100 Fragen & Antworten zum Iran-Geschäft: Außenhandel

In der aktuellen Ausgabe IranContact hat der OWC-Verlag alle wichtigen Fragen und Antworten zum Business im Iran zusammengetragen, unter anderem zur Entwicklung des Außenhandels.

von Patrick Bessler

Irans Ausfuhren werden nach wie vor dominiert vom Rohölexport und von Produkten mit niedriger Wertschöpfung. Foto: iStock © joyt

Wie entwickeln sich Irans Exporte?

Irans Ausfuhren werden nach wie vor dominiert vom Rohölexport und von Produkten mit niedriger Wertschöpfung. Die Ausfuhren von Waren aus dem Nicht-Öl-Sektor waren in den ersten zehn Monaten des Fiskaljahres 2017/18 um 2,4 Prozent gesunken und betrugen 35,6 Milliarden US-Dollar. GTAI verweist darauf, dass diese unter anderem auch Ölkondensate beinhalten, die derzeit mit fast 16 Prozent „die wichtigste Einzelposition bei den Nicht-Öl-Ausfuhren“ sind. Weitere wichtige Einzelposten sind Erdgaskondensate, Propan, Leichtöle, Methanol und Polyethylen. Der Anteil petrochemischer Erzeugnisse fiel von 32 auf 30 Prozent. Rückläufig ist auch der Export von Eisen- und Stahlprodukten, vor allem aufgrund von Strafzöllen durch die EU. Nachdem die EU-Importe zwischen 2013 und 2016 von 0,2 Millionen Tonnen auf 1,2 Millionen Tonnen gestiegen waren, dämpfte ein 2016 eingeleitetes Anti-Dumping-Verfahren die europäische Abnahme. 2017 lagen die Importe bei rund 0,5 Millionen Tonnen.

Welches sind die wichtigsten Exportziele?

Mit rund 60 Prozent geht der größte Teil der Nicht-Öl-Exporte nach China. Im vergangenen Jahr stiegen die Exporte um elf Prozent auf 7,4 Milliarden US-Dollar. Weitere wichtige Abnehmerländer sind der Irak mit Exporten in Höhe von 4,8 Milliarden US-Dollar, die Vereinigten Arabischen Emirate mit 4,5 Milliarden, Südkorea mit 3,1 Milliarden und Afghanistan mit 2,4 Milliarden US-Dollar. Die deutschen Einfuhren beliefen sich 2017 auf rund 356 Millionen US-Dollar.

Teheran will die Ausfuhren diversifizieren. Welches sind die vielversprechendsten Industrien dafür?

Hoffnung setzt der Iran vor allem auf die wachsende Automobilproduktion. 2016 wurden im Land zirka 1,3 Millionen Kfz produziert. 2017 waren es schätzungsweise 1,5 Millionen. Bis 2025 sollen es drei Millionen Autos sein, wenn es nach dem Willen Teherans geht. 30 Prozent davon sollen exportiert werden. Gegenwärtig machen die Kfz-Exporte mit rund 217 Millionen US-Dollar jedoch nur einen geringen Anteil am Außenhandel aus. Positive Ergebnisse sind auch im Agrar- und Lebensmittelsektor zu verzeichnen. Die Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie verbuchten zusammen Exporte in Höhe von 6,1 Milliarden US-Dollar. Dazu gehören auch zunehmende Weizenexporte: Nachdem Iran 2016 zum ersten Mal die Selbstversorgung mit Getreide sicherstellen konnte, lieferte das Land Produktionsüberschüsse unter anderem nach Armenien, Afghanistan, in die Türkei, nach Deutschland und nun auch nach Indonesien, einem der größten Weizenimporteure weltweit.

Wie sieht es mit den iranischen Importen aus?

Die Importe, ausgenommen Rohölprodukte, stiegen in den ersten zehn Monaten des vergangenen Fiskaljahres um 18,3 Prozent auf 37,6 Milliarden US-Dollar. Somit hat das Land derzeit ein steigendes Außenhandelsdefizit zu beklagen. Zu den wichtigsten Einfuhren gehören Kfz-Teile, Mais, Reis, Sojabohnen und Kfz.

Welche Länder exportieren am meisten nach Iran?

Irans wichtigster Handelspartner China liefert mit Waren und Dienstleistungen im Wert von 9,5 Milliarden US-Dollar auch am meisten in das Land. Weitere wichtige Exportländer sind die VAE mit 6,7 Milliarden US-Dollar, Deutschland mit knapp drei Milliarden sowie die Türkei und Südkorea mit je rund 2,6 Milliarden US-Dollar. Die Regierung hat vor Kurzem die Importverfahren angepasst, auch mit dem Ziel, Importe aus dem Ausland zu senken. So wurde laut der staatlichen iranischen „Organisation zur Förderung des Handels“ (Trade Promotion Organization of Iran) für bestimmte Waren, die „besonderer Expertenberatung bedürfen“ die Zeit verkürzt, in der tagsüber neue Einfuhren registriert werden können. Zudem sollen registrierte Order zukünftig nur noch für drei, anstatt wie bisher für sechs Monate, gültig sein.

Iran hat zudem vor Kurzem angekündigt, keine Importe in US-Dollar mehr zuzulassen. Warum?

Der Schritt war bereits länger geplant. Vor dem Hintergrund der hohen Fluktuation des Dollars am Markt hat die Iranische Zentralbank Medienberichten zufolge nun den Druck erhöht, die Maßnahme jetzt durchzusetzen. Infolgedessen dürfen iranische Importeure keine Einfuhren mehr in Dollar registrieren.

Dieser Beitrag ist in IranContact 01-2018 erschienen.