Vornehme Zurückhaltung

Seitdem die Sanktionen teilweise aufgehoben wurden, sind die Exporte in den Iran um 25 Prozent gewachsen. Die Finanzierung im Irangeschäft bleibt aber ein großes Problem. Viele Banken halten sich zurück – aus Angst vor Trump.

Von Dominik Vorhölter und Patrick Bessler

Wenn man im Iran Geld verdienen will, muss man erst einmal eine Bank finden, die das Geschäft finanziert, Exportkreditversicherungen bietet oder dem Zahlungsverkehr abwickelt. Foto: iStock © ppart

Es herrschte Goldgräberstimmung unter deutschen Unternehmern. Nachdem die EU und die USA unter Obama am 16. Januar 2016 die seit mehr als zehn Jahre geltenden Sanktionen gegen die Islamische Republik Iran teilweise außer Kraft gesetzt hatten, erschien das Land als attraktiver neuer Markt. Auch kleine und mittelständische Unternehmen zeigten Interesse an neuen Geschäftsbeziehungen mit dem Iran. Handelskammern, unter anderem aus Berlin und Bayern, nahmen Kontakt mit potenziellen iranischen Geschäftsleuten auf. Der Abschluss eines Memorandums of Understanding zwischen der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK Berlin) und der Teheran Chamber of Commerce sollte die Beziehungen zwischen Unternehmern der deutschen und iranischen Hauptstadt anstoßen. Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft vbw hatte bereits im Jahr 2015 eine Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen angestoßen und feierte im Mai die Eröffnung eines Verbindungsbüros in Teheran. Das Memorandum of Understanding zwischen der IHK Berlin und Teheran hatte noch keine nennenswerten Neugeschäfte hervorgebracht.

Exportgeschäft boomt

Mit der teilweisen Aussetzung der Sanktionen wurde der direkte Zahlungsverkehr zwischen Deutschland und Iran möglich. Ein Aufschwung war bereits im Jahr 2016 zu beobachten. Die Ausfuhren aus Deutschland nach Iran sind nach Angaben des Bundesamtes für Statistik von zwei Milliarden im Jahr 2015 auf 2,5 Milliarden im Jahr 2016 um 25 Prozent angestiegen. Für das erste Halbjahr 2017 verzeichnet die Behörde einen Zuwachs des Exportvolumens in den Iran um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 1,1 Milliarden auf 1,3 Milliarden Euro. Unternehmer können bei ihren Geschäften seit Juni vergangenen Jahres auch grundsätzlich wieder auf die Exportkreditversicherung mit staatlicher Deckng hoffen. Der Bund hat bereits kurzfristige Geschäfte wieder in Deckung genommen.

Markt mit finanziellen Fallstricken

Doch wer im Iran Geld verdienen will, muss erst einmal eine Bank finden, die das Geschäft finanziert, Exportkreditversicherungen bietet oder dem Zahlungsverkehr abwickelt. Denn besonders die großen europäischen Geschäftsbanken, die auch enge Geschäftsbeziehungen mit US-amerikanischen Firmen pflegen, schrecken vor den Strafmaßnahmen der US-Behörden zurück. „Iran erst einmal nicht“, oder „das Thema ist momentan zu heiß“, sind Sätze, die nur hinter vorgehaltener Hand fallen – aber stellvertretend für die vornehme Zurückhaltung vieler Geldhäuser stehen. Wie lange das noch der Fall sein wird, womit Mittelständler rechnen müssen und worauf sie hoffen können – dazu wollte sich kaum eine der gut zehn Banken äußern, bei denen IranContact nachfragte. Und wenn überhaupt, dann „off the record“.

Nach wie vor können Geschäfte zudem nicht in US-Dollar abgewickelt werden. Auch iranische Banken ringen um Vertrauen. Die Goldgräberstimmung ist also Ernüchterung gewichen. Trotzdem entwickelt sich das Iran-Geschäft, das besonders Chancen für kleine und mittelständische europäische Banken bereithält – wie ein neues Abkommen zwischen der iranischen Notenbank und der österreichischen Oberbank beweist.

Dieser Beitrag erschien zuletzt in IranContact 03/2017.