China: Bedarf an Glasfaserkabeln steigt rasant

Die VR China ist der mit Abstand größte Hersteller von Glasfaserkabeln in Preform. Das Land hat so seine einst hohe Importabhängigkeit kontinuierlich reduzieren können, ist aber gleichzeitig auch zu einem wichtigen Absatzmarkt geworden.

Chinesische Produzenten haben in den vergangenen Jahren kräftig in neue Werke zur Herstellung von Glasfaserkabeln – sowohl in Preform als auch als Fertigprodukt – investiert. Foto: iStock / morfous

Zwar bauen die chinesischen Hersteller ihre Kapazitäten seit einigen Jahren kräftig aus, doch der Aufbau eines 5G-Netzes stellt sie vor neue Herausforderungen. Ausländischen Anbietern dürfte  das nützen.

Chinas Glasfaserhersteller stehen vor einer Sonderkonjunktur. Die Volksrepublik will bis 2020 ein landesweites 5G-Mobilfunk-Netz installieren. Damit soll das Land zum größten und modernsten Telekommunikationsmarkt der Welt aufsteigen. Bereits 2023 dürfte laut Prognose der Unternehmensberatung CSS Insight von den weltweit rund eine Milliarde 5G-Mobiltelefon-Nutzern die Hälfte aus China kommen.

Bis es soweit ist, müssen die Telekommunikationsunternehmen jedoch weiter fleißig in den physischen Netzausbau investieren. Die entsprechenden Kapitalaufwendungen beziffert die China Academy of Information and Communications Technology für den Zeitraum 2020 bis 2030 auf mehr als 400 Milliarden US-Dollar (US$).

Chinas Anteil an der Weltproduktion bei über 40 Prozent

Vom Ausbau der 5G-Netze verspricht sich Chinas optoelektronische Industrie eine Sonderkonjunktur. Sie ist bereits jetzt der mit Abstand größte Hersteller von Glasfaserkabeln weltweit. Im Jahr 2016 belief sich ihr Output laut der Nachrichtenplattform Cision PR Newswire auf 6.100 Tonnen Kabel in Preform. Daraus lassen sich fertige Produkte mit einer Länge von ungefähr 195 Millionen Kilometern fertigen. Im Vergleich zur globalen Produktion von 14.900 Tonnen kommt die Volksrepublik damit auf einen Marktanteil von rund 41 Prozent.

Damit könnte sich das Land wohl locker selbst versorgen. Doch China ist zugleich der größte Abnehmer von sogenannten Lichtwellenkabeln und muss daher weiter importieren. Die inländische Nachfrage summierte sich 2016 laut Cision auf fast 7.670 Tonnen in Preform. Das entsprach in etwa 245 Millionen Kilometern an Fertigprodukten.

Die Differenz in Höhe von 1.570 Tonnen muss importiert werden. Die Selbstversorgungsquote belief sich demnach 2016 auf etwa 80 Prozent. Gegenüber den Vorjahren hat sich die Situation damit deutlich entspannt. Zum vergleich: 2010 lag die entsprechende Rate noch bei gut 30 Prozent.

Brancheneinfuhren von Endprodukten 2016 stabil

Laut UN Comtrade importierte China 2016 (fertige) Glasfaserkabel im Wert von 170 Millionen US-Dollar. Gegenüber 2015 sind die Brancheneinfuhren damit praktisch stabil geblieben. Im Vergleich zu 2014 ergibt sich aber immer noch ein Minus von mehr als elf Prozent. Die chinesischen Lichtwellenkabelausfuhren beliefen sich 2016 auf knapp 1,3 Milliarden US-Dollar, ein Minus von gut vier Prozent gegenüber 2015. Sie übertrafen damit die entsprechenden Importe um mehr als das Siebenfache.

Die USA sind traditionell der größte Zulieferer von optischen Glasfaserkabeln. Die entsprechenden Importe aus Deutschland summierten sich 2016 auf knapp zwölf Millionen US-Dollar, das entspricht einem Minus von fast 13 Prozent gegenüber 2015. Im Vergleich zu 2014 sind sie damit aber noch um fast zwölf Prozent gestiegen.

Die chinesischen Branchenhersteller hatten in den vergangenen Jahren kräftig in neue Werke zur Herstellung von Glasfaserkabeln sowohl in Preform als auch als Fertigprodukt investiert. Zudem konnten sie technologisch aufholen. Der Ausbau der 5G-Netzes stellt sie allerdings vor neue Herausforderungen und es bleibt fraglich, ob die einheimischen Anbieter den zu erwartenden stark steigenden Bedarf – sowohl quantitativ als auch qualitativ – werden meistern können. Für ausländische Anbieter dürften sich durchaus Geschäftschancen ergeben.

Zentrum der Glasfaserproduktion liegt in Wuhan

Das Zentrum der Glasfaserindustrie liegt in Wuhan, Hauptstadt der Provinz Hubei. Dort wurde Anfang November 2017 die World Optical Cable and Fibre Conference ausgerichtet. In Wuhan sind auch das National Laboratory for Optoelectronics und der größte Branchenhersteller weltweit – die Yangtze Optical Fibre and Cable Joint Stock Limited Company – ansässig. Yangtze Optical Fibre and Cable kam 2016 laut Cision auf einen Weltmarktanteil von gut 13 Prozent.

Neben Yangtze Optical Fibre spielt der chinesische Konkurrent Hengtong ebenfalls eine bedeutende Rolle. Beide Branchenunternehmen beabsichtigen nach eigenen Angaben eine Erweiterung ihrer Fertigungskapazitäten um jeweils rund 1.500 Tonnen Glasfaserkabel in Preform pro Jahr. Die Kabelspezialisten von Leoni Fibre Optics unterhalten unterdessen einen Standort in Changzhou in der Provinz Jiangsu.

Roland Rohde, Germany Trade & Invest, Hongkong