Chinas Freihandelszonen

Derzeit gibt es elf Freihandelszonen in China. Sieben geplante wurden im August 2016 angekündigt. Jede Freihandelszone hat einen Branchenfokus und entsprechende Anreize, um Investitionen anzuziehen.

Quelle: www.dezshira.com / Eigene Darstellung

Die im Jahr 2013 eingeweihte Pilot-Freihandelszone in Shanghai war die erste in China. Sie fungierte als Testfeld für Innovation und zog ausländische Investitionen durch Lockerungen gesetzlicher Einschränkungen an. Mit der Gründung der Zone wurden vier Ziele verfolgt:

  • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit bestimmter Branchen
  • Übergang zu einem marktfreundlicheren regulatorischen Umfeld
  • Internationalisierung des Yuans
  • Erprobung neuer Reformstrategien

Mit der Shanghaier Freihandelszone wurden die Grundlagen dafür geschaffen, landesweit Regelungen zur Vereinfachung ausländischer Investitionen einzuführen sowie Genehmigungs- und Antragsverfahren für die Unternehmensgründung zu verschlanken. 2015 gab die Regierung die Gründung von drei weiteren Freihandelszonen bekannt: in Fujian, Guangdong und Tianjin. Jeder einzelnen Freihandelszone wurde eine strategische Positionierung zugewiesen: Fujian unterstützt den Handel mit Taiwan, Guangdong die wirtschaftliche Integration mit Hongkong und Macao und Tianjin die Entwicklung in der nordöstlichen Region. Außerdem sollten in Tianjin Offshore-Finanzmärkte entwickelt werden. 2016 wurde dann die Gründung von sieben weiteren Freihandelszonen beschlossen, die einerseits der wirtschaftlichen Entwicklung im Binnenland neuen Schwung verleihen sollen, andererseits als Teil der Initiative zur Entwicklung der Seidenstraße, „One Belt, One Road“, gesehen werden. Die Freihandelszonen befinden sich in Chongqing, Liaoning, Henan, Hubei, Shaanxi, Sichuan und Zhejiang.

Steuervergünstigungen

In folgenden Freihandelszonen wird Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen ein reduzierter Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent gewährt: Hengqing, Guangdong, Qian­hai, Shenzhen-Hongkong, Guangdong, Pingtan, Fujian. Ferner werden andere Formen von Steuervorteilen getestet. So kann ein in der Pilot-Freihandelszone Shanghai registriertes Unternehmen seine Körperschaftsteuer über einen Zeitraum von fünf Jahren in Raten zahlen, wenn sich der Wert seiner Beteiligung an einer Portfolio-Gesellschaft aufgrund einer nicht zahlungswirksamen Restrukturierung erhöht. Darüber hinaus erlauben die meisten Freihandelszonen – sofern nicht anders angegeben – die zollfreie Einfuhr von Maschinen und anderen Geräten für den Eigenbedarf des Unternehmens.

Quelle: www.dezshira.com / Eigene Darstellung

Zoll

Das Zollabfertigungsverfahren ist innerhalb der Freihandelszonen vereinfacht, insbesondere in Bezug auf die Zollerklärungen und Zahlungen. Zum Beispiel können Firmen mehrere Arten von Waren auf einem einzigen Formular deklarieren und eine gemeinsame Erklärung für Importe und Exporte von Waren abgeben. Dies reduziert die Kosten und erhöht die Flexibilität bei der Anmeldung. Darüber hinaus kann das Unternehmen eine einmalige Pauschalzahlung für bereits eingeführte Waren innerhalb einer bestimmten Frist entrichten, wenn es angemessene Garantien geleistet hat. In der Pilotfreihandelszone Shanghai kann die Grenzabfertigung monatlich oder vierteljährlich mit allen Frachtbriefen erfolgen. Waren, die in die Freihandelszone importiert werden, können direkt an das Lager geschickt werden, ohne zuvor durch den Zoll zu müssen.

Internationales Handelszentrum

Aufgrund der Anzahl der Unternehmen, die sich bereits in der Freihandelszone befinden, und der bestehenden Infrastruktur entstehen Vorteile für die Lieferkette. In Shanghai können beispielsweise Waren in die Freihandelszone geliefert und in einem Lagerhaus ohne Zollgebühren gelagert werden. Die Zollsteuer wird nur fällig, wenn die Ware ins Inland versendet wird. Werden die Waren international versandt, unterliegen sie keiner Steuer- oder Zollabfertigung. Im Plan für die umfassende Vertiefung der Reform und Öffnung der Pilot-Freihandelszonen, der am 31. März 2017 vom Staatsrat veröffentlicht wurde, kündigte die Regierung die Schaffung eines One-Stop-Systems für den Waren- und Dienstleistungshandel an. Entsprechend soll es nur noch eine Administrationsstelle für die Zollabfertigung und Dokumentation geben.

Branchenspezifische Liberalisierungen

In den Freihandelszonen wurden für eine Reihe von Branchen Liberalisierungsmaßnahmen ergriffen. Zum Beispiel dürfen in Freihandelszonen ansässige Logistikunternehmen bis zu 51 Prozent in internationale oder inländische Schifffahrtsagenturen investieren. Darüber hinaus ist ausländischen Schiffen in der Shanghai Freihandelszone ein Transshipment in andere inländische Häfen erlaubt. Bisher war der Transport zwischen inländischen Häfen ausschließlich chinesischen Reedereien erlaubt. Neu ist auch, dass Inhaber von gesetzlichen Schutzrechten für medizinische Geräte OEM-Hersteller in Shanghai mit der Produktion der Geräte beauftragen können. Zuvor mussten Eigentümer und Hersteller identisch sein.

DEZAN SHIRA & ASSOCIATES
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Dieser Beitrag ist in ChinaContact 12-2017 erschienen.