Person der Woche: Bastian Obermayer

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ASPEKTE

  • Der investigative Journalist hat eine klassische Ausbildung hinter sich.
  • Der 40-Jährige ist vor allem für seine Recherchen zu den Panama Papers bekannt.
  • Der Publizist gewann bereits viele Auszeichnungen.

Obermayer gehört zu den führenden Journalisten unserer Zeit – gemeinsam mit seinem Kollegen Frederik Obermaier. Heute ist er stellvertretender Leiter des Ressorts Investigative Recherche der Süddeutschen Zeitung. Im Studium hat er eine „klassische“ Journalistenausbildung absolviert: Er studierte in München Politik, Amerikanistik und Neuere und Neueste Geschichte und besuchte dann die Deutsche Journalistenschule. Danach begann er als freier Mitarbeiter beim SZ-Magazin, später wurde er festangestellter Redakteur. Obermayer wechselte im Sommer 2012 in den Bereich Investigativer Journalismus der SZ, die auch Mitglied im internationalen Recherchenetzwerk ICIJ ist. Die Zeitung und das Netzwerk waren wesentlich an der Aufdeckung des Skandals um die Panama Papers beteiligt – einer internationalen Korruptionsaffäre um Steuergelder. Der gebürtige Rosenheimer ist vor allem für die Recherche zu diesem Fall bekannt. Darüber hinaus recherchierte und publizierte er auch über den ADAC (2014), über die Missbrauchsfälle im bayrischen Klosterinternat in Ettal (2011) oder über die Bundeswehr (2010).

Während seiner Karriere hat der 40-Jährige internationale und deutsche Auszeichnungen gesammelt: Er erhielt 2015 und 2017 den Deutschen Journalistenpreis. 2010 gewann Obermayer den damals erstmalig verliehenen Henri-Nannen-Sonderpreis für den Artikel „Feldpost aus Afghanistan“, in dem Briefe und E-Mails deutscher Soldaten aus Afghanistan gegen den Willen der Bundeswehr veröffentlicht wurden. Zudem wurde er mit dem Wächterpreis der Tagespresse (2015), dem Helmut Schmidt Journalistenpreis (2016) und dem Georg von Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik ausgezeichnet. Doch das ist bei Weitem nicht alles: Der Journalist bekam den von den Industrie- und Handelskammern ausgeschriebenen Ernst-Schneider-Preis in einer Sonderkategorie (2016) und den Otto-Brenner-Preis für kritischen Journalismus der IG-Metall (2016). Im April wurde der Journalist schließlich mit dem Pulitzer-Preis für die Recherchen zu den Panama Papers ausgezeichnet.


AUSSAGEN

  • Obermayer sieht sich als jemand, der Sinn für Ungerechtigkeit hat.
  • Der Journalist wollte schon immer für die SZ schreiben.
  • Aus seiner Sicht ist der Pulitzer-Preis der Traum eines jeden Journalisten.

 Über seinen Werdegang zum Offshore-Experten (2016):

„Um ehrlich zu sein, war ich nie ein Wirtschaftsjournalist, denn ich habe keine Ahnung von Wirtschaft. Ich denke, ich habe eher einen Sinn für Ungerechtigkeit und Ungleichheit. Und wenn ich das sehe, möchte ich es aufdecken und darüber schreiben.“

Über den Unterschied zwischen Paradise Papers und Panama Papers (2017):

„Sie unterscheiden sich sowohl durch den Ursprung als auch durch den Inhalt. Anders als bei den Panama Papers finden sich dieses Mal nicht nur Politiker, Superreiche oder Sportler in den Unterlagen, sondern auch zahlreiche multinationale Konzerne, die das Offshore-System nutzen (…) unter anderem Nike, Apple, Facebook, Walmart, die Allianz, Siemens, McDonald’s und Yahoo.“

Über seine Zeitung (2014):

„Ich habe mit 14 oder 15 zum ersten Mal eine SZ in die Hände bekommen. Zuvor war ich begeisterter Zeitungsleser, aber das war eine vollkommen andere Sportart als die, die in unserer Heimatzeitung gespielt wurde. Seitdem wollte ich Journalist werden, am liebsten bei dieser SZ.“

Über den Pulitzer-Preis (2017):

„Es ist natürlich unglaublich, weil das der Traum eines jeden Journalisten ist.“

Über die Brisanz der Panama Papers (2016):

„Spätestens als der Name des besten Freundes von Wladimir Putin und weiterer Staats- und Regierungschefs in den Dokumenten auftauchten, war uns klar: Das wird eine internationale Geschichte, die für Aufsehen sorgen wird.“

Über Daten-Leaks (2016):

„Leaks üben eine wichtige gesellschaftliche Kontrollfunktion aus. Jeder, der etwas Illegales oder Anrüchiges tut und das verstecken will, muss damit rechnen, dass es irgendwo ein Leck gibt.“


ANSICHTEN:

  • Preisverleiher loben seine Teilnahme an den Recherchen des Investigativ-Teams der SZ.
  • Sie halten die Enthüllung des Skandals um die Panama Paper für eine journalistische Großtat.
  • Kritiker ehren seine Arbeit für die Aufdeckung von Missständen in der Gesellschaft.           

 „Der Reporter des SZ-Investigativ-Teams war 2014 an einer ganzen Reihe von großen Wirtschaftsenthüllungen beteiligt. Obermayer glänzt.“

Gremium des Medium-Magazin-Preises für Journalismus in der Kategorie Wirtschaft (2014)

„Die ‚Panama Papers‘ sind eine journalistische Großtat, ein Unikat, was die internationale Dimension der Enthüllungen angeht, und sie sind der Superlativ des transnationalen Journalismus, weil hier mehr als 400 Journalisten höchst konzentriert und verlässlich verschwiegen zusammengearbeitet haben. Für die Jury bleibt jedoch die Leistung der beiden SZ-Reporter Bastian Obermayer und Frederik Obermaier ‚singulär‘. Sie haben ihr Reporterglück durch unermüdliche Gegenrecherche perfekt in einen Scoop von globaler Reichweite und mit noch unabsehbaren Folgen verwandelt.“

Jury des Otto-Brenner-Preises für kritischen Wirtschaftsjournalismus (2016)

„Ausgezeichnet werden Journalisten, die durch ihre Arbeit als Wächter der verfassungspolitischen Funktion der Tagespresse in besonderem Maße entsprechen, indem sie Missstände aufdecken oder sachfremde Einflüsse auf die Presse offenlegen.“

Jury des Wächterpreises der deutschen Tagespresse (2015)

„Der Geist dieser Zeitung hängt mit dem Selbstverständnis und der Art der Leute, die hier arbeiten zusammen.“

Wolfgang Krach, Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung (2017)