Oligarchen fürchten neue US-Sanktionen

Die Festnahme von Milliardär Suleiman Kerimow in Frankreich macht Kreml-nahe Oligarchen nervös – Verdacht auf Geldwäsche. Nun wollen wohlhabende Geschäftsleute ihr Auslandsvermögen wieder nach Russland schaffen.

Die Festnahme von Milliardär Suleiman Kerimow in Frankreich macht Kreml-nahe Oligarchen nervös – Verdacht auf Geldwäsche.
Anonyme Quellen in der russischen Zentralbank berichteten von Vorschlägen der Geschäftsleute, wie sie das Geld anonym wieder in Russland anlegen könnten. Foto: iStock / Kritchanut

Von Moritz Gathman

Aus Angst vor neuen US-Sanktionen versuchen wohlhabende russische Geschäftsleute, ihre Auslandsvermögen wieder nach Russland zurückzubringen. Das meldete in der vergangenen Woche die Nachrichtenagentur „Reuters“.

Anonyme Quellen in der russischen Zentralbank berichteten von Vorschlägen der Geschäftsleute, wie sie das Geld anonym wieder in Russland anlegen könnten: Die Zentralbank solle Bonds in Fremdwährungen auflegen, die eine höhere Rendite als gewöhnliche Anlagen haben. Dies werde den Prozess beschleunigen, der ohnehin schon stattfinde: Russen aus der Umgebung Putins brächten Geld in Fremdwährungen nach Russland zurück.

Schwerer Kampf gegen Geldwäsche und Steueroasen

Allerdings – so berichtete die Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ – habe die Zentralbank den Vorschlag mit dem Verweis abgelehnt, dass über die russischen Eurobonds schon ausreichende Möglichkeiten bestünden, ausländische Währungen in Russland anzulegen.

Die Nervosität der russischen Geschäftsleute hat einerseits mit dem verstärkten Kampf westlicher Regierungen gegen Steueroasen und Geldwäsche zu tun, andererseits mit der US-amerikanischen Sanktionspolitik, die immer schwerer zu prognostizieren ist.

Speziell geht es um einen Termin Anfang des Jahres: Im Januar 2018 wird in den amerikanischen Kongress eine Sanktionsliste eingebracht, in der die wichtigsten Figuren aus Politik und Wirtschaft aufgelistet werden sollen, die dem Kreml nahestehen. Aber wie weit wird der Kongress diese Definition fassen?

Der Fall Kerimow macht Oligarchen nervös

In dieser Hinsicht gilt die Festnahme des Milliardärs Suleiman Kerimow in Frankreich unter russischen Oligarchen als Warnschuss: Der 1,6 Mrd. US-Dollar schwere Kerimow, der zwar nicht zum engen Kreis um Putin gehört, aber dennoch als Kreml-loyal gilt, war am 20. November in Nizza festgenommen und später auf Kaution wieder freigelassen worden. Die französischen Behörden werfen ihm Geldwäsche vor.

Russischen Medien zufolge steckt hinter Festnahmen wie diesen und der Sanktionsliste der Versuch der USA, die russische Wirtschaftselite vor den Präsidentschaftswahlen im März gegen den Kreml aufzubringen. Der Effekt ist allerdings entgegengesetzt: In den letzten Monaten gab es sogar von Oligarchen wie Wladimir Potanin oder Michail Prochorow, die dem Kreml weniger nahestehen, Auftritte, in denen diese ihre Loyalität zum Kreml demonstrierten.

Auf ausländischen Konten liegen heute der Agentur Reuters zufolge mindestens 200 Milliarden US-Dollar der russischen Elite.

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