Ost-Ausschuss und Osteuropaverein verschmelzen

Osthandel größer „als Handel mit China und USA zusammen“. Neuer Verband will effizienter sein und gegenüber Politik und Ausland stärker und einheitlich auftreten.

In Berlin verkündeten der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (OA) und der Osteuropaverein der deutschen Wirtschaft (OEV) ihre Fusion. Foto: Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

In Berlin verkündeten der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (OA) und der Osteuropaverein der deutschen Wirtschaft (OEV) ihre Fusion. Nach einjähriger Vorbereitungszeit stimmten die Mitglieder beider Organisationen am 23. März einstimmig für die Verschmelzung zum „Ost-Ausschuss – Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft e.V.“ (OAOEV).

Damit wollen sie die zuvor bestehende Konkurrenzsituation beenden, Effizienz erhöhen und ihre Schlagkraft gegenüber der Politik in Berlin und Brüssel stärken. Der neue Verband hat rund 400 Mitglieder und betreut insgesamt 29 Länder aus Osteuropa und Zentralasien. „Der heutige Schritt ist historisch“, sagte der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Wolfgang Büchele.

Der Osteuropaverein war nach dem Mauerfall als Initiative von Unternehmen im Ost-Geschäft gegründet worden und vertritt eher mittelständische Unternehmen. Im Ost-Ausschuss, dem ältesten Regionalverband der deutschen Außenwirtschaft, dominiert hingegen die Großindustrie. In Zukunft will der neue Verband beide Seiten unter ein Dach bringen.

Mehr Schlagkraft gegenüber Politik

Mit dem Zusammenschluss will man auch im Ausland eindeutiger auftreten – bei ausländischen Institutionen und Unternehmen sorgt die Vielfalt deutscher Ministerien, Behörden, Verbände und Institutionen in der Außenwirtschaft regelmäßig für Verwirrung.

Dass die Fusion für beide Organisationen Kompromisse bedeutet, sei natürlich, meinten beide Verbandsvorsitzenden. Das zeige sich schon am neuen Namen Ost-Ausschuss – Osteuropaverein, der noch etwas holprig über die Lippen geht, gestand der OEV-Vorsitzende C. L. Theodor Wuppermann ein.

Keine Abstriche wolle man beim Angebot an die Mitglieder machen: Es werde zukünftig mehr Informationen, Veranstaltungen und Beteiligungsmöglichkeiten geben.

Neu ist auch, dass der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) dem OAOEV als Trägerverband beitreten wird. Damit kann die Organisation alle wichtigen Dachverbände der deutschen Außenwirtschaft hinter sich vereinen: den Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), den Bundesverband deutscher Banken, den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sowie die Außenhandelsvereinigung des Deutschen Einzelhandels und den Zentralverband des Deutschen Handwerks.

OAOEV-Länder wichtiger als China und USA

Die 29 osteuropäischen und zentralasiatischen Länder, die der OAOEV betreut, sind für den deutschen Außenhandel wichtiger als China und die USA zusammen, rechnete der OA-Vorsitzende Büchele vor. Die Im- und Exporte mit den 29 Ländern belaufen sich auf rund 426 Milliarden Euro. Die USA und China machen zusammen zirka 360 Milliarden Euro aus. Hinzu komme das große Entwicklungspotenzial in der Region.

Damit sich die Handelsbeziehungen zu den Ländern auch in Zukunft gut entwickeln, „brauchen wir Dialog und politische Entspannung“, so Büchele, der damit nicht nur auf die gespannten Beziehungen zu Russland anspielte. „In Zeiten des Protektionismus müssen wir uns Gehör verschaffen“, erklärte Büchele zudem einen weiteren Gedanken hinter der Fusion. Dazu gehört auch, für die Idee eines „gemeinsamen Wirtschaftsraumes zwischen Lissabon und Wladiwostok“ zu werben.

Was bringt die neue Regierung?

Von der neuen Bundesregierung erhoffe man sich, so Büchele, dass Berlin auch auf europäischer Ebene im Sinne dieses gemeinsamen Wirtschaftsraumes einwirke – so, wie dies ja auch im Koalitionsvertrag stehe. Zudem hoffe man, dass der neue Außenminister in die Tradition seiner beiden Vorgänger im Amt, Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier, tritt. Beide hatten in Osteuropa und Russland den Dialog gesucht. Der amtierende Außenminister Heiko Maas hatte in seinen ersten öffentlichen Auftritten allerdings einen anderen Ton angeschlagen und insbesondere mit Blick auf Russland angemahnt, dass sich seine Politik an Rechtstaatlichkeit und demokratischen Werten orientieren werde.

Mit der Eintragung des neuen Verbands in das Vereinsregister wird für Mai 2018 gerechnet. Neuer Vorsitzender des gemeinsamen Verbands wird Wolfgang Büchele, seine Stellvertreter sind C. L. Theodor Wuppermann und Klaus Schäfer. Vorsitzender der Geschäftsführung wird der bisherige Geschäftsführer des Ost-Ausschusses Michael Harms. Zugleich wird die bisherige Geschäftsführerin des Osteuropavereins Ute Kochlowski-Kadjaia ebenfalls Geschäftsführerin des neuen Verbands. Beide Berliner Geschäftsstellen der Verbände werden in den Räumen der Ost-Ausschuss-Geschäftsstelle in Berlin zusammengeführt. Der gemeinsame Verband unterhält zudem am alten Hauptsitz des Osteuropavereins in Hamburg eine Repäsentanz.