Russischer Markt für Verpackungsmaschinen auf Wachstumskurs

Der Bedarf an Maschinen zum Verpacken und Abfüllen von Lebensmitteln wächst. Die Konsumausgaben steigen und der Einzelhandelsumsatz legt zu. Wichtige Abnehmerbranchen wie die Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie expandieren – auch dank staatlicher Unterstützung.

Russland hatte 2015 die Gesetzgebung für Recycling und Verpackungen verschärft: Produzenten und Importeure müssen sich selbst um Recycling und Entsorgung ihrer Verpackungen kümmern. Foto: iStock © Kemter

Der russische Verpackungsmarkt wird sich 2018 voraussichtlich positiv entwickeln. Damit wächst die Nachfrage nach Maschinen zum Verpacken und Abfüllen. Wachstumstreiber sind die wieder leicht steigenden verfügbaren Einkommen, die sich positiv auf den privaten Konsum auswirken. Dadurch wird der Einzelhandelsumsatz 2018 um etwa drei Prozent zulegen. Die russische Regierung will im Rahmen ihrer Politik der Importsubstitution wichtige Abnehmerbranchen für Verpackungsmaschinen wie die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie und den Pharmasektor weiterhin finanziell unterstützen.

Allein der Landwirtschaftssektor wird 2018 mit umgerechnet 3,5 Milliarden Euro bezuschusst. Auch die Pharmaunternehmen kommen in den Genuss von Fördermitteln, um ihre Fertigungskapazitäten zu erweitern und auf GMP-Standard zu modernisieren. Der Anteil lokal produzierter, verpackter und abgefüllter Lebensmittel, Getränke und Arzneimittel wird sich also in den kommenden Jahren weiter erhöhen und die Nachfrage nach Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen positiv beeinflussen.

Lebensmittelampel im Gespräch

Daneben dürfte eine Reihe von Gesetzesinitiativen mit direkter Auswirkung auf den Verpackungsmarkt die Ausrüstungsinvestitionen in den Abnehmerbranchen ankurbeln. In der Nahrungsmittelindustrie werden die Anforderungen an die Produktinformationen auf den Verpackungen weiter verschärft. Beispielsweise sind die enthaltenen gentechnisch modifizierten Organismen anzugeben. Zudem sollen die Informationen auf mindestens 30 Prozent der Verpackungsfläche gut sichtbar angebracht werden.

Auch wird die Einführung einer Ampelkennzeichnung, mit deren Hilfe der Gehalt an gesundheitsrelevanten Nährstoffen signalisiert werden soll, diskutiert. Im Pharmasektor ist ab 2020 eine einheitliche Kennzeichnung von Arzneimitteln Pflicht, um die Patienten vor Fälschungen zu schützen. Zudem bereitet das russische Parlament einen Gesetzentwurf vor, dass künftig Informationen zum Medikament sowie zu dessen Einnahme in Blindenschrift auf die Verpackung gedruckt werden müssen.

Einen erheblichen Einfluss auf die künftige Entwicklung der Verpackungsindustrie hat die Verschärfung der Abfall- und Recyclinggesetzgebung in Russland. Mit der Novelle des Gesetzes „Über Produktions- und Verbrauchsabfälle“ müssen Produzenten und Importeure seit 1. Januar 2015 die eigenständige Entsorgung von Verpackungen sicherstellen. Für Kartonverpackungen wird die Recyclingquote 2018 auf 25 Prozent, 2019 auf 35 Prozent und 2020 auf 45 Prozent erhöht.

Falls die Unternehmen dieser Recyclingpflicht nicht nachkommen, wird eine Umweltabgabe erhoben. Für Papier, Wellpappe, Papier- und Kartonverpackungen werden beispielsweise umgerechnet 34,40 Euro und für Verpackungsmaterialien aus Kunststoffen 55,60 Euro pro Tonne fällig. Die Unternehmen haben also einen finanziellen Anreiz, ihr Verpackungsaufkommen durch moderne und effizientere Anlagen zu verringern.

Ein Beispiel hierfür ist der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé, der allein 2016 das Verpackungsmaterial an seinen russischen Standorten um 20 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor reduziert hat. Das Unternehmen will den Packmaterialverbrauch in den nächsten Jahren um fünf Prozent pro Jahr reduzieren.

Anlagenbauer profitieren von der Gesetzesverschärfung

Von der steigenden Nachfrage nach Ausrüstung profitieren auch ausländische Anbieter. Nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) sind die Importe von Nahrungsmittelverarbeitungs- und Verpackungsmaschinen aus Deutschland in den ersten neun Monaten 2017 um 2,2 Prozent auf 259,1 Millionen Euro gestiegen. Allerdings dürfte sich der Wettbewerb in diesem Segment in den kommenden Jahren verschärfen. Im Rahmen der Strategie zur Entwicklung des Nahrungs- und Verpackungsmaschinensektors soll sich der Anteil lokal gefertigter Ausrüstung bis 2030 auf 62 Prozent mehr als verdoppeln.

Laut Industrieministerium wurden in den ersten zehn Monaten 2017 Maschinen im Wert von 166 Millionen Euro gefertigt, eine Steigerung um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bis 2030 soll der Produktionswert verdreifacht werden, so die Pläne der Regierung. Das russische Industrieministerium hat ein Unternehmensverzeichnis zur Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenindustrie erstellt.

Russland setzt seine Politik der Importsubstitution im Nahrungsmittelsektor unvermindert fort. Um das selbst gesteckte Ziel einer weitgehenden Unabhängigkeit von Lebensmittelimporten zu erreichen, fördert die russische Regierung die heimische Landwirtschaft 2018 mit 3,5 Milliarden Euro.

Die wachsende Agrarproduktion kurbelt auch die Nachfrage nach Maschinen zur Verarbeitung und zum Verpacken von Molkereierzeugnissen, Fleischwaren und anderen Nahrungsmitteln an. Außerdem verändert sich der Lebens- und Ernährungsstil der russischen Bevölkerung. Das bringt neue Anforderungen an die Verpackungen mit sich. Produzenten und Verarbeiter streben danach, die Qualität ihrer Produkte zu erhöhen und die Verpackungen modern zu gestalten.

Quelle: Germany Trade & Invest, Autor: Boris Alex