Lukoil und GAZ investieren im Gebiet Nischnij Nowgorod

Das Gebiet Nischnij Nowgorod ist eines der wichtigsten Industriezentren Russlands. Bis 2020 soll die Industrieproduktion um ein Viertel auf 1,5 Billionen Rubel gesteigert werden, plant die Gebietsverwaltung.

Lukoil kündigte an, bis 2021 über 815 Millionen Euro in den Bau einer neuen Anlage zur Behandlung von Ölrückständen bei Nizhegorodnefteorgsintez zu investieren. Foto: iStock / Leonid Eremeychuk

Lukoil und Makston investieren in Projekte für Ölrückstände. Die GAZ-Gruppe setzt die Zusammenarbeit mit Volkswagen und Daimler fort. Zugleich errichten Kfz-Zulieferer neue Produktionen. Der geplante Hochgeschwindigkeitszug Moskau–Kasan wird auch in Nischnij Nowgorod Halt machen.

Nischnij Nowgorod begeht dieses Jahr den 150. Geburtstag des russischen Schriftstellers Maxim Gorki, nach dem die Stadt lange Zeit benannt war. Außerdem werden in der Wolga-Metropole Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 ausgetragen.

Für Unternehmen ist Nischnij Nowgorod sehr interessant. Die Industrieproduktion stieg 2017 um 4,7 Prozent auf 1,2 Billionen Rubel. Bis 2020 soll sie weiter um ein Viertel auf 1,5 Billionen Rubel zulegen. Die Bruttoanlageinvestitionen nahmen im ersten Halbjahr 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 17,6 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zu – es war der erste Anstieg seit drei Jahren. Die Regionalregierung bietet Investoren günstige Rahmenbedingungen. Um einen Sonderinvestitionsvertrag auf regionaler Ebene abzuschließen, reicht eine Investition von 300 Millionen Rubel (4,3 Mio. EUR) aus, statt 750 Millionen Rubel auf föderaler Ebene.

Große deutsche Unternehmen wie Leoni, Knorr-Bremse, Liebherr, Rohde & Schwarz und Schlemmer haben sich bereits in Nischnij Nowgorod niedergelassen. Deutschland ist der drittwichtigste Handelspartner der Region. Im ersten Halbjahr 2017 betrug der bilaterale Handelsumsatz etwa 310 Millionen Euro; das entspricht einem Plus von einem Viertel gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Neues Großprojekt in der Petrochemie

Die Ölverarbeitung trägt etwa 37 Prozent zur Produktion der verarbeitenden Industrie im Gebiet Nischnij Nowgorod bei (Stand: 2016). Lukoil kündigte an, bis 2021 über 815 Millionen Euro in den Bau einer neuen Anlage zur Behandlung von Ölrückständen bei Nizhegorodnefteorgsintez zu investieren. Damit eröffnet der Konzern einen neuen Investitionszyklus in seine Anlagen an diesem Standort.

Das Unternehmen Makston will bis 2019 in Dserschinsk für etwa 77 Millionen Euro ein Werk zur Verarbeitung schwerer Ölrückstände und zur Herstellung von Koks für die Metall verarbeitende Industrie errichten. Auch Chemiefirmen wie Orgsyntez ProLab und SintezOka bauen zurzeit Produktionsstätten in Dserschinsk.

GAZ montiert für Volkswagen und Daimler

Der Automobilbau ist einer der Motoren der verarbeitenden Industrie in Nischnij Nowgorod. Der Lokalmatador Gorkowski Awtomobilny Zawod (GAZ) ist der größte Hersteller von Nutzfahrzeugen in Russland und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS). Pro Jahr verlassen 90.000 Fahrzeuge die Werkhallen. Das beliebteste Modell, der Kleintransporter Gazelle, hält in Russland einen Marktanteil von 74 Prozent.

Volkswagen (VW) hat die Zusammenarbeit mit der GAZ-Gruppe zur Auftragsmontage bis 2025 verlängert. Ab 2018 läuft das neue Sport Utility Vehicle (SUV) Kodiaq der tschechischen VW-Tochter Skoda in Nischnij Nowgorod vom Band. Zudem beliefert VW die GAZ-Gruppe mit 2.0 TDI-Dieselmotoren aus dem Werk in Salzgitter. Ab 2018 werden diese in den Kleintransporter Gazel Next eingebaut. Um an staatlichen Ausschreibungen teilnehmen zu können, will auch Volkswagen Truck & Bus (MAN, Scania) die Zusammenarbeit mit GAZ vertiefen. VW denkt sogar darüber nach, einen Teil der GAZ-Gruppe zu übernehmen.

