Trendsetter in China

Mit ihrem Bedürfnis nach individuellem Genuss, Lifestyle und Naherholung stellt eine aufstrebende Mittelschicht neue Anforderungen an das Angebot in Chinas Megacities. Themen wie Garten- und Landschaftsbau oder Craft Beer treffen den Nerv einer jungen Generation.

Mit ihrem Bedürfnis nach individuellem Genuss, Lifestyle und Naherholung stellt eine aufstrebende Mittelschicht neue Anforderungen an das Angebot in Chinas Megacities.
Craft Beer China 2017: Handwerklich hergestellte Biere liegen in China voll im Trend. Foto: Nürnberg Messe China

Über die Hälfte der chinesischen Bevölkerung lebt in Städten, das sind mehr Menschen, als die Europäische Union Einwohner hat. Im vergangenen Jahr lag die Verstädterungsquote bei rund 57 Prozent – und sie wächst weiter. Das Leben in riesigen Metropolen steigert auch das Bedürfnis nach mehr Grün und damit einer höheren Lebensqualität. Chinas Städte und Kommunen reagieren: Sie investieren umfassend in Räume zur Freizeitgestaltung wie Spielplätze und Sportanlagen oder Trendsegmente wie vertikale Begrünung.

Zwischen den Jahren 2003 und 2014 wuchs der Anteil an Grün auf bebauten Flächen in China um rund neun Prozent. Insgesamt nehmen Grünflächen in chinesischen Städten heute schon knapp zwei Millionen Hektar ein. Megacities wie Shanghai investieren verstärkt in Anlage und Erhaltung vorhandener Grünflächen. Andere Großstädte wie Chengdu ziehen nach und entwickeln das Thema Garten- und Landschaftsbau fort. Heerscharen an Gärtnern, die sich noch vor wenigen Jahren mit einfachsten Gartenwerkzeugen um die Gärten und Parks der Städte kümmerten, werden heute zunehmend durch modernes Arbeitsgerät unterstützt. Die Bewässerung geschieht oftmals automatisiert. Damit steigt die Nachfrage nach Maschinen und Arbeitsausrüstung, aber auch nach Baustoffen.

327 Milliarden US-Dollar für Landschaftsbau

„Der grüne Markt in China, insbesondere der Bereich öffentliches Grün, bietet ein enormes Potenzial“, sagt Darren Guo, Managing Director der NürnbergMesse China (NMC). Und der Garten- und Landschaftsbau bleibt in der Volksrepublik auch in den nächsten Jahren ein großes Thema. „Bis 2018 wird sich der Gesamtumsatz mit Garten- und Landschaftsbauprodukten auf etwa 327 Milliarden US-Dollar belaufen“, weiß Guo. Nachgefragt werden vor allem Bau- und Pflegemaschinen sowie Baustoffe wie Stein, Holz und Pflanzen – Produktgruppen, die sich auch auf der GaLaBau wiederfinden. Die Internationale Leitmesse für urbanes Grün und Freiräume versammelte 2016 mehr als 1.300 Aussteller und rund 65.000 Besucher in Nürnberg.

Mit ihrem Bedürfnis nach individuellem Genuss, Lifestyle und Naherholung stellt eine aufstrebende Mittelschicht neue Anforderungen an das Angebot in Chinas Megacities.
Blick in eine Messehalle der Greenery and Landscaping China, die 2017 erstmals von der NürnbergMesse China in Shanghai ausgerichtet wurde. Foto: Nürnberg Messe China

Von dieser Expertise beim Thema Garten- und Landschaftsbau profitiert seit 2017 die Greenery & Landscaping China (GLC) in Shanghai. Die Fachmesse, die bereits seit 2003 unter anderem Namen existiert, wurde im Juni erstmals von der NürnbergMesse China im Shanghai World Expo Exhibition & Convention Center (SWEECC) veranstaltet. Zusammen mit dem Gründungsvater, dem Verband Shanghai Landscape Architecture and Gardening Trade Association (SLAGTA), will sie die Fachmesse weiterentwickeln und internationalisieren.

An der Premiere beteiligten sich über 120 Aussteller aus acht Nationen und mehr als 7.000 Fachbesucher – allesamt Entscheider der Branche, darunter rund ein Drittel aus dem gehobenen Management von Landschaftsbauunternehmen, Händlern für Gartenbauprodukte und Landschaftsarchitekten. Grüne Profis, die Gärten, Parks, Freiflächen, Sport-, Spiel- und Golfplätze planen, bauen und pflegen, waren Besucher der Fachmesse. Neue Geschäftskooperationen aufzubauen, Kaufentscheidungen zu treffen und neue Produkte und Technologien kennenzulernen, waren die Gründe für ihren Besuch. „Die Greenery & Landscaping China gilt als Chinas professionellste und einflussreichste Fachmesse, nicht nur für Garten- und Landschaftsbau, sondern auch für Landschaftsarchitektur“, sagt Guo.

