Streit um Bayer-Monsanto-Deal in Russland

Im Streit um die Genehmigung der Übernahme von Monsanto droht Bayer damit, den russischen Markt zu verlassen.

Von Moritz Gathmann

Bayer droht damit, den russischen Markt zu verlassen, wenn die russische Kartellbehörde der Monsanto-Übernahme nicht zustimmt. Foto: Bayer AG, Leverkusen / link: http://ssl.bayer.com

Die geplante Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto durch den Chemie- und Pharmakonzern Bayer trifft in Russland auf Widerstände. Wie der Leiter der russischen Antimonopolbehörde FAS, Igor Artemjew, in dieser Woche bekannt gab, hat Bayer Klage gegen die Behörde eingereicht und droht sogar damit, den russischen Markt komplett zu verlassen.

Russland fordert Zugang zum „Digital Farming“

2016 hatte Monsanto das Übernahmeangebot von Bayer angenommen: Für 66 Milliarden US-Dollar will der Leverkusener Konzern den bislang wichtigsten Konkurrenten im Bereich Agrochemie kaufen. Allerdings stehen bis heute noch in mehreren Ländern Entscheidungen der Kartellämter aus.

Im November hatte die russische Antimonopolbehörde ihre Forderungen gegenüber Bayer bekannt gegeben: Für eine Zustimmung zur Übernahme sollte der Konzern russischen Unternehmen Zugang zu Technologien im Bereich Saatgut sowie zu den Datenbanken im Bereich „Digital Farming“ gewähren. Die FAS begründete dies mit Befürchtungen vor einer Übermächtigkeit des neu gebildeten Konzerns. Dazu hatte die Behörde eine Frist von drei Monaten gesetzt, die am 10. Februar ausgelaufen war.

Die jetzige Klage wird in Russland als Versuch von Bayer gewertet, in den Verhandlungen Druck auf die russische Behörde auszuüben. Allerdings steht der Konzern selbst unter Druck: Die Übernahme sollte ursprünglich bis Ende 2017 abgeschlossen sein. Bayer erklärte in einem schriftlichen Statement seine Position: „Die Seiten befinden sich im Dialog, aber es konnte noch keine Einigung erreicht werden. Bayer hat die Entscheidung getroffen, den Fall vor Gericht zu bringen, um seine Rechte zu schützen“, heißt es dort.

Übertriebene Forderungen der Kartellbehörden

Die Verhandlungen mit Russland laufen seit November 2017, als die FAS ihre Bedingungen veröffentlicht hat. Zur Realisierung der Forderungen wurde an der Moskauer Higher School of Economics ein spezielles „Zentrum zum Technologietransfer“ eingerichtet. Allerdings, so berichtet etwa die Zeitung Wedomosti, sei in den vergangenen Monaten klar geworden, dass Bayer nur Zugang zu einem – nach Meinung der FAS – zu geringen Anteil an Saatguttechnologien gewähren will. Allerdings ist aus Fachkreisen zu vernehmen, dass die russischen Forderungen nach Zugang zu den Technologien klar über das hinaus gehen, was Kartellämter in anderen Ländern an Zugeständnissen fordern.

So gab etwa Brasilien vor wenigen Tagen bekannt, der Übernahme zuzustimmen, nachdem Bayer zugesichert hatte, für etwa sechs Milliarden Euro einen Teil seines Geschäfts im Bereich Landwirtschaft zu verkaufen. Auch in den USA und der EU stehen die Entscheidungen der Behörden noch aus. Die EU will ihre Entscheidung spätestens bis zum 5. April bekannt geben.

Russland hat es auf neue Technologien abgesehen

Für Per Brodersen, Geschäftsführer der Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft beim Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft, gehört der aktuelle Konflikt zum allgemeinen Trend Russlands, den Ausbau des Agrarsektors zu forcieren, möglichst im Zusammenspiel mit einheimischen Unternehmen: „Die Stichworte lauten Importsubstitution und Versorgungssicherheit.“ Darüber hinaus wolle Russland als Agrarexporteuer, vor allem im Bereich Getreide weltweit reüssieren – damit liege die Messlatte zur Leistungsfähigkeit des russischen Agrarsektors hoch. „Umso wichtiger sind für das Land neue Technologien, Know-how und vor allem Fachpersonal“, so Brodersen.

Bayer prozessiert momentan auch in einem anderen Fall in Russland: Am 22. Januar reichte der Konzern Klage gegen den russischen Pharmaproduzenten Nativa ein. Der Klage zufolge hat Nativa ein in der Krebsbehandlung eingesetztes Medikament registriert, das den von Bayer entwickelten und patentrechtlich geschützten Wirkstoff Sorafenib enthält.

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