Irans Hafensektor macht Fortschritte

Der Ausbau des Logistiksektors gehört zu den Prioritäten der iranischen Entwicklungsplanung. Die Hafenkapazitäten am Persischen Golf sollen modernisiert und erweitert werden. Zur Umsetzung sind ausländische Finanzierungen und Investitionen erforderlich. Internationale Hafenbetreiber werden gesucht.

Über Irans größten Hafen, den Shahid Rajaee Port in Bandar Abbas, dürften 2017/18 (iranisches Jahr 1396; 21. März bis 20. März) weniger als vier Millionen Tonnen Transitfracht abgewickelt werden. Author: franek2 / Lizenz: Attribution-ShareAlike 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0) / Source: https://www.panoramio.com/photo/23892284

Derzeit ist Indien im Hafensektor der wichtigste ausländische Investor: Die Erweiterung des Hafens Chabahar wird mitfinanziert. Kapital wird auch für den Ausbau von Transitrouten benötigt.

Die Kapazitäten der iranischen Häfen sollen innerhalb von vier Jahren um 40 Millionen auf 250 Millionen Tonnen (nur Nicht-Öl-Erzeugnisse) erhöht werden. Der geplante Kapazitätsausbau setzt sowohl ein deutliches Wachstum der Im- und Exporte als auch des Transithandels voraus. Bislang ist das Transitvolumen aber noch relativ gering.

Über Irans größten Hafen, den Shahid Rajaee Port in Bandar Abbas, dürften 2017/18 (iranisches Jahr 1396; 21. März bis 20. März) weniger als vier Millionen Tonnen Transitfracht abgewickelt werden. Irans gesamter Transithandel müsste 2017/18 etwa zehn Millionen Tonnen erreichen, mittelfristig wird eine Vervierfachung angestrebt. Gegenwärtig erfolgt der Transitverkehr durch Iran vor allem auf der Straße. Der Transithandel per Bahn wird für 2017/18 mit nur 1,6 Millionen Tonnen prognostiziert, etwa fünf Millionen Tonnen sollen es 2021/22 werden.

Erste Ausbauphase des Hafens Chabahar fertig

Der bislang relativ unbedeutende Hafenstandort Chabahar am Golf von Oman, der strategisch günstig außerhalb des Persischen Golfs liegt und somit keine Passage durch die Meeresenge von Hormuz erfordert, soll langfristig zum größten iranischen Hafen ausgebaut werden. Der Warenumschlag in Chabahar lag 2017 bei lediglich 1,4 Millionen Tonnen. Die bisherige Kapazität wird mit jährlich 2,5 Millionen Tonnen angegeben. In Chabahar entfielen 2017 fast 99 Prozent des Warenumschlags auf Entladungen. Es wurden vor allem Ölerzeugnisse (0,76 Mio. Tonnen), Containerfracht (0,34 Mio. Tonnen), Agrarchemikalien (0,10 Mio. Tonnen) sowie Zucker und Reis (jeweils 0,08 Mio. Tonnen) abgefertigt.

Im Dezember 2017 war Präsident Hassan Rouhani anlässlich der Eröffnung der ersten Ausbauphase in Chabahar (Shahid Beheshti Port) zu Besuch. Nach offiziellen Angaben hat die erste Phase eine Milliarde US-Dollar gekostet. Das Projekt wird mit indischer Hilfe realisiert, indische Firmen sind auch als Hafenbetreiber tätig. Delhi will mit Investitionen in Höhe von 500 Millionen US-Dollar zur Entwicklung des Hafens beitragen. In die erste Ausbauphase hat Indien aber nur 85 Millionen US-Dollar investiert, zusätzlich wurde ein 150 Millionen US-Dollar Kredit von der Ex-Im Bank of India gewährt. Offiziellen Angaben zufolge hat der iranische Staatsfonds (National Development Fund of Iran) eine Finanzierung von 400 Millionen US-Dollar bereitgestellt.

In der ersten Ausbauphase wurden bestehende Kaianlagen und Terminals modernisiert. Auch deutsche Firmen sind am Chabahar-Projekt beteiligt. Liebherr hat 2017 neun Krananlagen und 13 mobile Containerstapler geliefert. Auftraggeber war die Aria Banader Iranian. Zur Abwicklung der Lieferungen wurde von der Europäisch-Iranischen Handelsbank in Hamburg ein Akkreditiv eröffnet. Zwei pneumatische Getreideentladeanlagen hat die iranische Machine Sazi Arak Company geliefert, die Fertigung der Saugluftentlademaschinen erfolgte in Kooperation mit einer deutschen Firma.

