maschinenbaubetrieben auf Industrie 4.0-Lösungen. Gemeinsam mit dem Skolkowo-Fonds führt Rostech das digitale System „Dispatcher“ in russischen Fabriken ein. Die IoT-Lösung der russischen Firma Zifra (gehört zu Renova) gewährleistet die Analyse von großen Datenmengen (Big Data) und kommt bereits in etwa 2.000 Maschinen in 70 Betrieben zum Einsatz, darunter bei ODK-Awiadwigatel und Reduktor-PM.

Quelle: Germany Trade & Invest, Moskau / Hans-Jürgen Wittmann