Russland und Belarus: Produzieren und optimieren

Auf dem 2. Manufacturer´s & IT Forum in Frankfurt am Main bot der OWC Verlag produzierenden Unternehmen, Industrieparks und Experten verschiedener Branchen im Ost-Geschäft Gelegenheit zu Austausch und Erstberatung.

Von Elena Matschilski

Mitte Februar lud der OWC Verlag für Außenwirtschaft zum zweiten Mal zum Manufacturer´s & IT Forum nach Frankfurt am Main ein. Das Forum informierte deutsche Hersteller über Produktions- und IT-Lösungen aus Russland und Belarus.

Im Rahmen der Veranstaltung im Frankfurter Flughafen präsentierte sich auch in diesem Jahr der belarussische Industriepark Great Stone. Neu dabei war der russische Industriepark Kotovo. Experten aus dem Bereich Personal, Recht und Steuern sowie Projektentwicklung teilten ihre Erfahrungen im Ost-Geschäft. IT-Dienstleister informierten die Teilnehmer darüber, was Technologien den deutschen Unternehmen bieten können. Zwischen den Fachvorträgen hatten die Teilnehmer die Möglichkeit für individuelle Gespräche und erste Beratung vor Ort.

Russland und Belarus setzen ihre Bemühungen fort, ein attraktives Umfeld für ausländische Investitionen zu schaffen. Belarus arbeite weiter daran, Knotenpunkt für Waren und Dienstleistungen zwischen Europa und Asien zu werden, und positioniere sich vor allem auch im IT-Bereich erfolgreich, erklärte Ulf Schneider, Geschäftsführer und Gesellschafter der Unternehmensberatung SCHNEIDER GROUP.

 Lokalisierungstrend in Russland hält an

Russland setze dagegen weiter auf die Lokalisierung, sagte Schneider. Vor allem in der Pharmabranche stünden aktuell zahlreiche Projekte an. So plane etwa Böhringer Ingelheim, ab 2019 zwei Thrombolyse-Medikamente in der Region Moskau zu produzieren. Auch der US-amerikanische Pharmakonzern Pfizer setze auf eine eigene Produktion in Russland.

Dies wird vorangetrieben von der Lokalisierungsgesetzgebung der russischen Regierung für die Branche. Mit der Strategie „Pharma 2020“ wolle Moskau erreichen, dass 90 Prozent aller strategisch bedeutsamen und lebenswichtigen Medikamente lokal produziert werden, erklärte Alex Stolarsky, Director Legal, Tax & Compiance bei SCHNEIDER GROUP. Zudem plane die Regierung auch 50 Prozent aller anderen Medikamente künftig im Land herzustellen. Ausländische Pharmaproduzenten müssten sich die Gretchenfrage stellen: Produzieren in Russland und wenn ja, wie? Infrage kommen würden hier neben einer eigenen Produktion auch das Contract Manufacturing oder Leasing.

Ein konkretes Beispiel, wie der Aufbau einer eigenen Pharmaproduktion aussieht, lieferte Hannes Postel, Managing Partner bei Hausman & Partners, am Beispiel von Bionorica. Das Unternehmen baut seit vergangenem Sommer in Woronesch. Die ersten Präparate sollen 2021 vom Band laufen. Postel betonte, wie wichtig eine gute Vorbereitung als Grundlage für ein erfolgreiches Geschäft sei.

Investitionen müssen sich lohnen

Die lokale Produktion sei natürlich ein aktuelles Thema für viele Investoren. Zudem biete die Lokalisierungspolitik der russischen Regierung ausländischen Produzenten gute Anreize, etwa Steuererleichterungen und den Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen. Eine Investition sollte sich aber auch ohne Subventionen und Steuervorteile rechnen, empfahl Wirtschaftsprüfer und Steuerberater André Scholz von RSP International.

Dies bestätigte auch der Generaldirektor von Zentis Russland Johannes Peter Schönhuber. Der Aachener Hersteller von Fruchtzubereitungen hatte zwar vor, in Russland zu lokalisieren, sich aber nach der Sondierung des Marktes für einen Export nach Russland entschieden.

Ansturm auf Expatriates

Wer in Russland produziert, der braucht Arbeitskräfte. Was Unternehmen vom russischen Arbeitsmarkt zu erwarten haben, berichtete Michael Germershausen, General Manager der Personalberatung Antal CIS. Aktuell stünden wieder vermehrt Einstellungen an, und zwar auf der Management-Ebene. Zudem sei in diesem Jahr erneut mit Gehaltserhöhungen zu rechnen. An der Diskrepanz am Arbeitsmarkt zwischen Metropolen und Regionen habe sich jedoch nichts geändert. In Moskau und St. Petersburg hätten Arbeitnehmer und -geber weiter bessere Chancen als in den Regionen, Arbeit oder Mitarbeiter zu finden. Auch die Arbeitsbedingungen seien in Großstädten besser. Als einen aktuellen Trend auf dem Arbeitsmarkt nannte Germershausen die HR-Automatisierung, die in den Unternehmen aktiv vorangetrieben wird. Auch Outsourcing nach Kasachstan und Usbekistan seien ein neuer Trend. Zudem würden Unternehmen vermehrt in andere Regionen wie Sotschi, Krasnodar, Kasan und Nischnij Nowgorod expandieren.

IT-Power aus Belarus

Beim Thema IT liegt Belarus vorn. So berichtete der VP Business Development & Sales der belarussischen Tochter des US-Dienstlеisters für Softwarelösungen und -beratung Intetics, Oleg Ridchenko, wie das IT-Business deutsche Ingenieursleistung optimieren kann. Viktor Smusin, Co-Founder von Biviar Partners, zeigte dagegen die Outsourcing-Stärke des Landes. So sei das belarussische Unternehmen EPAM Systems der erste Börsengänger aus dem Outsourcing-Bereich aus Osteuropa gewesen. Das Unternehmen Wargaming, bekannt für das Online-Spiel „World of Tanks“, hat mit seinen 100 Millionen Online-Spielern einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft. Die belarussischen Start-ups MSQRD und AIMATTER wurden 2016 von Facebook und 2017 von Google gekauft. Um die Stärke des Landes in Sachen Outsourcing kennenzulernen, empfahl Smusin den Teilnehmern „klein anzufangen“. Aufgaben, die schon jetzt günstig nach Belarus ausgelagert werden können, seien: der Support von ERP-Systemen, Prototyping, SEO und SMM, ERP-Beratung, Web & Intranet, Hardware Engineering, Data Warehouse und Business Intelligence.

Die Präsentationen der Experten finden Sie hier zum Download:

 


Der OWC Verlag dankt allen Sponsoren und Partnern des 2. Manufacturer´s & IT Forum:

Great Stone, Kotovo, RSP International, SCHNEIDER GROUP, Antal CIS, Biviar Partners, HAUSMANN & PARTNERS, Intetics, Reksoft, Repräsentanz der Deutschen Wirtschaft in Belarus, Repräsentanz der Handels- und Industriekammer der Russischen Föderation in Deutschland.