Durch Abschluss der ersten Ausbauphase stieg die Kapazität des Hafens auf 8,5 Millionen Tonnen. Nach Fertigstellung weiterer Ausbauphasen sollen es 77 Millionen Tonnen werden. Chabahar kann Containerschiffe mit bis zu 120.000 Deadweight Tonnage (DWT – entspricht  etwa 10.000 Twenty-foot Equivalent Unit TEU) abfertigen. Damit könnte der Shuttleverkehr zwischen Iran und dem Großhafen in Dubai verringert werden. Allerdings ist in Chabahar weiterhin eine Abfertigung von Ultra Large Container Ships (ULCS), die deutlich mehr als 10.000 TEU laden können, nicht möglich. Ein Großteil der für Iran bestimmten Container wird in Dubai von ULCS auf kleinere Container-Shuttleschiffe umgeladen. Irans Shahid Rajaee Port kann von Schiffen bis zu 100.000 DWT angelaufen werden.

Chabahar soll Transithafen für Verbindungen zwischen indischen Häfen und Afghanistan sowie Zentralasien sein. Für Indien ist diese Route wichtig, weil Transitverkehr auf dem Landweg über Pakistan aus politischen Gründen nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich ist. Derzeit muss in Chabahar auf Lkw umgeladen werden, zukünftig soll es auf der Schiene weitergehen.

Indien hat im November 2017 mit Weizenlieferungen (130.000 Tonnen) nach Afghanistan über Chabahar begonnen, vier weitere sollen folgen. Das indische Interesse an Chabahar bezieht sich nicht nur auf den Transit indischer Waren nach Afghanistan, Indien ist auch am Import afghanischer Bergbauerzeugnisse interessiert.

Schienennetz wird erweitert

Eine Bahnstrecke von Chabahar nach Norden ist seit Langem geplant und teilweise schon im Bau. Chabahar erhält eine Schienenverbindung nach Nordosten (über Zahedan und Mashhad nach Zentralasien) mit einer Abzweigung Richtung Afghanistan (Sarandsch). Im Januar 2018 hat Indien einen Kredit in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar für die Entwicklung des iranischen Eisenbahnsektors in Aussicht gestellt. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde unterzeichnet. Der größte Teil (1,6 Milliarden USD) ist für die Fertigstellung der 500 Kilometer langen Schienenstrecke zwischen Chabahar und Zahedan vorgesehen. Neben dem Bau der Strecke will Indien auch Lokomotiven und Frachtwaggons liefern beziehungsweise in Iran montieren lassen.

Nach iranischen Angaben soll bis März 2018 auf einem 100-Kilometer-Teilstück der Chabahar-Zahedan Strecke die Installation der Schienen abgeschlossen sein. Iran habe bislang in das Projekt 300 Millionen US-Dollar investiert, so das Transportministerium. Mit der nördlichen, 800 Kilometer langen Fortführung der Chabahar-Zahedan-Bahnlinie nach Mashhad wurde Ende 2017 begonnen, im Bau ist jetzt ein 40-Kilometer-Abschnitt.

Ab Mashhad gibt es Schienenverbindungen nach Turkmenistan und nach Westen über Teheran Richtung Türkei. An der Fertigstellung einer Schienenverbindung nach Aserbaidschan wird gearbeitet. Derzeit fehlt noch der Abschnitt zwischen Qazvin, Rasht und Astara (Grenze zu Aserbaidschan). Die Fertigstellung der Strecke Qazvin-Rasht (164 Kilometer) hat sich mangels Finanzierung mehrfach verzögert, jetzt soll die Eröffnung im Frühjahr 2018 erfolgen. Im Januar 2018 haben sich Iran und Aserbaidschan darauf verständigt, das fehlende, eine Milliarde US-Dollar teure Teilstück zwischen Rasht und Astara (167 Kilometer) jeweils zur Hälfte zu finanzieren. Mit dem Bau soll noch 2018 begonnen werden, die Fertigstellung ist für 2020 geplant.

Über Aserbaidschan ist dann ein Schienentransport nach Russland und Westeuropa möglich. Die Schiffsverbindungen zwischen indischen und iranischen Häfen (vor allem Chabahar) und die anschließenden Schienenstrecken nach Europa oder Zentralasien werden als „Nord-Süd-Transport-Korridore“ bezeichnet.

Robert Espey, Germany Trade & Invest, Teheran