Craft Beer in aller Munde

Auf Grün steht die Ampel in China nicht nur beim Garten- und Landschaftsbau, auch Lifestyle-Produkte und Individualität werden für eine wachsende chinesische Mittelschicht und zunehmend bewusste Konsumenten immer wichtiger. Craft Beer ist ein solches Produkt. Ein Sektor der Bierindustrie, dessen weltweites Wachstum auch in der Volksrepublik stattfindet. Dort schießen lokale Marken aus dem Boden und starten ausländische Brauereien mit neuen Niederlassungen durch. Während der Konsum von industriell hergestelltem Bier in China seit Jahren rückläufig ist, erfuhr das Segment Craft Beer in den letzten vier Jahren eine Umsatzsteigerung von mehr als 50 Prozent.

„Handwerklich hergestellte Getränke aus hochwertigen Zutaten in unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen – nicht nur beim Bier – sind weltweit im Kommen“, sagt Andrea Kalrait, Veranstaltungsleiterin der BrauBeviale, einer der bedeutendsten Investitionsgütermessen für die Getränkeindustrie weltweit. Als internationale Produktmanagerin bei der NürnbergMesse ist Kalrait auch verantwortlich für die Beviale Family – zu dieser Produktfamilie zählen unter anderem die Craft-Beer-Veranstaltungen. Diese sind als Messen zum Anfassen und Lernen konzipiert, erklärt Kalrait: „Kernelement ist die Aus- und Weiterbildung, die von unterschiedlichen Formaten ergänzt wird. Das reicht von einer begleitenden Fachausstellung bis hin zu einer Veranstaltung mit Messecharakter.“ Unterstützt wird die NürnbergMesse bei der Konzeption von renommierten Branchenpartnern, der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin (VLB) sowie der Doemens Academy in Gräfelfing (Bayern).

Mit ihrem Bedürfnis nach individuellem Genuss, Lifestyle und Naherholung stellt eine aufstrebende Mittelschicht neue Anforderungen an das Angebot in Chinas Megacities.
Auf der Craft Beer China 2017 präsentierten sich 100 Aussteller aus 14 Ländern. Rund 5.400 Besucher aus 36 Ländern besuchten die Messe, die im vergangenen Jahr zum zweiten Mal stattfand. Foto: Nürnberg Messe China

Craft Beer ist ein Trend, der sich in den Metropolen rund um den Globus widerspiegelt – und für den sich in der Volksrepublik immer mehr Menschen begeistern und etablierte Brauereien neu erfinden. In China trifft sich die Craft-Beer-Szene auf der Craft Beer China, die 2017 zum zweiten Mal stattfand und von der NürnbergMesse China im SWEECC veranstaltet wird. Ein Trend, der boomt. Bereits bei ihrer zweiten Auflage zählte die Craft Beer China 100 Aussteller aus 14 Ländern und rund 5.400 Besucher aus 36 Ländern. Hersteller von Maschinen wie technischen Anlagen, Craft-Beer-Brauereien und Anbieter von Rohstoffen präsentieren sich dort. Kleine und mittlere Brauereien, Hotellerie, Gastronomie und Handel informieren sich über Neuheiten oder besuchen die Messe mit Konferenz, um neue Kooperationen einzugehen, Erfahrungen auszutauschen und Geschäftskontakte zu pflegen.

Deutsche Aussteller präsentieren sich

Auch deutsche Aussteller der BrauBeviale beteiligen sich an der Craft Beer China. Sie schätzen die internationale Ausrichtung der Veranstaltung, die vom Netzwerk der NürnbergMesse profitiert: „Es ist gut zu sehen, dass die chinesische Craft-Beer-Szene von internationalen Brauereien wahrgenommen und anerkannt wird“, so Felix Burberg, Head of Sales Plants and Components Southeast Asia / China bei der Krones AG. Für deutsche Unternehmen aus der Getränkebranche hat sich China in den letzten zehn Jahren zu einem wichtigen Exportmarkt entwickelt. So auch für die in Nürnberg ansässige Barth-Haas Group. Der weltweit größte Anbieter von Hopfenprodukten beteiligt sich regelmäßig an der BrauBeviale und zeigte auch auf der Craft Beer China Präsenz. „Wir beobachten, dass chinesische Brauer vermehrt auf das Premiumsegment im Biergeschäft setzen. Dafür brauchen sie qualitativ hochwertige Rohstoffe, die die einheimische Hopfenproduktion zurzeit nicht bieten kann“, erklärt Stephan J. Barth, Geschäftsführer Barth-Haas Group.

Individuelle Getränkekultur – ein Trend, der sich weltweit entwickelt. So unterschiedlich die Schauplätze auch sind, eines haben die von der NürnbergMesse organisierten Treffpunkte der Szene rund um den Globus gemeinsam: Sie bilden die gesamte Prozesskette in der Getränketechnologie und beim Bierbrauen ab. Die Expertise dafür kommt aus jahrzehntelanger Erfahrung mit der BrauBeviale, an der sich Mittelstand und Global Player aus der ganzen Welt beteiligen – und natürlich auch aus China.

Dieser Beitrag ist in ChinaContact 12/2017 erschienen.

Kathrin Kinne

ist International Sales Manager der NürnbergMesse China.

kathrin.kinne@nm-china.com.cn

NürnbergMesse China Co., Ltd., Shanghai