Für Daimler fertigt GAZ die neue Generation des Kleintransporters Sprinter, der ab September 2018 auf den russischen Markt kommt. Daneben plant GAZ, die Modelle Ural, Gazel Next und GazOn Next in Saudi-Arabien anzubieten und dort eine Produktionslinie für Nutzfahrzeuge aufzubauen. Darauf verständigten sich Vertreter von GAZ und der saudischen Haka Group. Mit Bosch will GAZ ab 2019 einen Motor nach Euro-6-Norm entwickeln. Parallel dazu sollen Elektroantriebe für Busse konstruiert werden. Ein Prototyp eines Elektrobusses war im Dezember 2017 zu Testfahrten auf Moskaus Straßen unterwegs.

Kfz-Zulieferer siedeln sich an

Um GAZ als potenziellen Kunden mit Komponenten versorgen zu können, lassen sich Kfz-Zulieferer in Nischni Nowgorod nieder. Matador Automotive investiert 2,7 Millionen Euro in den Aufbau einer Produktion von Pressteilen. Der japanische Lieferant von Gleitlagern, Daido Metall, will seine Fertigung von Autoteilen erweitern. Zulieferer Schlemmer hat im Juli 2017 eine neue Anlage zur Herstellung von Kabelsystemen eröffnet. In Sawolschje modernisiert die Firma Rosalit ihre Kapazitäten zur Herstellung von Gussteilen für Automobile. Die Firma NPO Mechinstrument startet Anfang 2018 die Serienproduktion von Kabinen für Traktoren der Marke Deutz-Fahr und verwendet hierfür russische Komponenten.

Industrieparks und entwickelte Monostädte locken Investoren

Im Zuge des föderalen Programms „Digitale Wirtschaft“ wird in Nischnij Nowgorod ein neuer IT-Cluster gegründet. Bis 2021 sollen 300 Unternehmen aus den Bereichen Softwareentwicklung, künstliche Intelligenz, Informationssicherheit und Internet der Dinge angesiedelt werden. Pro Jahr stehen etwa 1.600 IT-Spezialisten lokaler Universitäten für den Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Investoren finden in den Clustern und Industrieparks gute Bedingungen für eine Ansiedlung vor. Dserschinsk-Wostotschny und Oka-Polimer ziehen Chemiefirmen an. Im Industriepark Zawolzhskij Motorny Zawod (gehört zu Sollers) werden Motoren hergestellt. Zudem ist die Gründung einer Sonderwirtschaftszone um den lokalen Schiffbaucluster im Gespräch.

Die Gebietsregierung arbeitetet auch intensiv an der Entwicklung von zwölf Monostädten, in denen elf Prozent der Bevölkerung des Gebietes leben. Die geschlossene Stadt Sarow wurde am 20. April 2017 durch einen Beschluss der Regierung zu einem Sonderentwicklungsgebiet (TOR) aufgewertet.

In diesem Jahr beginnt die föderale Stromnetzgesellschaft Rosseti mit dem Aufbau eines intelligenten Stromnetzes (Smart Grid) in Nischnij Nowgorod. Dafür wird sie etwa 50 Millionen Euro investieren.

Nischnij Nowgorod wird an Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke angebunden

Die geplante Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke Moskau–Kasan wird auch in Nischnij Nowgorod Halt machen. Die Fahrt nach Moskau dauert künftig nur noch zwei Stunden – dank Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 360 Kilometern pro Stunde. Mit den Bauarbeiten an der 20 Milliarden Euro teuren Strecke soll 2018 begonnen werden, kündigte der Vizepräsident der Russischen Eisenbahn (RZD) Alexander Mischarin an. Schon heute verbindet der Schnellzug „Strisch“ Nischnij Nowgorod mit der Hauptstadt. Die Gebietsregierung hat die RZD für den Bau der Hochgeschwindigkeitsstrecke von der Steuer auf Infrastrukturprojekte befreit.

Hans-Jürgen Wittmann, Germany Trade & Invest, Moskau

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