Mehr Geld für Agrarsubventionen

Russland will seine Landwirte mit mehr Geld unterstützen. Auch ausländische Landtechnikhersteller könnten davon profitieren. Nach wie vor ist das Land von Importen für Maschinen und Ausrüstungen für die Lebensmittelproduktion abhängig. 

Von Maxim Kireev

Die russiche Regierung verspricht mehr Fördergelder für die Entwicklung der Agrarindustrie. Foto: © Kremlin.ru

Weizen statt Waffen. Schon jetzt sei der Export von Nahrungsmitteln wichtiger als der von Kriegsgeräten, schwärmte Russlands Präsident Wladimir Putin Anfang der Woche beim Forum der Agrarindustrie im südrussischen Krasnodar. Tatsächlich lieferten russische Bauern im vergangenen Jahr Weizen, Öl, Zucker und andere Agrarprodukte im Wert von gut 16 Milliarden Euro. Das ist etwa ein Drittel mehr als Russland an Rüstungsexporten erzielt hat, ein traditionell wichtiger Wirtschaftszweig des Landes.

Mehr Lebensmittel exportieren statt importieren

Und wenn es nach dem Willen der Regierung geht, dann soll der Agrarsektor weiter wachsen. Schon in vier Jahren, so das offizielle Ziel, soll das Land mehr Nahrungsmittel exportieren als importiert werden. Bisher geben Russlands Lebensmittelimporteure fast fünf Milliarden Euro mehr für ausländische Lebensmittel aus, als der Export eigener Nahrungsmittel im Auslandsgeschäft einbringt. Für dieses Ziel ist der Kreml bereit, tiefer in die Taschen zu greifen.

Fast zehn Prozent mehr Fördergelder hat die Regierung im laufenden Jahr nun versprochen. Bisher sah der Haushalt Subventionen von gut drei Milliarden Euro vor. Diese Mittel sollen vor allem der Finanzierung von Investitionsprojekten, aber auch der Erneuerung des agrartechnischen Fuhrparks dienen. Letztere Maßnahme verlaufe derzeit viel zu langsam, kritisierte Vize-Premierminister Arkadij Dworkowitsch.

Mit den zusätzlichen Mitteln hofft die Regierung auf einen Agrarboom. Zwar wuchs der Sektor 2017 mit 2,4 Prozent  fast doppelt so schnell wie die Gesamtwirtschaft. Doch ein Jahr zuvor war das Wachstum laut Rosstat mit 4,8 Prozent noch doppelt so stark. Dies war eine Folge des Einfuhrstopps für eine ganze Reihe von westlichen Lebensmitteln, der 2014 als Antwort auf die Russland-Sanktionen der EU in Kraft trat. Mit der wachsenden Produktion kann die mangelnde Export-Infrastruktur kaum schritthalten. Auch hat eine lahmende Nachfrage im Inland in vielen Bereichen für sinkende Preise gesorgt.

Russland ist von Einfuhren abhängig

Die neuen Maßnahmen bieten auch Chancen für ausländische Hersteller. So sind die Einfuhren von deutscher Landtechnik nach Angaben der russischen Zollbehörde in Höhe von 335 Millionen Euro im Jahr 2015 auf über 500 Millionen Euro im vergangenen Jahr gestiegen. Viele Förderprogramme, etwa der Kaufzuschuss für Mähdrescher und Traktoren, beschränken sich auf einheimische Modelle. Doch die russische Landmaschinenindustrie kann längst nicht alle Bereiche abdecken. So liefen beim größten russischen Traktorenhersteller PTZ in St. Petersburg im vergangenen Jahr gerade einmal gut 2.000 Maschinen vom Band. Vor allem bei Traktoren, aber auch im Bereich der Fleisch- und Milchproduktion ist Russland nach wie vor im großen Stil von Einfuhren abhängig.

Zudem haben sich einige ausländische Hersteller dazu entschlossen, ihren Produktionsstandort nach Russland zu verlagern, um von der staatlichen Förderung im Rahmen des Sonderinvestitionsvertrages zu profitieren. Als einer der ersten Großinvestoren baute der Mähdrescher-Hersteller CLAAS eine Fabrik für 150 Millionen Euro in Südrussland. Auch der Landmaschinenhersteller Horsch erweiterte jüngst seine Produktion in Russland. Ohne ausländische Technik, so sind sich Branchenkenner sicher, wird der vom Kreml erwünschte Aufstieg des Landes zur Agrarsupermacht kaum machbar sein.

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