Tschechien: Der richtige Markt für die richtigen Technologien

Tschechien ist zwar ein relativ kleiner Markt für Start-ups, aber interessant für Nischenprodukte. Ein wichtiger Accelerator ist StartupYard.

von Sebastian Becker

Nur wenig Orientierung im Geschäft? Der Prager Accelerator StartupYard hilft tschechischen Startups, eine klare Strategie zu entwickeln. Foto: http://startupyard.com/6-ways-startupyard-helps-alumni-post-program/

„Der Mietmarkt ist in Tschechien noch sehr unstrukturiert und nur wenig entwickelt“, sagt Klara Flisnikova. „Besonders, wenn man ihn mit den westlichen Ländern vergleicht“, fügt die Managerin hinzu. Flisnokova hat RentRocket mitbegründet – ein Immobilien-Start-up aus Prag. „RentRocket ist eine Immobilienplattform, mit deren Hilfe Vermieter ihre Immobilien verwalten können“, erklärt die junge Geschäftsfrau. Dabei soll der gesamte Mietprozess digitalisiert werden – von der Auflistung der einzelnen Häuser und Wohnungen sowie den Mietern bis zu Einzelfragen, die die Vermietung betreffen. „Alles aus einer Hand“, so Flisnikova, die auch gleichzeitig CEO von RentRocket ist.

StartupYard älteste Einrichtung in der Region

Ihr junges Unternehmen gehört zu den Firmen, die vom Prager Accelerator StartupYard (SY) über einen bestimmten Zeitraum durch Coaching unterstützt worden sind, um ihnen zu einer schnellen Entwicklung zu verhelfen. SY existiert seit 2011 und ist damit die älteste private Institution ihrer Art in Mittelosteuropa (MOE). Darüber hinaus gilt SY als führender Accelerator in der gesamten Region.

„Wir wählen die Unternehmen gemeinsam mit unseren Mentoren aus“, erklärt Cedric Maloux, CEO von SY im Gespräch mit OstContact. Dabei handelt es sich seinen Aussagen zufolge um Manager, Geschäftsleute und Investoren, die ebenso national wie international Rang und Namen haben. Beispielsweise gehören dazu David Slansky, Partner von KPMG, sowie James McGrath, Managing Director von Mars.

„Oft verfügen Start-ups zwar über eine interessante Technologie, wissen aber nicht, in welcher Branche man diese einsetzen kann.“

„Wir unterstützen Firmen, die sich in einem sehr frühen Stadium befinden,“ sagt Maloux. „Deswegen haben diese Unternehmen oft nur sehr wenig Kontakte, verfügen über keine klare Strategie und haben nur wenig Erfahrung. Sie können auf unser lokales und internationales Netzwerk zurückgreifen“, erklärt der CEO. Im Gegenzug müssen die Firmen Anteile an SY abtreten.

Unter den geförderten Start-ups auch eine Firma aus Georgien

In Zahlen liest sich das so: Der Prager Accelerator hat in den vergangenen sechs Jahren in 59 Firmen insgesamt 2,2 Milliarden Kronen (rund 86 Mio. EUR) investiert. Das berichtet die tschechische Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny. SY unterstützt nicht nur einheimische Firmen, sondern auch Unternehmen aus dem benachbarten Polen und der Slowakei oder aus solchen, eher exotischen Märkten wie Georgien. „Allein im laufenden Jahr 2017 haben wir 15 Start-ups gefördert und eine Gesamtsumme von 425.000 Euro in sie investiert“, erklärt Maloux.

Sein Unternehmen konzentriere sich auf die Förderung von Technologie-Firmen. „Oft verfügen junge Start-ups zwar über eine interessante Technologie, wissen aber nicht, in welcher Branche man diese einsetzen kann“, sagt der Manager. „Wir bringen diese Firmen dann mit potenziellen Geschäftspartnern zusammen“, fügt er hinzu. Von denen gibt es im Vergleich zum Westen nur verhältnismäßig wenige. Deswegen ist  Tschechien eher ein Nischenmarkt, wo spezielle Start-ups ihre Produkte anbieten. Dazu zählen etwa Firmen, die mit Blockchain-Technologie arbeiten, die beispielsweise in der Gesundheitsbranche bei der Dokumentation von medizinischen Informationen verwendet wird. „Wir gehen für 2018 und 2019 davon aus, dass immer mehr Unternehmen erscheinen, die hier aktiv sind,“ erklärt der CEO.

Dieser Beitrag ist in OstContact 12/2017 erschienen.