Russlands Städte werden intelligenter

Russland will in den nächsten zehn Jahren zu den führenden IT-Nationen aufschließen. Im Dezember 2016 hat Präsident Wladimir Putin hierfür eine nationale Digitalisierungsstrategie gestartet. Ein wichtiger Baustein ist die Entwicklung von Smart Cities.

Kameras zeichnen Verkehrsdaten in Moskau auf. Foto: iStock @ wastesoul

Die Metropolen Moskau und Sankt Petersburg haben es bereits unter die 100 „schlauesten Städte“ der Welt geschafft. Bis 2024 soll die Infrastruktur von insgesamt 50 Städten mit Milliardeninvestitionen digitalisiert werden.

Digitale Lösungen für die Stadt von morgen: Die Smart City ist eines der Trendthemen weltweit. In Russland wird das Konzept der schlauen Stadt auch auf höchster politischer Ebene vorangetrieben. Im Rahmen der „Nationalen Strategie Digitale Wirtschaft“, die Präsident Wladimir Putin Ende 2016 verabschiedet hat, werden 50 russische Großstädte mit insgesamt 50 Millionen Bewohnern zu schlauen Städten entwickelt. Zunächst sollen erste Pilotregionen identifiziert und eine Roadmap zur Implementierung von Smart-City-Vorhaben erstellt werden, so die Vorgaben der Politik.

Start des 5G-Mobilfunknetzes

Zu diesem Zweck unterzeichneten im Oktober 2017 das Ministerium für Telekommunikation, die beiden Staatsunternehmen Rostelecom und Rosatom sowie die Staatliche Universität für Informationstechnologien, Mechanik und Optik Sankt Petersburg (ITMO) und die Staatliche Universität Moskau (MGU) ein Memorandum zur Gründung des Konsortiums „Umnyi Gorod“. Das Konsortium soll Projekte identifizieren und vorantreiben, die mithilfe digitaler Technologien die öffentliche Verwaltung, den städtischen Transport sowie Wirtschaft, Bildung und Soziales effizienter gestalten.

Doch zunächst muss in den russischen Städten die Telekommunikationsinfrastruktur fit gemacht werden. Bis zum Jahr 2020 soll das Mobilfunknetz der fünften Generation (5G) in Städten mit mehr als einer Million und bis 2025 in allen Ortschaften mit mehr als 1.000 Einwohnern Standard sein. In den Stadtzentren der russischen Metropolen ist zudem die Einrichtung von mindestens 60 drahtlosen Internetzugangspunkten pro Quadratkilometer geplant. Diese dienen nicht nur der Sammlung von Daten für Smart-City-Lösungen, sondern auch als direkte Kommunikationsmöglichkeit mit den Nutzern der städtischen Infrastruktur – also den Bürgern und Unternehmen.

Vorreiter beim Thema Smart City ist die russische Hauptstadt. Bereits 2011 hatte Moskaus Regierung Investitionen in Höhe von elf Milliarden Euro für die Digitalisierung der städtischen Infrastruktur genehmigt. Inzwischen steht in 99 Prozent des Stadtgebiets das 4G-Mobilfunknetz mit einer Datenübertragungsgeschwindigkeit von mindestens 20 Megabit pro Sekunde zur Verfügung.

Einer Studie von Smart Cities World zufolge können die Moskauer auf mehr als 200 städtische Dienstleistungen elektronisch zugreifen. Im Jahr 2016 wurden über 350 Millionen Anliegen der Bürger auf diesem Weg bearbeitet. Die russische Hauptstadt lässt sich diesen Service einiges kosten. Das jährliche IT-Budget Moskaus beträgt rund 500 Millionen Euro – und ist damit etwa doppelt so hoch wie das von Berlin, so die Berechnungen von Smart Cities World.

Investition in intelligente Verkehrssysteme

Die Entwicklung eines intelligenten Verkehrssystems ist in Moskau ebenfalls weit vorangeschritten. Seit 2012 werden mithilfe von mittlerweile 146.000 Kameras Daten zum aktuellen Verkehrsgeschehen gesammelt, ausgewertet und dann zur Steuerung des Verkehrsflusses genutzt. Laut Stadtverwaltung hat sich dadurch die durchschnittliche Verkehrsgeschwindigkeit in Moskau zwischen 2012 und 2016 um zwölf Prozent erhöht. Damit kann Moskau auch im internationalen Vergleich punkten. Im Smart Cities Index 2017 von EasyPark belegt die Stadt in der Kategorie Autoverkehr Rang 18 und beim öffentlichen Nahverkehr sogar Rang neun von 100 Metropolen.

Die russische Hauptstadt will die digitale Vernetzung des Verkehrs in den kommenden Jahren auf eine neue Stufe heben. Autonome Fahrzeuge sollen dabei helfen, den Verkehrsfluss weiter zu verbessern. Der IT-Konzern Yandex arbeitet derzeit an einem Prototypen eines selbstfahrenden Pkw, der 2018 auf Moskaus Straßen getestet werden soll. Ein wichtiger Akteur in diesem Bereich ist die Moskauer Softwareschmiede Cognitive Technologies, die seit 2016 Steuerungsprogramm für autonome Fahrzeuge entwickelt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Smart-City-Strategie ist die Energieversorgung. Bereits heute können sich die Einwohner Moskaus ihren individuellen Energieverbrauch mithilfe einer Smartphone-Applikation in Echtzeit anzeigen lassen. Als nächstes ist die flächendeckende Installation von intelligenten Stromzählern geplant. Derzeit sind zwar erst 3.500 öffentliche Gebäude vernetzt, doch bis 2020 sollen alle vier Millionen Haushalte mit Smart Metern ausgerüstet werden.

St. Petersburg führt Smartcard für kommunale Dienste ein

Russlands zweitgrößte Stadt will in die Fußstapfen Moskaus treten. Mit der Initiative „Smart St. Petersburg“ möchte die Millionenmetropole an der Newa ihre Infrastruktur für das 21. Jahrhundert fit machen. Auch hier stehen in den kommenden Jahren umfangreiche Investitionen in die Telekommunikationsinfrastruktur und die Digitalisierung der kommunalen Dienste an. Mit der geplanten Citizen-Card können die Sankt Petersburger künftig eine Vielzahl von öffentlichen Dienstleistungen aus den Bereichen Transport, Gesundheit und Soziales in Anspruch nehmen.

Unter dem Motto „Safe City St. Peterburg“ wird derzeit eine zentralisierte digitale Sicherheitsarchitektur, die sämtliche Rettungsdienste, öffentliche Einrichtungen, kommunale Versorger und Verkehrsbetreiber koordiniert, aufgebaut. Durch die Installation und Vernetzung von zusätzlichen Überwachungskameras – zurzeit sind etwa 19.000 im Einsatz – sollen die Effizienz des Autoverkehrs erhöht und die Sicherheit auf den Straßen verbessert werden. Um dieses Datenvolumen bewältigen zu können, werden in den nächsten Jahren rund 2.000 Kilometer Glasfaserleitung verlegt.

Quelle: Germany Trade & Invest, Autor: Boris Alex

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